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UN-Entwicklungsziele : Kann man Armut einfach abschaffen?

  • -Aktualisiert am

Seit 1990 hat sich die Anzahl der armen Menschen auf der Welt mehr als halbiert. Bild: Kai Loeffelbein/laif

Die Vereinten Nationen haben auf ihrer Vollversammlung beschlossen, dass es von 2030 an keine extreme Armut mehr geben soll. Das ist gut möglich – aber nicht wegen den UN.

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          Die Bilder, die in den vergangenen Wochen und Monaten die Nachrichten beherrschten, mussten jedem überzeugten Weltverbesserer einen Schauer den Rücken hinunterjagen: ertrunkene Kinder, überfüllte Flüchtlingslager, lange Trecks verzweifelter Menschen auf der Flucht vor Krieg und Hunger. Mit der Gerechtigkeit in der Welt, so scheint es, steht es nicht zum Besten.

          Da fällt es leicht, zu vergessen, dass dieser Welt in den vergangenen Jahrzehnten Beeindruckendes gelungen ist: Sie hat dafür gesorgt, dass mehr als eine Milliarde Menschen der extremen Armut entkommen sind. Noch vor 25 Jahren lebten fast zwei Milliarden Menschen und damit rund die Hälfte der Bevölkerung in den Entwicklungsländern von weniger als 1,25 Dollar am Tag, bisher die offizielle Armutsgrenze der Weltbank. Heute sind es noch 14 Prozent, etwas mehr als 800 Millionen Menschen.

          Das bedeutet natürlich nicht, dass all jene, die nun offiziell nicht mehr extrem arm sind, ein unbeschwertes Leben führen. Auch mit 1,50 Dollar am Tag ist das Leben hart. Und andere Indikatoren des Entwicklungsstands wie etwa Kinder- und Müttersterblichkeit haben sich nicht annähernd so stark verbessert wie die Einkommen der Armen. Auch deswegen hat die Weltbank beschlossen, ihre Armutsgrenze anzupassen, um den gestiegenen Lebenshaltungskosten in den Entwicklungsländern Rechnung zu tragen. Von Oktober an gelten demnach alle als arm, die weniger als 1,90 Dollar am Tag zur Verfügung haben.

          Doch auch die Zahlen, die sich an der bisherigen Armutsdefinition orientieren, sind ein Grund zur Freude. Sie zeigen, dass das Leben für eine wachsende Anzahl von Menschen heute mehr ist als der tagtägliche Kampf um die nackte Existenz, wie er jahrhundertelang der Regelfall war. Viele sind gar dabei, in die Mittelschicht aufzusteigen: Die Anzahl derjenigen, die mehr als vier Dollar am Tag zur Verfügung haben und damit nach den Kriterien der Weltbank zur Mittelschicht zählen, hat sich in den letzten 25 Jahren verdreifacht.

          Wie sind so viele Menschen aus der Armut gekommen?

          Wie ist es gelungen, in relativ kurzer Zeit so viele Menschen aus der Armut zu befreien? Und was sagt das über die Chancen, auch die verbliebenen Armen in den nächsten 15 Jahren über die neue Weltbank-Schwelle zu heben? Denn das ist das oberste der vielen Entwicklungsziele, die an diesem Wochenende von der Vollversammlung der Vereinten Nationen beschlossen wurden: die endgültige Abschaffung der extremen Armut.

          Vorab vielleicht ein Hinweis darauf, was man nicht tun sollte: sich zu sehr an den Kriterien der Weltbank orientieren. Denn obwohl Armutsgrenzen wie die von 1,25 oder 1,90 Dollar am Tag ihren Sinn haben – irgendwie muss man schließlich messen, ob sich etwas verbessert –, bergen sie auch Gefahren. Armutsforscher haben immer wieder darauf hingewiesen, dass sie Länder dazu animiert, ihre Ressourcen auf diejenigen zu konzentrieren, die knapp unter der Schwelle liegen – zum Leidwesen der noch Ärmeren, die Hilfe viel nötiger haben. Ein gesundes Misstrauen gegenüber statistisch bedingten Erfolgen ist also angebracht.

          China hat die Armut fast besiegt

          Stattdessen lohnt es, sich anzuschauen, wo die Armut bisher am erfolgreichsten bekämpft wurde. Insbesondere ein Land sticht heraus: China. Dort waren im Jahr 1990 nach den Kriterien noch fast zwei Drittel der Bevölkerung extrem arm, heute sind es nur noch vier Prozent. Vielen vormals Armen gelang der Aufstieg in die Mittelschicht. Von einem der ärmsten Länder der Welt ist China damit zu einem Land geworden, das die Armut beinahe besiegt hat. Von den Menschen, die in den vergangenen 25 Jahren der Armut entronnen sind, war jeder Zweite Chinese. Warum?

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