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Isabel Schnabel im Gespräch : „Kleinkinder müssen auch was lernen“

Isabel Schnabel, 46, ist seit 2015 Professorin für Finanzmarktökonomie an der Universität Bonn. Einer ihrer Forschungsschwerpunkte ist die Regulierung von Banken. Bild: Stefan Finger

Die Wirtschaftsweise Isabel Schnabel spricht im Interview über die Notwendigkeit frühkindlicher Bildung, Hoffnung auf weniger Steuern – und was bei den Banken alles noch im Argen liegt.

          Frau Schnabel, in der Debatte der Paradise Papers über Steuervermeidung der Reichen wird beklagt, dass dem Staat Einnahmen entgehen. Aber der Staat schwimmt doch geradezu in Steuereinnahmen.

          Rainer Hank

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Die Steuereinnahmen sprudeln tatsächlich wie seit langem nicht, wie die Zahlen aus der neuen Steuerschätzung zeigen: 734 Milliarden Euro nimmt der deutsche Staat ein, knapp zwei Milliarden mehr als noch im Mai erwartet. Aber daraus kann man nun wirklich nicht folgern, es sei unerheblich, ob Steuerpflichtige hier in Deutschland ihre Steuern zahlen oder in Steuerparadiese flüchten. Das ist eine Frage der Steuergerechtigkeit.

          Die Multis agieren weltweit. Wo fallen eigentlich Steuern an?

          Die Steuern sollten grundsätzlich dort gezahlt werden, wo die Wertschöpfung stattfindet. Allerdings lässt sich gar nicht so einfach feststellen, wer wie viel zur Wertschöpfung beiträgt: etwa der innovative Erfinder, der das Patent hält am einen Ort, oder der Arbeiter andernorts, der das Produkt herstellt.

          Dass aber auf den Kaimaninseln besonders viel kreative Köpfe sitzen, ist eher unwahrscheinlich.

           In der Tat. Die Herausforderung besteht darin, die Steuerflucht zu begrenzen, ohne dabei den Steuerwettbewerb zu unterbinden. In den vergangenen Jahren hat es bereits große Fortschritte gegeben, vor allem durch ein international besser abgestimmtes Vorgehen.

          Hat der Staat nun zu viel oder zu wenig Geld?

          Das hängt davon ab, was für ein Wirtschaftsmodell einem vorschwebt. Es gibt Länder wie Dänemark oder Frankreich, wo die Staatsquote sehr hoch ist. Es gibt andere Länder wie Irland, wo sie sehr niedrig ist. Deutschland liegt im Mittelfeld. Im Vergleich zu früheren Jahren liegt unsere Steuerquote aber derzeit sehr hoch, was auch mit der kalten Progression zu tun hat, durch die Steuerzahler allein aufgrund der Inflation in eine höhere Progressionsstufe gelangen, obwohl sie real gar nicht mehr verdienen.

          Es gibt doch derzeit kaum Inflation.

          Das stimmt. Trotzdem zeigen die Berechnungen des Sachverständigenrats, dass im Vergleich zum Jahr 2010 die Mehrbelastung allein aufgrund der kalten Progression bei fast 6 Milliarden Euro pro Jahr liegt. Das ist eine beträchtliche Summe.

          Wäre es besser, die Progressionsstufen im Steuerrecht an die Inflation zu koppeln, also zu indexieren?

          Das könnte man durchaus machen, um automatische Steuererhöhungen zu verhindern . . .

          . . . und den Soli abzuschaffen . . .

          Ja, das schlagen wir vor, schon allein, weil der Solidarpakt im Jahr 2019 endet und damit die ursprüngliche Begründung entfällt.

          Also soll die neue Bundesregierung als Erstes den Soli kassieren.

          Das kann nur schrittweise erfolgen und muss mit dem Abbau der kalten Progression abgestimmt werden, unter Berücksichtigung der Verteilungswirkungen.

          Wenn die Bürger künftig mehr von ihrem Geld behalten, ist denn dann noch genügend übrig für die nötigen Investitionen in unserem Land, die viele fordern?

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