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Wirtschaftsprüfung : Bei Bilanzbetrug soll das BKA ermitteln

Wirecard-Zentrale in Aschheim bei München Bild: AFP

Der Fall Wirecard lässt viele Fragen offen. Bei Kriminalität in diesen Fällen soll nachgesteuert werden, das Institut der Wirtschaftsprüfer fordert eine „zentrale, hoheitliche Eingreiftruppe“.

          3 Min.

          Bei Wirecard war nach bisheriger Kenntnis offenbar Kriminalität, ja sogar bandenmäßiger Betrug im Spiel. Der Schwere des Falls sind alle bisherigen Schlussfolgerungen daraus nach Ansicht des Instituts der Wirtschaftsprüfer IDW in Düsseldorf nicht gerecht geworden. „Wer einen neuen Fall Wirecard vermeiden oder zumindest so schwer wie möglich machen will, der muss in der Kette von der Erstellung des Jahresabschlusses über seine Prüfung und die Prüferaufsicht bis hin zur Strafverfolgung im Falle krimineller Energie an vielen Stellen nachsteuern“, ist Klaus-Peter Naumann, Vorstandssprecher des IDW, überzeugt. Der von der Bundesregierung vorgelegte Aktionsplan (F.A.Z. vom 8. Oktober) werde diesen Anforderungen nicht gerecht. Er ist nach Naumanns Ansicht in einigen Punkten sogar kontraproduktiv, weil die vorgeschlagenen Maßnahmen entweder in keinem Zusammenhang mit dem Fall Wirecard stehen (Trennung von Prüfung und Beratung), keine Verbesserung der Prüfungsqualität bringen (Verschärfung der Prüferhaftung) oder die Marktkonzentration bei Wirtschaftsprüfern fördern (Verkürzung der Rotation).

          Georg Giersberg

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Betriebswirt“.

          Das IDW werde daher in den kommenden Tagen eigene Vorschläge unterbreiten. In der Marktaufsicht und in der Verfolgung von Bilanzbetrug gehen diese Vorschläge weit über bisherige Überlegungen hinaus. Bei organisierter Kriminalität wie im Fall Wirecard fordert das IDW „die Schaffung von hoheitlichen Eingriffsmöglichkeiten zur Sicherung des Vertrauens in den deutschen Kapitalmarkt im In- und Ausland“. Diese Eingriffsmöglichkeit sollte nach den Vorstellungen des IDW idealerweise beim Bundeskriminalamt (BKA) in Wiesbaden liegen. Dem würden aber je nach Fall gestaffelte Maßnahmen von der Unternehmensebene über die Prüfer und die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht Bafin vorausgehen.

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