Streit im Sachverständigenrat : „Einem Profi sollte das nicht passieren“
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Steht am Rande: Peter Bofinger (3. von links) wird von seinen Sachverständigenrats-Kollegen scharf attackiert. Bild: dpa
Mit ungewöhnlicher Schärfe attackieren vier der Wirtschaftsweisen ihren Kollegen Peter Bofinger. Sie bescheinigen ihm nahezu unverblümt, er verstehe nichts von Ökonomie. Die Frage, um die es geht, ist eine ziemlich grundsätzliche.
Im „Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung“ („Fünf Weise“) hängt der Haussegen anscheinend ziemlich schief. In ungewöhnlich scharfer Weise attackieren die Ratsmitglieder Lars Feld, Christoph Schmidt, Isabel Schnabel und Volker Wieland ihren Kollegen Peter Bofinger.
In der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung bescheinigen sie Bofinger nahezu unverblümt, er verstehe nichts von Ökonomie, weil er sich in der F.A.S. vom 13. August aus Anlass des Diesel-Skandals für mehr staatlichen Zentralismus und eine Lenkung des Marktes ausgesprochen habe.
In dem Text „Mehr Zentralismus wagen“, wirft Bofinger Zweifel auf am uneingeschränkten Vertrauen in den Wettbewerb und nennt als Beispiele dafür, dass Pleitebanken, Atomkonzerne und Dieselhersteller versagt hätten. Er fordert im Fazit des Textes dazu auf, die Möglichkeiten einer aktiveren Industriepolitik für Deutschland und Europa zu diskutieren.
Bisher hat man es vermieden, sich zu attackieren
Jetzt kommt die Replik der anderen vier „Weisen“ aus dem Sachverständigenrat: Laien verwechselten häufig die Liebe von Ökonomen zum Markt mit einer Liebe zu einzelnen Marktakteuren. „Einem Profi sollte das nicht passieren“, schreiben die vier Weisen mit Bezug auf den Fünften, nämlich Bofinger, der damit den Nicht-Ökonomen gleichgestellt wird.
Bofinger, der als links gilt, schreibt regelmäßig im Jahresgutachten des Rats Sondervoten. Bislang hat man es jedoch vermieden, einander zu attackieren.