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Lars Peter Hansen : Der Börsenversteher

Lars Peter Hansen (Jahrgang 1952) Bild: AFP

Lars Peter Hansen hat mit eleganter Mathematik das Auf und Ab der Kurse entschlüsselt. Sein Analyseverfahren macht deutlich: gängige Auffassungen über den Menschen müssen überdacht werden. Das brachte ihm 2013 den Nobelpreis.

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          Das geheimnisvolle Auf und Ab der Aktienmärkte, das Menschen unermesslich reich machen kann, aber auch das Risiko von Abstürzen, Krisen und Verelendung immer schon in sich birgt – das ist eines der faszinierendsten Forschungsgebiete der Wirtschaftswissenschaften der vergangenen Jahre. Und zwar gerade deshalb, weil es schwierig ist, in die scheinbar willkürlichen Kursverläufe von Aktien, die heute wie in einem Rausch gefeiert werden und morgen schon ins Bodenlose fallen können, irgendeine Logik oder Systematik hineinzubringen. Weil es nicht leicht ist, die Entstehung des Preises von Wertpapieren wirklich zu verstehen.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Im vorigen Jahr mussten sich sogar gleich drei Ökonomen, die sich mit dieser Finanzmarkttheorie beschäftigen, den Wirtschaftsnobelpreis teilen: Der am wenigsten bekannte von ihnen ist Lars Peter Hansen, 61, Professor an der University of Chicago. Während seine Kollegen Eugene Fama mit seiner Theorie der effizienten Kapitalmärkte (alle Informationen werden am Aktienmarkt sofort in den Kursen verarbeitet) und Robert Shiller mit seiner Theorie vom Irrationalen Überschwang (Aktienmärkte neigen ständig zu Übertreibungen) weltweit für Diskussionen sorgten, blieb Hansen – zumindest außerhalb der universitären Kreise – in ihrem Schatten.

          Zu Unrecht. Der ruhige Mann mit der kleinen Brille hat wichtiges Rüstzeug geliefert, damit man Aktienmärkte überhaupt wissenschaftlich analysieren kann.

          Das Verfahren, das er entwickelt hat, heißt „GMM“. Diese Abkürzung steht für „Generalized Method of Moments“ („Verallgemeinerte Momenten-Methode“): Das ist ein wirtschaftsmathematisches Verfahren, um aus bekannten Größen mit Hilfe eines Modells unbekannte Parameter abzuschätzen. Ein Verbindungselement gleichsam zwischen den Methoden der Statistik und den Modellen, die einen Zusammenhang beschreiben, wie sie in der Wirtschaftswissenschaft eingesetzt werden.

          Geholfen hat Hansen bei seiner Forschung, dass er ursprünglich auch Mathematik studiert hat, bevor er sich der Ökonomie zuwandte. Und zwar an der weniger bekannten Utah State University in Logan, an der schon sein Vater (bezeichnenderweise ein Naturwissenschaftler) Kanzler gewesen war. In einem Interview hat Hansen einmal erzählt, seine letzten Jahre an der Highschool seien „schwierig“ gewesen: Darum habe er bei der Auswahl der Universität leider nicht besonders viele Optionen gehabt. Umso bemerkenswerter ist, dass sich später die renommiertesten amerikanischen Universitäten um ihn rissen: Seit 1984 lehrt Hansen in Chicago, als Gastprofessor unterrichtete er außerdem in Stanford, in Harvard und am Massachusetts Institute of Technology (MIT).

          Der Professor, der mit der Tochter eines berühmten chinesischen Ökonomen verheiratet ist, wird nicht nur für seine Forschungen und Einsichten hochgeachtet, wie sein Kollege Harald Uhlig aus Chicago erzählt: „Er kümmert sich auch vorbildlich um die Ausbildung der Doktoranden.“ Als Prediger von wirtschaftspolitischen Ansichten ist Hansen hingegen insgesamt weniger hervorgetreten – auch wenn er sich unlängst kritisch in der „Neuen Zürcher Zeitung“ zur Geldpolitik der amerikanischen Notenbank Fed äußerte. Er warnte vor künftiger, dann schwer zu kontrollierender Inflation.

          Unbekannte Werte werden einschätzbar

          Der Hauptgrund aber, warum Hansen in den Medien weniger präsent ist als seine beiden Mit-Nobelpreisträger, ist sicherlich, dass seine Theorie sperriger ist und sich nicht leicht in einfachen Worten beschreiben lässt. „Viele der spezifischen Details sind schwer verständlich“, räumte Hansen selbst ein.

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