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Carsten Knop

Wirtschaftswachstum : Deutsche Unternehmen haben Substanz

  • -Aktualisiert am

Die Rettungsschirme bergen zwar erhebliche Risiken, doch die deutsche Wirtschaft ist stabil. Mit einer Krise wie dieser lässt sich in Deutschland bisher bestens leben.

          3 Min.

          Irgendwann nach dem Zerplatzen der Internetblase und den Terroranschlägen des 11. September vor zehn Jahren verliebten sich amerikanische Vorstandsvorsitzende in eine damals neue Formulierung. Der Ausblick sei „foggy“, nebelig also. Man traue es sich deshalb nicht zu, genau zu sagen, in welche Richtung sich das Geschäft in den nächsten Monaten entwickeln werde. So viel Verunsicherung hatte man bis dahin noch nicht erlebt. Inzwischen weiß man: Solche Situationen hat es seither immer häufiger gegeben, und jetzt ist es schon wieder so weit.

          Unter dem Strich steht noch ein Plus

          Zum bevorstehenden Jahreswechsel hält die Unternehmenswelt den Atem an: Wird es gelingen, die Unsicherheit durch die Staatsschuldenkrise schnell zu überwinden? Werden sich die noch recht tapferen Verbraucher in Deutschland der schlechten Stimmung entziehen können, die sich in anderen europäischen Ländern längst breitgemacht hat? Nicht zuletzt: Wird China trotz der dortigen Abkühlung wenigstens noch genug wachsen, um zumindest für deutsche Maschinen und Autos ein dynamischer Absatzmarkt zu bleiben?

          Wer mit der Flut schwimmt, beantwortet alle Fragen derzeit mit nein, ergeht sich in kollektiver Resignation und fordert entsprechend radikalere Eingriffe der Notenbanken, als sie ohnehin schon praktiziert werden. Glücklicherweise ist dieser Pessimismus bisher eher bei den Theoretikern als bei den in der Wirtschaft Handelnden zu beobachten, jedenfalls in Deutschland. Denn sicher ist lediglich, dass sich die Erwartungen an das deutsche Wirtschaftswachstum im kommenden Jahr deutlich reduziert haben, unter dem Strich aber immer noch ein Plus bleibt. Es gibt noch immer Vorstandsvorsitzende, die behaupten, von der Krise hörten sie immer erst am Abend im Fernsehen.

          Der Schwung war gewaltig

          Nur noch 0,4 Prozent Wachstum erwartet das Ifo-Institut für das kommende Jahr; die Bundesbank liegt derzeit bei einem erwarteten Plus von 0,6 Prozent. Aber das ist keine Rezession, nur ein kräftiger Tritt auf die Bremse. Denn das laufende Jahr beendet die deutsche Wirtschaft mit einem erstaunlichen Plus von 3 Prozent. Der Schwung aus der ersten Hälfte des Jahres war gewaltig.

          Was genau heißt das in der Realität? Bisher ist allenfalls die Zeit erreicht, in der in einigen Exportabteilungen Überstunden abgebaut werden. Die Zeit wird dann vielleicht zur Beaufsichtigung des eigenen Bauvorhabens eingesetzt: Denn der deutsche Immobilienmarkt profitiert erheblich vom niedrigen Zinsniveau - und hält die deutsche Wirtschaft aus der Rezession heraus. Hinzu kommt, dass der private Konsum von der guten Arbeitsmarktlage gestützt wird. Denn selbst das verhaltenere Wachstum wird nach Meinung von Wirtschaftsforschungsinstituten wie auch nach der aktuellen Umfrage der Industrie- und Handelskammern 2012 abermals zu einem Beschäftigungszuwachs führen.

          Deutschland ist aus der Krise gestärkt hervorgegangen

          In dieser Hinsicht haben die deutschen Unternehmen schon in der vergangenen Krisenrunde 2008 ihre Weitsicht bewiesen, haben ihre Mitarbeiter gehalten und waren danach für den Aufschwung bestens gerüstet. Davon profitieren nicht wenige Unternehmen bis heute, denn sie haben wegen ihrer schnellen Lieferfähigkeit und der erhalten gebliebenen Kompetenz der Mitarbeiter Marktanteile gewonnen. Was die Schwarzseher von damals nie glauben wollten: Deutschland ist aus der Krise des Jahres 2008/09 tatsächlich gestärkt hervorgegangen. Als besonders stabil haben sich in dieser Hinsicht die deutschen Familienunternehmen erwiesen, die zu Recht als das Rückgrat der Wirtschaft bezeichnet werden.

          Nach jüngsten Zahlen haben die 500 größten deutschen Familienunternehmen in den vergangenen fünf Jahren ihre Belegschaft auf der Welt um 11 Prozent vergrößert, während die Dax-Unternehmen ihre Mitarbeiterzahl nur um 2 Prozent aufgestockt haben. Die für Deutschland besonders wichtige Nachricht: 80 Prozent der Beschäftigten von Familienunternehmen arbeiten im Inland, bei den Dax-Unternehmen sind es lediglich 42 Prozent.

          Teure Krise

          Die deutsche Wirtschaft ist stabil, die Unternehmen sind gut finanziert und von Bankkrediten unabhängiger als 2008. Sie könnten es vermutlich sogar verkraften, wenn das Land letztlich doch aus dem Euro-System austreten würde. Das aber soll ja gerade um fast jeden Preis verhindert werden - und aus diesem Grund gilt es aus Unternehmenssicht vor allem festzuhalten, dass das Wirtschaftssystem derzeit mit Geld geflutet wird, bis hin zu eigentlich solventen Banken. Das hält das Wachstum am Leben.

          Wahr ist natürlich, dass die sogenannten Rettungsschirme für Deutschland erhebliche Haftungsrisiken bergen, im Extremfall bis zu 600 Milliarden Euro. Teuer ist die Krise für Deutschland damit schon jetzt. Zugleich stimmt aber auch die Bemerkung, dass sich in Deutschland mit einer Krise wie dieser bisher bestens leben lässt und die deutschen Unternehmen so erfolgreich sind, weil sie genau die Produkte im Angebot haben, mit denen die Welt modern mobil werden, sauber Energie erzeugen und hochwertige Güter produzieren kann.

          Das darf man nicht vergessen, selbst wenn die Nebelwand, auf die die Wirtschaft zum Jahreswechsel zusteuert, noch so dicht zu sein scheint.

          Carsten Knop
          Herausgeber.

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