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Wirtschaftsweisen-Kandidat : Das letzte Aufgebot der Gewerkschaften

Achím Truger will einer der fünf Wirtschaftsweisen werden. Er wirkt wie das letzte Aufgebot der Gewerkschaften. Bild: Imago

Der DGB will den FH-Professor Achim Truger zum neuen Wirtschaftsweisen küren. Der fordert jetzt eine Quote für bestimmte Ökonomen. Die anderen Wirtschaftsweisen finden das „unglaublich“.

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          Auf der Debattencamp-Konferenz der SPD am Sonntag hat Achim Truger eine Forderung wieder aufgebracht, die heftigen Widerspruch unter anderen Wirtschaftswissenschaftlern auslöst. Truger hatte sich in einem Brief für eine Quote von „mindestens 20 Prozent heterodoxen Ökonom_innen“ bei der Besetzung von Lehrstühlen ausgesprochen. Was genau ein „heterodoxer Ökonom“ sein soll, ist in Fachkreisen umstritten.

          Philip Plickert
          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Jedenfalls hagelte es am Montag im Kollegenkreis Widerspruch. „Eine Quote halte ich für eine absurde Idee“, sagte Achim Wambach, Vorsitzender des Ökonomen-Verbands Verein für Socialpolitik, der F.A.Z. Der Diskurs, in welche Richtung sich die VWL weiter entwickeln soll, finde in der Wissenschaft statt – „nicht auf Parteikongressen“, fügte er hinzu.

          Die Bonner Finanzprofessorin Isabel Schnabel reagierte kühl auf den Auftritt Trugers, den das Netzwerk Wissenschaftspolitik der SPD begeistert via Twitter verbreitete. „Mir scheint, dass es hier darum geht, durch Provokation Aufmerksamkeit zu erlangen. Denn eine solche Forderung kann man kaum ernst nehmen“ , sagte Schnabel.

          „Eingriff in die Wissenschaftsfreiheit“

          Eine Quote für eine bestimmte wissenschaftliche Ausrichtung wäre „ein fundamentaler Eingriff in die Wissenschaftsfreiheit“, kritisierte Schnabel, die im Sachverständigenrat (SVR) der fünf „Wirtschaftsweisen“ sitzt. Auch ihr Freiburger Ratskollege Lars Feld warnte vor einem Eingriff in die grundgesetzlich geschützte Freiheit von Forschung und Lehre durch eine Quote für „heterodoxe“ Ökonomen. „Ein solches Ansinnen ist doch unglaublich“, wettert er. Selbst der im Rat eher links stehende, keynesianisch orientierte Würzburger Professor Peter Bofinger reagierte pikiert. „Wer soll das eigentlich sein, nach welchen Kriterien gilt man als heterodoxer Ökonom?“

          Brisant sind Trugers Aussagen, weil der bisherige Professor an einer Berliner Fachhochschule von den Gewerkschaften als Nachfolger für den nächstes Jahr freiwerdenden Sitz Bofingers im Rat der Wirtschaftsweisen nominiert wurde. Der 49 Jahre alte Rheinländer wollte auf Anfrage der F.A.Z. nicht Stellung nehmen. „Ich bitte um Verständnis, dass ich mich aus Rücksicht auf das laufende SVR-Verfahren nicht äußern möchte“, schrieb er.

          Stirnrunzeln unter Ökonomen

          Als seine Nominierung durch den Gewerkschaftsbund DGB Ende September durchsickerte, sorgte dies in Ökonomenkreisen für Stirnrunzeln. Denn als großer Wissenschaftler ist Truger bislang nicht aufgefallen. Nach seiner Promotion 1997 an der Universität zu Köln ging er an das gewerkschaftsnahe WSI Institut, wurde dort Leiter der Abteilung Steuer- und Finanzpolitik, später wechselte er ans gewerkschaftsnahe IMK Institut. 2012 wurde er als Professor an die Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) in Berlin berufen. Außerdem sitzt er im Beirat der Globalisierungskritiker von Attac.

          Noch ist DGB-Kandidat Achim Truger nicht dabei in der Runde der Wirtschaftsweisen, bald aber könnte er Peter Bofinger – zweiter von rechts – beerben.
          Noch ist DGB-Kandidat Achim Truger nicht dabei in der Runde der Wirtschaftsweisen, bald aber könnte er Peter Bofinger – zweiter von rechts – beerben. : Bild: dpa

          Die Forderung nach mehr „heterodoxen“ – im Gegensatz zu „orthodoxen“ – Ökonomen erhebt seit einigen Jahren das Netzwerk Plurale Ökonomik. Diese Organisation wünscht sich, dass mehr Professoren und Professorinnen nicht den neoklassische „Mainstream“ lehren, sondern keynesianische ebenso wie feministische, marxistische oder „Post Growth“-Theorien. Bei Letzterem geht es um fundamentale Kritik am Wachstumsparadigma der modernen Volkswirtschaften. Auch über Wirtschaftsgeschichte sollten Studenten mehr erfahren.

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