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Arbeiten : Der Unsinn des Home Office

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Im Labor nachgewiesen: Der „Kollegen-Effekt”. Bild: dpa

Der Traum vom Arbeitsplatz daheim ist so alt wie die moderne Bürowelt. Viele glauben, dass man zu Hause effizienter arbeitet. Nur Lehrer wissen, dass das ein Irrtum ist - und mittlerweile sind auch die Ökonomen informiert. In Teams arbeiten Menschen produktiver als allein. Die Guten ziehen die Schlechten mit.

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          Der Traum vom Arbeitsplatz daheim ist so alt wie die moderne Bürowelt. Endlich einmal weg vom grauen Schreibtisch, von nörgelnden Kollegen und vom Krawattenzwang. Den Laptop bei Sonnenschein im Garten aufklappen, sich im Pyjama per Telefon zur Konferenz dazuschalten, zwischendurch etwas zum Mittagessen brutzeln - und trotzdem alles schneller fertigmachen als sonst, weil nicht ständig jemand in der Tür steht. Neidisch wird es beäugt, wenn ein Kollege die Möglichkeit erhält, einen Tag pro Woche von daheim zu arbeiten. Viele glauben, dass man zu Hause nicht nur freier ist, sondern auch effizienter arbeitet.

          Nur Lehrer wissen aus eigener Erfahrung, dass das ein Irrtum ist - und mittlerweile sind auch die Ökonomen informiert. Sie haben erforscht, wie Menschen allein und in Teams arbeiten, und dabei festgestellt: In der Regel sind Teams gemeinsam deutlich produktiver, als wenn sie vereinzelt arbeiten. Es gibt einen eindeutigen Kollegen-Effekt. Er wurde sowohl im Labor als auch in der tatsächlichen Arbeitswelt nachgewiesen. Und er gilt schon für ganz simple Tätigkeiten. Zum Beispiel für das Eintüten von Briefen.

          Das haben Armin Falk und Andrea Ichino gezeigt. Sie stellten Studenten dafür ein, Briefe zu verpacken, und ließen sie dabei entweder allein oder wiesen sie an, zu zweit in einem Raum zusammenzuarbeiten. Die Studenten wurden nicht nach der Anzahl der Briefe bezahlt, die sie schafften, sondern sie erhielten einen festen Betrag für vier Stunden Arbeit.

          Die Langsamen lassen sich von den Schnellen mitziehen

          Das wichtigste Ergebnis der Studie war: Die Paare zeigten sich deutlich produktiver als zwei, die einzeln vor sich hinwerkelten. Sie verpackten im Schnitt deutlich mehr Briefe in den vier Stunden, nämlich 221 statt 190. Die Anwesenheit eines Kollegen mit der gleichen Aufgabe führte außerdem dazu, dass beide ein ähnliches Arbeitstempo entwickelten. Der Unterschied in der Zahl der fertiggestellten Briefe war zwischen zwei zufällig ausgewählten Einzelarbeitern deutlich größer als zwischen den Partnern, die gemeinsam in einem Raum saßen.

          Das lag vor allem daran, dass die Langsamen sich von den Schnellen mitziehen ließen. So verpackten die langsamsten zehn Prozent der Arbeiter in den Paar-Experimenten im Schnitt 42 Briefe mehr als die langsamsten zehn Prozent der Einzelarbeiter. Die Schnellsten verbesserten sich nicht ganz so stark. Doch - entgegen dem üblichen Vorurteil - wurden auch sie nicht ausgebremst durch die Gruppenarbeit, sondern profitierten ebenfalls. Die schnellsten zehn Prozent der Studenten, die einen Partner hatten, schafften im Schnitt immerhin neun Briefe mehr als die schnellsten zehn Prozent der allein Arbeitenden. Einen besonders guten Mitarbeiter einzustellen und in ein Team zu integrieren bringt also zweierlei: Er erbringt seine eigene gute Leistung, und er steigert auch noch die Leistung derjenigen, die mit ihm zusammenarbeiten.

          Doch funktioniert das auch im wirklichen Arbeitsleben jenseits des Feldexperiments? Alexandre Mas und Enrico Moretti zeigen, dass das der Fall ist. Sie analysieren die Daten einer großen Supermarktkette zu den Leistungen ihrer Kassierer. Hier kann sehr leicht erfasst werden, wie produktiv der Einzelne arbeitet. Mas und Moretti messen dies über die durchschnittliche Anzahl der Produkte, die ein Kassierer in einem Zehn-Minuten-Zeitraum pro Sekunde scannt. Dabei vergleichen sie nur Zeiträume, in denen es tatsächlich Kunden gab und in denen mindestens zwei Kassierer gearbeitet haben.

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