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Die Geschichte des Geldes : Von der Muschel zum Papier

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Auch das heute gebräuchliche Papiergeld hat sich in der Vergangenheit oft als wenig wertbeständig erwiesen. In seinem Ursprung geht es auf den Wechsel zurück, denn letztlich ist eine Banknote nichts anderes als ein Zahlungsversprechen. Diese historischen Wurzeln sind heute noch sichtbar auf der englischen Pfundnote, wo es heißt: "I promise to pay the bearer on demand the sum of one pound."

Vorläufer der Banknoten wurden schon im 2. Jahrtausend vor Christus in Mesopotamien verwendet. Standardisiertes Papiergeld kam zum ersten mal im 7. Jahrhundert in China auf. In Europa ist es dagegen erst ab Ende des 15. Jahrhunderts bekannt. Zunächst war es nur als Ersatzgeld für den Fall von Münzknappheit gedacht, aber bereits 1661 gab die Stockholmer Bank offizielle Banknoten heraus. Man hatte begriffen, dass das Papiergeld viel effizienter war als der Einsatz knapper Edelmetalle für den Zahlungsverkehr. Denn die Herstellungskosten von Banknoten waren ungleich geringer als der Wert der Münzen, die man dafür kaufen konnte.

Diesen Umstand machte sich im großen Stil zuerst der schottische Lebemann und Finanzjongleur John Law zunutze. In England wegen Mordes gesucht, überredete er den französischen König dazu, staatliches Papiergeld zu drucken und damit Münzen und staatliche Schuldscheine aufzukaufen. Anfänglich war das ganze ein grandioser Erfolg, aber Law machte den Fehler, zu viel von dem neuen Geld in Umlauf zu bringen. Infolgedessen kam es zu heilloser Inflation, ähnlich wie später in vielen anderen Fällen des sorglosen Umgangs mit der Notenpresse. Das Extrembeispiel war die deutsche Hyperinflation von 1923, auf deren Höhepunkt eine Reichsmark gerade noch ein Billionstel Dollar wert war. Dass es auch anders geht, zeigen die Erfolgsgeschichten der D-Mark, des Schweizer Franken und durchaus auch des Euro. Wenn man das Geld knapp genug hält, taugt sogar das völlig stofflose Buchgeld als Wertaufbewahrungsmittel, das heute den größten Teil der Geldmenge ausmacht.

Auf der Suche nach der optimalen Geldordnung

Nach herrschender ökonomischer Lehrmeinung ist Geld neutral, das heißt, es verändert bei richtiger Emissionspolitik weder das Preisniveau noch den Zinssatz. Es gibt aber auch eine Tradition von Ökonomen, welche die Rolle des Geldes grundsätzlich kritisieren. So nannte Pierre-Joseph Proudhon, einer der Gründerväter des Anarchismus, das Geld einen Riegel, der den Zutritt zu den Märkten versperrt. Ähnlich sah es der Sozialreformer Silvio Gesell, der mit Hilfe des sogenannten Schwundgeldes den seiner Meinung nach schädlichen Geldzins beseitigen wollte.

Auch in der Krisentheorie von John Maynard Keynes spielte das Geld eine zentrale Rolle. In unsicheren Zeiten halten demnach Menschen und Banken ihr Geld fest, statt es auszugeben. Dadurch aber verschärft sich die Krise, weil es sowohl an Konsumnachfrage als auch an Kreditangebot für die Unternehmen mangelt. In der jüngsten Finanzkrise hat sich diese Sorge durchaus bestätigt.

Auch die Kritiker des Geldes haben freilich selten seine völlige Abschaffung gefordert. Man würde ja auch nicht die Flüsse trockenlegen wollen, nur weil sie manchmal über die Ufer treten oder Niedrigwasser führen. Bei der Suche nach einer optimalen Geldordnung geht es vielmehr darum, die Gefahren des Geldes in Grenzen zu halten und seine unbestrittenen Vorteile bestmöglich zu nutzen. Denn eines ist sicher: Der Wohlstandszuwachs der vergangenen Jahrhunderte wäre ohne die Entwicklung des modernen Geldwesens nicht möglich gewesen. Auch die Menschen in aufstrebenden Ländern, die früher bittere Armenhäuser waren, haben davon profitiert.

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