https://www.faz.net/-gqe-14cr9

Ayn Rand : Das wilde Leben einer Freiheitsfanatikerin

  • -Aktualisiert am

Ayn Rand im Jahr 1962 in New York Bild: AP

Ayn Rand floh 1926 aus Russland nach Amerika, um berühmt zu werden. Ihre Liebe zur Freiheit und ihr Hass auf den fürsorglichen Staat machten die Autorin zur Ikone der Liberalen. Und zu einem Feindbild der Linken.

          5 Min.

          Wie ernst sie es damit meinte, berühmt zu werden, zeigt sich daran, dass sie ihren Namen änderte, kurz nachdem sie amerikanischen Boden betreten hatte. Alissa Rosenbaum, jüdische Russin, Tochter eines enteigneten Apothekers und einer Lehrerin in Sankt Petersburg, wurde mit 21 Jahren zu Ayn Rand.

          Was der Name genau zu bedeuten hat, darüber hat sie in späteren Jahren unterschiedliche Angaben gemacht. Auf jeden Fall klang er weder jüdisch noch russisch, noch nicht einmal weiblich - und ließ keine Verbindung mehr zu ihrer Familie in Russland erkennen. Es war der Name, mit dem Ayn Rand sich von ihrer Ankunft in Chicago im Jahr 1926 an jedem vorstellen sollte. Es war der Name, mit dem sie Hollywood erobern wollte. "Wenn ich zurückkomme, bin ich berühmt", hatte sie ihrer Familie bei ihrer Abreise am Bahnhof in Sankt Petersburg verkündet.

          Sie sollte nie nach Russland zurückkehren, doch berühmt wurde sie - wenn es auch einige Jahre dauerte. Mitte der vierziger Jahre erlangte sie Ruhm als Romanschriftstellerin, später auch als radikale Anti-Kommunistin und leidenschaftliche Verfechterin der individuellen Freiheit und des Kapitalismus. Obgleich selbst keine Volkswirtin, wurde sie Vorbild für bekannte Ökonomen wie den einstigen Chef der amerikanischen Notenbank Alan Greenspan. Ihre Romane, in denen sie ihre Freiheitsphilosophie in schwülstige Heldengeschichten verpackte, waren Bestseller. Gleichzeitig war sie ein gerne karikiertes Feindbild der Linken: kalt, arrogant, unerbittlich.

          Ayn Rand auf einer amerikanischen Briefmarke

          Der Traum von Amerika

          An ihrer eigenen Genialität zweifelte Ayn Rand schon als junge Frau nicht mehr. In Russland hatte sie eine weitgehend unglückliche Kindheit verlebt unter einer dominanten Mutter, die es gar nicht schätzte, dass ihre älteste Tochter überaus scheu gegenüber anderen Menschen war und sich dann aber erschreckend kämpferisch äußerte, wenn sie sich einmal aus ihrer Deckung hervorwagte. Damit machte sich die junge Alissa nur wenige Freundinnen. Dazu kam die offene Diskriminierung, mit der die jüdische Familie zu kämpfen hatte.

          Doch es sollte weit schlimmer kommen. Als 1917 der russische Zar gestürzt war, griff Lenin gewaltsam nach der Macht und initiierte unter anderem einen Klassenkampf gegen die Mittelschicht. Die Apotheke von Rands Vater wurde von den Bolschewiken geschlossen, die Familie enteignet. Rand, ihre Eltern und ihre zwei Schwestern flohen vor den Revolutionären auf die Halbinsel Krim. Doch schon bald war auch diese in der Hand der Bolschewiken, und die Rosenbaums kehrten zurück ins entvölkerte Sankt Petersburg. Dort bewohnten sie ein kleines Zimmer ihrer einstigen Wohnung, litten Hunger und waren als Juden und einstige Besitzende doppelt benachteiligt. Dass Rand überhaupt studieren konnte - Geschichte und Philosophie -, verdankte sie einigen Glücksfällen.

          Kleine Fluchten aus dem tristen Leben ermöglichten Bücher von Victor Hugo, die Operette und vor allem Stummfilme aus Deutschland und Amerika. Obgleich die Herrschenden sie klassenkämpferisch untertitelten, fand Rand in ihnen die Welt, in der sie leben wollte. Sie träumte davon, nach Amerika auszuwandern, obgleich das damals kaum möglich war. Doch im Jahr 1925 erhielt sie wider Erwarten die Genehmigung, ihre Verwandten in Chicago zu besuchen.

          Rand wollte Drehbuchschreiberin werden

          Bei ihrer Ankunft besaß Rand ein Visum für sechs Monate. Doch sie hatte nicht vor, jemals nach Russland zurückzukehren. Sie zeigte sich irritiert darüber, wie gerne die Amerikaner lachten und wie wenig ernsthaft sie waren. Rand hatte ehrgeizige Pläne. Sie wollte Drehbuchschreiberin werden. Sie hatte zwar damals gerade Geld genug, um es bis zu ihren Verwandten nach Chicago zu schaffen. Doch sie wollte nach Hollywood. Und wie beinahe immer, wenn sie etwas wollte, gelang es ihr.

          In Hollywood lernte sie schon während der ersten Tage den berühmten Regisseur Cecil B. DeMille kennen, der sie in den kommenden Jahren unterstützte. Und sie traf auf Frank O'Connor, einen jungen, schönen Schauspieler, in dem sie all ihre Ideale eines heldenhaften Mannes widergespiegelt sah. Sie sprach ihn an, verfolgte ihn. Wenig später sollte er ihr Liebhaber werden, danach ihr Mann. "Ich habe ihn wegen seiner Schönheit geheiratet", sagte sie nach der Hochzeit. Doch war die Heirat vor allem deshalb notwendig, weil Rands Visum zum wiederholten Mal auslief. O'Connor war ihr erster Unterstützer und sollte es bis zu seinem Lebensende bleiben. Er arbeitete zwar zunächst noch als Schauspieler, später aber ordnete er sein Leben ihren Zielen unter.

          Weitere Themen

          Tipps für die Auswahl von E-Wallets Video-Seite öffnen

          Mobil Bezahlen : Tipps für die Auswahl von E-Wallets

          In E-Wallets kann man Geld speichern und damit mobil bezahlen. Besonders wichtig bei der Auswahl: die Sicherheitsstandards des Anbieters. Nutzer sollten aber auch auf bestimmte Funktionen und mögliche Gebühren achten.

          Topmeldungen

          Präsident Trump lächelt während einer Veranstaltung im Weißen Haus am Donnerstag.

          Impeachment : Die Zeit spielt für Trump

          Die Demokraten haben keinen Anlass zur Hoffnung, dass der Senat Trump tatsächlich verurteilt. Deshalb wollen sie das Verfahren schnell hinter sich bringen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.