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Die Deutschen und die Zeit : Wer Kinder hat, schuftet zehn Stunden mehr

Kinder nehmen Zeit in Anspruch. Bild: dapd

Für Eltern gilt die 60-Stunden- Woche, zählt man Beruf und Haushalt zusammen. Dass im Beruf meist die Frau kürzertritt, missfällt der Familienministerin.

          3 Min.

          Die Woche hat 168 Stunden - trotzdem ist sie nicht für alle Menschen gleich lang: Während Männer und Frauen ohne Kinder im Durchschnitt gut 48 Stunden mit Arbeiten im Beruf und im Haushalt verbringen, wenden Eltern im Durchschnitt mehr als 58 Stunden dafür auf. Ihnen bleiben damit also zehn Stunden je Woche weniger für Freizeit und Erholung, das sind knapp eineinhalb Stunden je Tag. Eltern, deren Kinder unter 6 Jahre alt sind, kommen sogar auf einen Zeitaufwand von 61 Stunden bezahlter und unbezahlter Arbeit. Das hat das Statistische Bundesamt mit Hilfe einer groß angelegten Zeiterhebung im Auftrag des Bundesfamilien- und des Bundesbildungsministeriums ermittelt; 11.000 Menschen führten über mehrere Monate hinweg ein Haushaltsbuch über ihre Zeit.

          Dietrich Creutzburg

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Ob Kinder im Haushalt leben, entscheidet in der Praxis zugleich sehr stark darüber, wie sich die Arbeit zwischen Männern und Frauen verteilt: Wo keine Kinder zu versorgen sind, wenden Frauen im Durchschnitt 24,3 Stunden für den Beruf auf und Männer 30 Stunden. Sind jedoch Kinder da, dann verringern Frauen den Anteil ihrer beruflichen Arbeitszeit auf durchschnittlich gut 17 Stunden, Männer weiten sie hingegen auf mehr als 37 Stunden aus. Alle Durchschnittswerte liegen unter den üblichen Stundenzahlen für Vollzeitarbeit, da zu den Befragten auch Teilzeitkräfte und Erwerbslose zählten.

          Wer verzichtet auf die Arbeit?

          Nach Überzeugung von Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) kommen Eltern in vielen Fällen nicht ganz freiwillig dazu, dass die Mutter im Erwerbsleben kürzertritt, während der Vater beruflich noch zulegt. „Faktisch fällt die Entscheidung oft nach dem Lohn“, kommentierte sie die Daten. Die Familien müssten nun einmal aufs Geld achten. Und wo die Partnerin einen geringeren Lohn habe als der Partner, liege es meist nahe, dass eher sie ihre Arbeitszeit im Beruf reduziere.

          Genau darin sieht Schwesig jedoch ein zentrales familien- und sozialpolitisches Problem, denn diese Entscheidung habe regelmäßig „massive Auswirkungen auf das weitere Berufsleben, das Einkommen und die Rente der Frauen“. Umso mehr sieht sie sich bestärkt, durch Förderinstrumente bis hin zur staatlich bezuschussten 32-Stunden-Woche („Familienarbeitszeit“) mehr Anreize für eine gleichmäßigere Arbeitsteilung zwischen Vätern und Müttern zu geben. „Die Familienarbeitszeit ist kein sozialromantischer Schnickschnack“, sagte Schwesig.

          Die neue Erhebung des Statistischen Bundesamts zeigt, dass sich ein Teil der Eltern tatsächlich neben allen sonstigen Aufgaben mehr Zeit für ihre Kinder wünscht: Etwa jeder dritte Vater und jede fünfte Mutter äußerten die Ansicht, dass sie im Alltag nicht genug Zeit für ihre Kinder hätten. Umgekehrt hätten 7 Prozent der erwerbstätigen Väter gerne noch mehr Zeit für ihren Beruf, unter den erwerbstätigen Müttern wünschen sich dies aber sogar 28 Prozent.

          Der Vergleich mit einer ähnlichen Erhebung vor elf Jahren zeigt, dass heute Mütter und Väter gleichermaßen neben allen sonstigen Aufgaben im Durchschnitt etwas mehr Zeit für ihre Kinder einsetzen. So können sich Kinder unter sechs Jahren heute über durchschnittlich eine Stunde und 22 Minuten Zuwendung ihrer Väter freuen, ob beim Zähneputzen oder bei Sport und Spiel. Das sind 12 Minuten mehr als zuvor. Mütter stehen den Kindern dafür nun fast drei Stunden zur Verfügung, 13 Minuten mehr als vor elf Jahren. Zugleich hat sich, ungeachtet der großen Unterschiede, auch die Zeit etwas verlängert, die Eltern durchschnittlich im Beruf verbringen.

          Weniger Zeit für die Hausarbeit

          Etwas verringert hat sich indessen die Zeit, die für allgemeine Haushaltsarbeit aufgewendet wird. Wie viel dies mit einer stärkeren Verbreitung von Spülmaschinen, Roboterstaubsaugern oder Putzhilfen zu tun hat, ist offen. Betrachtet man allein Küchenarbeit, Putzen und Waschen, dann haben allerdings Männer in den vergangenen elf Jahren sogar - von niedrigem Niveau aus - etwas aufgeholt. Sie beteiligen sich heute im Durchschnitt fünfdreiviertel Stunden je Woche an diesen Arbeiten, das sind 19 Minuten mehr als zuvor. Dafür haben sie Gartenarbeit und Heimwerkerei gleich um eine Stunde auf unter vier Stunden zurückgeschraubt.

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          Frauen verbringen dagegen mit durchschnittlich knapp 14 Stunden immer noch weitaus mehr Zeit mit Küchenarbeit, Putzen und Waschen. Allerdings waren dies von elf Jahren noch mehr als 16 Stunden. Die übrige unbezahlte Arbeitszeit setzen sie nicht vollständig für den eigenen Haushalt ein, wie die Einzelauswertung zeigt: Eindreiviertel Stunden entfallen auf Ehrenämter aller Art – wie vor elf Jahren.

          Aufgrund eines Fehlers in der Produktion hatten wir in den Grafiken zur Arbeitszeit zweimal die Antwort, die Väter wollten weniger arbeiten. Bitte entschuldigen Sie! Wir danken für den Hinweis und haben das korrigiert.

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