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Besser als ihr Ruf : Das Zerrbild der Globalisierung

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Zu attraktiven Standortbedingungen für Unternehmen gehören ebenso deregulierte Arbeits- und Kreditmärkte. Kritiker fürchten deshalb, dass der Globalisierungsprozess Kündigungsschutz und Arbeitsgeberbeiträge zur Arbeitslosenversicherung reduziert. Empirisch lässt sich das nicht bestätigen. Erste Studien des Verfassers bestätigen auch nicht, dass die Globalisierung Kreditmarktderegulierung verursacht hat.

Die Lage der Menschen- und Frauenrechte hat sich verbessert

Befürchtet und vielfach beschworen wird, dass die Schere zwischen Arm und Reich durch die Globalisierung weiter aufgeht. Zu erwarten ist das, weil im Zuge der Globalisierung komparative Vorteile in der Produktion ausgenutzt werden: Jeder produziert das, was er am besten kann, und tauscht dann mit den anderen. In Industrieländern werden Güter hergestellt, für deren Produktion besonders qualifizierte Arbeitskräfte benötigt werden. Folglich wird in Industrieländern verstärkt Arbeit hochqualifizierter Arbeitskräfte und deutlich weniger Arbeit niedrigqualifizierter Arbeitskräfte nachgefragt. Die gut Qualifizierten verdienen dadurch noch besser und sind Gewinner.

Empirische Studien zeigen in der Tat, dass die Schere zwischen Arm und Reich durch Globalisierung weiter aufgegangen ist, das heißt, die Schere zwischen Arm und Reich innerhalb einzelner Länder. Dagegen ist die Schere zwischen Arm und Reich jedoch zwischen Entwicklungs- und Industrieländern dabei, sich zu verringern. Das heißt: Die Durchschnittseinkommen in Schwellen- und Entwicklungsländern liegen nicht mehr so sehr unter den Durchschnittseinkommen in Industrieländern. Zudem muss eine größer werdende Einkommensungleichheit zwischen Arm und Reich innerhalb eines Landes nicht bedeuten, dass es den Armen absolut immer schlechter geht. Die Ungleichheit kann auch steigen, weil die Reichen reicher werden, das Einkommen der Armen aber gleich bleibt. Auch mag steigender Wohlstand der Reichen mehr Wohlstand der Armen vorangehen. Die Globalisierung hat insgesamt das Wirtschaftswachstum beflügelt, wie zahlreiche Studien zeigen.

In neueren empirischen Studien wird zudem untersucht, welche Auswirkungen die Globalisierung auf Menschen- und Frauenrechte sowie Armut hat. Die Ergebnisse sind eindeutig: Die Lage der Menschen- und Frauenrechte hat sich im Zuge der Globalisierung deutlich verbessert. Intensive ökonomische und politische Kooperation zwischen Ländern sichert, dass internationale Standards und Menschenrechte eingehalten werden. Investoren aus westlichen Ländern exportieren auch deren Lebensstandards – für Menschen- und Frauenrechte in Entwicklungsländern ist das förderlich. Die sozialen Aspekte von Globalisierung verbesserten Frauenrechte. Wenn Frauen in Diktaturen zum Beispiel durch das Internet und Touristen erfahren können, wie Frauen in anderen entwickelten Ländern leben, dann fällt es repressiven Herrschern künftig schwerer, Frauen weiter zu unterdrücken. Frauen haben Rechte errungen wie wählen gehen zu dürfen, zu erben, einen Pass zu besitzen, den Partner ihrer Wahl zu heiraten und sich im Fall der Fälle scheiden zu lassen oder zur Schule und Universität gehen zu können.

Ebenso ist die Armut in den Entwicklungsländern, die an der Globalisierung mehr teilnehmen, zurückgegangen, wie Andreas Bergh und Therese Nilssen in der Zeitschrift „World Development“ gezeigt haben. Gleichzeitig steigt die durchschnittliche Lebenserwartung dort deutlich, was auf einen besseren Lebensstandard und bessere Gesundheit zurückgeht. Die Konsequenzen von Globalisierung sind also bei weitem positiver als von vielen angenommen.

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