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Bedingungsloses Grundeinkommen : Geld verdienen, ohne zu arbeiten

Bild: Matthias Lüdecke

Seit Jahren reist Drogeriemarkt-Gründer Götz Werner durchs Land, um für ein bedingungsloses Grundeinkommen zu werben. Unterstützer hat er in allen Gesellschaftsschichten gefunden. Kreativ kämpfen sie für ihre Utopie. Ein Multimedia-Spezial.

          Die Idee sei wie ein Schwelbrand. Sie gehe von Mund zu Mund, ob man sie befürworte oder nicht. „Jede Party ist gelaufen, wenn ich mit dem Grundeinkommen anfange“, sagt Enno Schmidt. Wieder einmal spricht der Frankfurter Künstler über seine Lieblingsidee. Nicht verklärt, nicht besessen oder entrückt. Konzentriert ist er, legt seine Stirn nachdenklich in Falten, als er in einem Kunstcafé von seinem Engagement erzählt – für ein Einkommen, das an alle Bürger gezahlt wird, unabhängig von ihrem Alter, ihrer Erwerbssituation oder ihrem Familienstand.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          „Zurzeit beschäftige ich mich gerade mit den tieferen Gegenargumenten“, sagt der Künstler zu Beginn des Gesprächs, wie um seine Ernsthaftigkeit zu unterstreichen. 150.000 Menschen, so überschlägt er, haben seinen Filmessay darüber gesehen. Tausende engagieren sich in privaten Initiativen. Kein Tag vergeht, an dem nicht irgendwo im Land eine öffentliche Veranstaltung zum Grundeinkommen ausgerichtet wird. „Das erste Mal seit langem kann man als Piefke Doof wieder über eine gesellschaftliche Vision mitdiskutieren“, erklärt Schmidt die Verbreitung der Idee.

          Parolen von gestern

          Der Erste Mai in Berlin verläuft wie üblich. In Kreuzberg bereiten Autonome ihre Krawalle vor. Am Brandenburger Tor haben die Gewerkschaften ihr Revier markiert. Eine Frau läuft mit halbmeterlangem Fleischspieß an den Ständen vorbei. Auf ihrem orangen T-Shirt prangt die Losung „Soziales Europa gemeinsam gestalten“. Von einer Bühne herab fordert ein Funktionär gerechte Löhne. Plakate werben für einen gesetzlichen Mindestlohn, eine ausreichende Rente, Arbeit für alle. Parolen von gestern, wie die Befürworter des Grundeinkommens meinen. Denn Vollbeschäftigung werde es nicht mehr geben. Die Automatisierung der Arbeit mache millionenfach Stellen überflüssig. „Dafür haben wir doch 100 Jahre gekämpft, dass wir von Arbeit befreit werden“, erregt sich eine Rentnerin in Enno Schmidts Filmessay. „Dass das kein Politiker sagt, ärgert mich.“

          Einkommen für alle: Schöner Traum oder realistische Option?

          Diana Huber ist noch etwas aufgeregt. Gerade hat die studierte Philosophin einen großen Auftritt gehabt. Hunderten Gewerkschaftsmitgliedern hat sie mit ihrer Flüstertüte die Argumente für ein Grundeinkommen entgegengeschleudert. Drei Minuten hat ihr ein Polizist eingeräumt, bis der Demonstrationszug weiterlaufen sollte, am Ende zählte er die Sekunden rückwärts. Seit einem halben Jahr engagiert sich Huber in der Bundesagentur für Einkommen, die den Internetauftritt der Arbeitsagentur kopiert hat. Ihr Antragsformular für ein Grundeinkommen wurde 40.000-mal aus dem Internet heruntergeladen. Euphorisch macht sie sich auf zur Siegessäule. Denn zwei Kilometer von den Gewerkschaftsständen entfernt treffen sich diejenigen, die weiter gehen wollen, die einen radikalen Umbau des Sozialstaats propagieren.

          Die Tagesmutter aus Greifswald und „Spaziergänger Klaus“

          Susanne Wiest hat zu einem bedingungslosen Kaffeetrinken geladen. Jeder soll Kaffee und Kuchen selber mitbringen. „Der Lutz, der Wolfgang und der Klaus kommen“, so viel wusste die Tagesmutter aus Greifswald vor dem Treffen. Am Ende sind es 60 bis 70 Leute. Alle haben in den vergangenen Monaten ihre Kraft auf ein Projekt gelenkt, das im Petitionsausschuss des Bundestags zu einem „Thema mit herausgehobener Bedeutung“ geworden ist, wie Abgeordnete berichten. Im Ärger über eine neue Besteuerung für die Löhne von Tagesmüttern wandte sich Wiest an Familienministerin von der Leyen und den mecklenburg-vorpommerschen Ministerpräsidenten Sellering.

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