https://www.faz.net/-gqe-73mjr

Alvin Roth und Lloyd Shapley : Wirtschaftsnobelpreis für die Schaffer funktionierender Märkte

  • Aktualisiert am

Die Schwedische Akademie für Wissenschaften gibt die Preisträger bekannt. Bild: AFP

Der Wirtschaftsnobelpreis 2012 geht an die amerikanischen Forscher Alvin E. Roth und Lloyd S. Shapley. Sie haben erforscht, wie Märkte tatsächlich funktionieren. Zum Beispiel an einem Tauschhandel für Nieren.

          2 Min.

          Der Wirtschaftsnobelpreis 2012 geht an die amerikanischen Forscher Alvin E. Roth und Lloyd S. Shapley. Das teilte Schwedens Wissenschaftsakademie am Montag in Stockholm mit. Der Preis werde „für die Theorie stabiler Verteilungen und die Praxis des Marktdesign“ vergeben.

          Preisträger Al Roth hat viele unterschiedliche Märkte gebaut, die nichts mit Geld zu tun haben. Zum Beispiel hat er einen Tauschmarkt für Spendernieren aufgebaut und ein System, mit dem Schüler in New York auf die unterschiedlichen Schulen verteilt werden. Auf diese Weise hat er einigen Organspende-Kandidaten das Leben gerettet und vielen Schülern zu einem Platz an ihrer Wunsch-Schule verholfen. Er sieht sich selbst als Praktiker, der solche Märkte baut - auf ähnliche Weise, wie ein Ingenieur Autos baut.

          Bilderstrecke
          Wirtschaftswissenschaften : Der andere Nobelpreis

          „Mein Blogeintrag könnte sich heute verspäten“, schrieb Roth nach der Bekanntgabe auf seiner Webseite. „Betrachten Sie mich als überrascht.“

          Roths Kollege Lloyd Shapley hat die theoretischen Grundlagen geliefert, auf denen praktische Marktdesigner wie Al Roth aufbauen konnten. Shapley hat unter anderem einen Weg gefunden, wie Ökonomen solche Märkte möglichst manipulationssicher machen können.

          Die Träger des Wirtschaftsnobelpreises im Überblick
          Die Träger des Wirtschaftsnobelpreises im Überblick : Bild: F.A.Z.

          Es ist nämlich schwer, für solche Märkte gute Regeln zu finden - vor allem, sie gegen Manipulationen zu sichern. Die Ökonomen legen alle Regeln von vornherein möglichst so fest, dass der einzelne Beteiligte vom Schummeln keinen Vorteil hat. Das nennen die Forscher „anreizkompatibel“.

          Am Ende geht es auch darum, dass jeder Beteiligte mit der fertigen Zuordnung einigermaßen zufrieden ist - zumindest soweit, dass sich kein anderes Ergebnis findet, mit dem die Menschen zufriedener wären.

          Wirtschaft : Nobelpreis an Roth und Shapley

          Von solchen Märkten, die ohne Geld funktionieren, können Forscher und Politiker für andere Märkte lernen. Auch Märkte, die ganz normal von Geld am Laufen gehalten werden, sollten möglichst manipulationssicher sein. So eine Manipulationssicherheit hätte auch dazu beigetragen, die Finanzkrise zu verhindern.

          Die beiden Preisträger werden künftig räumlich näher beieinander arbeiten: Al Roth wechselt gerade von der Universität Harvard an der Ostküste der Vereinigten Staaten an die Universität Stanford, die an der Westküste nahe San Francisco liegt. Lloyd Shapley ist emeritierter Professor der University of California in Los Angeles.

          Schon 2007 hatte die Wissenschaftsakademie einen Preis für Marktdesign vergeben - damals für die Grundlagen, auf denen die diesjährigen Preisträger aufgebaut haben.

          Die beiden Preisträger teilen sich jetzt 930.000 Euro (8 Millionen Kronen) Preisgeld. Der „Schwedische-Reichbank-Preis in Ökonomie im Gedenken an Alfred Nobel“ wird erst seit 1969 vergeben. Anders als die übrigen Nobelpreise war er nicht im Testament des Preisstifters Alfred Nobel vorgesehen. Er wird allerdings nach dem gleichen Verfahren vergeben wie die Nobelpreise für Medizin, Physik und Chemie.

          Weitere Themen

          Konjunkturprognose auf 2,6 Prozent abgesenkt Video-Seite öffnen

          Lieferengpässe : Konjunkturprognose auf 2,6 Prozent abgesenkt

          In Deutschland wird für 2021 ein Wachstum des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 2,6 Prozent erwartet. Das teilte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) in Berlin mit und verwies auf Lieferengpässe und weltweit hohe Energiepreise.

          Galeria stolpert in die Zukunft

          Warenhaus : Galeria stolpert in die Zukunft

          Die Warenhauskette will sich neu erfinden. In Frankfurt zeigt das Kaufhaus, das einmal Karstadt und Kaufhof hieß, wie es erfolgreich werden will. Doch kann das gut gehen?

          Topmeldungen

          Ministerpräsident Mateusz Morawiecki war am Mittwoch im Land unterwegs und äußerte sich auf Anfrage nicht.

          EuGH verhängt Strafe für Polen : „Um schweren Schaden abzuwenden“

          Eine Million Euro am Tag muss Polen bezahlen, solange die politisch besetzte Disziplinarkammer am obersten Gericht des Landes fortbesteht. Das hat der Europäische Gerichtshof entschieden. Warschau spricht von „Erpressung“.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.