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Bildungspolitik : Schüler wollen Wirtschaft als Fach - Grüne nicht

Unterstützt werden sie von wirtschaftskritischen Wissenschaftlern. So wettert der Frankfurter Professor für die Didaktik der Sozialwissenschaften, Tim Engartner, gegen das „von Lobbyverbänden geforderte Separatfach Wirtschaft“ und fordert ökonomische Themen „in bester Tradition“ in sozialwissenschaftliche Fächer zu integrieren. Keinesfalls dürfe die Inthronisierung der ökonomischen die Entthronung der politischen Bildung zum Ziel haben. Sonst drohe die auf die „Totalbewirtschaftung des Lebens zielende Kosten-Nutzen-Kalkulation“ zum Fixpunkt ökonomischer Bildung zu werden.

Solchen Äußerungen hält Wirtschaftsdidaktiker Loerwald entgegen, dass es kritische ökonomische Bildung auch und vor allem vom Ökonomielehrer gebe. „Guter Wirtschaftsunterricht ist immer kritisch, aber auch fachlich fundiert. Und wie wollen Politiklehrer kritische ökonomische Bildung betreiben, wenn sie sich fachlich nicht auskennen?“ Als Beispiel nennt er das Thema Mindestlohn: „Wer den Markt als etwas Böses ansieht, ist unreflektiert für den Mindestlohn. Wer ökonomisch gebildet ist, beleuchtet eher Argumente dafür und dagegen.“

Ein Fach Verbraucherbildung als Ersatz?

Wie stark sich die Geister am Fach Wirtschaft scheiden, ist derzeit in Nordrhein-Westfalen zu beobachten. Dort läuft seit 2012 ein Schulversuch: An ausgewählten Realschulen wird Wirtschaft in einem eigenen Fach unterrichtet. Dafür setzt sich in dem größten deutschen Bundesland sogar eine Gewerkschaft vehement ein: Lehrer NRW, die die Interessen vor allem von Realschullehrern vertritt. Sie verlangt, Wirtschaft dauerhaft als Pflichtfach einzuführen.

Schon bei Ankündigung des Modellversuchs war die Resonanz sehr positiv. Dreißig Schulen sollten teilnehmen, viel mehr bekundeten Interesse - es wurden siebzig. Wirtschaftsdidaktik-Professoren arbeiteten ein Curriculum aus. Und die Lehrer machten begeistert mit, sagt die Vorsitzende von Lehrer NRW, Brigitte Balbach. „Ich habe in den letzten Jahren nicht erlebt, dass sich eine Gruppe von Lehrern einer Sache mit so viel Herzblut annimmt“, lobt sie. „Sie wissen, die Zeit ist reif. Und die Schüler ziehen mit.“ Dass die Beteiligten das Fach Wirtschaft nun unbefristet haben wollen, zeigt eine Umfrage: 80 Prozent sprechen sich uneingeschränkt dafür aus.

Doch die Aussichten sind nicht gut. Die rot-grüne Landesregierung habe den zunächst einjährigen Modellversuch, der von einer CDU-Ministerin beschlossen wurde, zwar um ein Jahr verlängert, stehe aber nicht so dafür, sagt Balbach. Wahrscheinlicher sei ein Fach Verbraucherbildung. „Es soll um Konsum, Ernährung, Gesundheit, Verantwortung für sich und andere gehen.“ Die Lehrervertreterin ist sauer: „Es geht nicht um eine gute Lösung, es geht um die Profilbildung von Rot-Grün. Und Grün will uns erzählen, was wir essen und trinken dürfen, dass wir nicht rauchen sollen und was wir sonst noch dürfen oder nicht.“ Verbraucherbildung sei aber viel zu wenig, Schüler bräuchten einen systemischen Zugang zu ökonomischem Wissen.

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