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20 Jahre Währungsunion : Die Währungsumstellung als logistische Meisterleistung

Musste entsorgt werden: 100-Mark-Schein der Deutschen Demokratischen Republik Bild: Deutsche Bundesbank, Frankfurt

Die deutsch-deutsche Währungsreform war aufwendig: Streng geheime Transporte mussten 600 Tonnen Banknoten und 500 Tonnen Münzgeld in die Sparkassen bringen.

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          In der letzten Juniwoche des Jahres 1990 rollten Hunderte von Geldtransportern von West nach Ost. Rund 22000 Säcke mit je 20 Paketen, in denen jeweils tausend Banknoten steckten, fuhren sie über die Grenze, insgesamt 600 Tonnen schwer. Hinzu kamen 500 Tonnen Münzgeld. Der Wert: zusammen etwa 25 Milliarden D-Mark. Die Transporte waren streng geheim, doch musste der Verkehr den DDR-Bürgern schon auffallen. Vor jeder Sparkasse fuhren plötzlich die gepanzerten Fahrzeuge vor, Volkspolizisten mit Maschinenpistolen sicherten den Weg, den die kostbare Fracht in die Bankräume nahm. Sogar Hubschrauber waren im Einsatz. Insgesamt war es eine logistische Meisterleistung der Deutschen Bundesbank und der neuen, erstmals demokratisch gewählten DDR-Regierung.

          Philip Plickert

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Am 1. Juli, einem Sonntag, fing die Arbeit der Ost-Sparkassen schon um fünf Uhr morgens an. Die Angestellten öffneten die Pakete, sortierten die neuen, ungewohnten Scheine und Münzen in die Kassen. Für alle 17 Millionen DDR-Bürger, vom Säugling bis zum Greis, war in den Tagen zuvor ein Konto eingerichtet worden, auf das ihre umgerechneten Guthaben gutgeschrieben wurden. Als die Sparkassen dann ihre Türen öffneten, gab es einen gewaltigen Ansturm. Das Geld wurde den Kassierern förmlich aus den Händen gerissen.

          „Mythos von einem vergrabenen Schatz“

          Der Abtransport und die Entsorgung des DDR-Geldes waren eine ganz eigene Herausforderung. Massenhaft nahmen die Sparkassen am 1. Juli und in den folgenden Tagen und Wochen die alten Scheine zurück: die lappigen blauen 100er mit Karl Marx, die rotbraunen 50er mit Friedrich Engels drauf, die 20er mit Goethe und die 10er mit Clara Zetkin und Friedrich Schiller. Insgesamt waren es 376 Tonnen DDR-Papiergeld, das 1990 entsorgt werden musste. Es fehlten jedoch Kapazitäten zur Verbrennung. Also entschied die DDR-Staatsbank, knapp 30000 Säcke mit Banknoten in Stollen bei Halberstadt einzulagern, deren Eingänge zubetoniert wurden.

          Dort moderte das Geld mit einem Nennwert von 100 Millionen Mark über Jahre tief im Berg. Allerdings kamen im Juli 2002 Diebe. Um den "Mythos von einem vergrabenen Schatz zu zerstören", entschied man nun doch, sämtliches Geld-Altpapier zu verbrennen. Besser ging es mit den mehr als 4500 Tonnen DDR-Münzen, den sogenannten "Alu-Chips": Wegen ihres sehr hohen Aluminium-Anteils (fast 97 Prozent) hatten sie einen recht hohen Materialwert. Die Bundesbank verkaufte sie mit Gewinn an Metallschrotthändler, die sie einschmolzen. Zum Teil feierte das Material im Kapitalismus dann eine unerhoffte Wiederauferstehung: etwa in Form von Türgriffen für Mercedes-Automobile.

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