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Wirtschaftsweiser Schmidt : Mindestlohn kostet Hunderttausende Arbeitsplätze

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Neuer Widerstand: Der Vorsitzende der Wirtschaftsweisen Christoph Schmidt wehrt sich gegen den Mindestlohn. Bild: dpa

Die Kritik reißt nicht ab: Schon wieder wettert ein prominenter Ökonom gegen den geplanten flächendeckenden Mindestlohn. Er werde mehrere 100.000 Arbeitsplätze kosten, glaubt der Wirtschaftsweise Christoph Schmidt.

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          Die Einführung eines flächendeckenden Mindestlohnes wird nach Einschätzung des Vorsitzenden der Wirtschaftsweisen, Christoph Schmidt, mehrere 100.000 Arbeitsplätze kosten. Ein allgemeiner gesetzlicher Mindestlohn werde gerade den Schwachen mehr schaden als nutzen, sagte der Vorsitzende des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung der Zeitschrift „Wirtschafts Woche“.

          Schmidt ist nicht der einzige Wirtschaftswissenschaftler, der Bedenken anmeldet. Schon Mitte Dezember hatte eine Gruppe von Ökonomen in einem Aufruf an die Bundesregierung gefordert, den Mindestlohn mit mehr wirtschaftlichem Sachverstand umzusetzen. Die Vereinbarungen im Koalitionsvertrag sehen sie als ungenügend an. Sie fordern „mehr Mut“ zu einer Mindestlohnkommission mit größerer Unabhängigkeit, Flexibilität und wissenschaftlicher Kompetenz.

          Der Vorsitzende des Sachverständigenrats gibt der Debatte nun mit seinen Einwänden neue Nahrung: „Es dürften auf lange Sicht einige 100.000 Stellen im Niedriglohnbereich wegfallen oder in die Schattenwirtschaft abwandern, wenn es rasch und ohne Differenzierung zu Mindestlöhnen von 8,50 Euro pro Stunde kommt“, befürchtet Schmidt. Besonders in strukturschwachen Regionen seien negative Folgen zu erwarten. Dort könnten Dienstleistungsbetriebe die höheren Löhne nicht auf die Preise überwälzen, weil dann die Kunden nicht mehr kämen: „Dann bleibt nur der Personalabbau.“

          Die Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, Malu Dreyer (SPD), lehnte unterdessen jegliche Ausnahmen beim Mindestlohn ab. In der Zeitung die „Die Welt“ (Samstagsausgabe) appellierte die Politikerin an ihre Partei, mit der Union „über gar keine“ Ausnahmen zu reden. Jeder Mensch solle von seiner Arbeit leben können. „Dafür brauchen wir einen flächendeckenden, gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro.“ Auf Ausnahmen, etwa für Rentner, dringt in der Regierungskoalition vor allem die CSU.

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