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Wirtschaftsprüfer : Höchststrafe für Arthur Andersen

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Der in den Enron-Skandal verwickelte Wirtschaftsprüfer Arthur Andersen ist zu fünf Jahren Bewährung und einer hohen Geldbuße verurteilt worden.

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          Ein Gericht in Houston im US-Bundesstaat Texas hat das Wirtschaftsprüfungsunternehmen Arthur Andersen in der Affäre um die Enron-Pleite zu einer Geldstrafe von 500.000 Dollar verurteilt. Außerdem wurde eine fünfjährige Bewährungsfrist gegen die einst international renommierte Firma verhängt.

          Obwohl Richterin Melinda Harmon damit die Höchststrafe aussprach, hat dies für das Unternehmen keine große Bedeutung. Denn bereits im Juni war Andersen im Fall Enron verurteilt und von der Prüfung börsennotierter Unternehmen ausgeschlossen worden. Seitdem hat die Firma ihre US-Kunden und ihr Auslandsgeschäft größtenteils an Mitbewerber verloren.

          Tragisches, aber weitgehend folgenloses Ende

          Während der Bewährungsfrist drohen dem Unternehmen nun beim Verstoß gegen bestimmte Auflagen des Gerichts weitere Geldbußen. Andersen-Anwalt Rusty Hardin erklärte, das Strafmaß sei ein „tragisches Ende“ des Falles, hätte aber praktisch keine Folgen: „Als Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen existiert diese Firma nicht mehr.“ Allein in den USA hätten bereits 20.000 Menschen ihren Job bei Andersen verloren, weltweit seien es 80.000. In spätestens zwei Jahren werde es zweifellos heißen, dass das Gerichtsverfahren und die daraus resultierende Zerschlagung der Firma sinnlos gewesen seien.

          Die US-Regierung hatte sich bei Andersen zu dem außergewöhnlichen und umstrittenen Schritt entschlossen, statt einzelner verantwortlicher Mitarbeiter das Unternehmen als Ganzes anzuklagen. Der stellvertretende Chefankläger Larry Thompson verteidigte dieses Vorgehen mit dem Hinweis auf seine abschreckende Wirkung: Das Urteil von Houston mache deutlich, „dass Unternehmen, die gegen das Gesetz verstoßen, ebenso hart bestraft werden wie Einzelpersonen, die gegen das Gesetz verstoßen“.

          Tonnenweise Akten vernichtet

          Im Juni war eine Geschworenen-Jury nach zehn Verhandlungstagen zu dem Schluss gekommen, dass Andersen-Mitarbeiter Ende 2001 tonnenweise Akten ihres früheren Kunden Enron vernichtet und zahlreiche Emails gelöscht hätten, um die Ermittlungen über die Geschäftspraktiken bei dem insolventen Energieriesen zu behindern. Die Enron-Pleite war nach WorldCom die zweitgrößte Firmenpleite der US-Geschichte.

          Bis zur Enron-Affäre war Andersen die fünftgrößte Wirtschaftsprüfungs- und Unternehmensberaterfirma der Welt. Der Imageverlust durch den Skandal hat jedoch dazu geführt, dass Andersen die meisten Kunden in den USA an Mitbewerber verloren hat. Auch der größte Teil seines Auslandsgeschäfts wurde mittlerweile an Konkurrenten verkauft.

          Akte noch nicht geschlossen

          Doch auch nach diesem Urteil wird die Akte Arthur Andersen noch nicht geschlossen: Dem Unternehmen droht neues Ungemach wegen seiner Tätigkeit bei einem weiteren Rekord-Pleitier. Überprüft werden zur Zeit seine Prüfungspraktiken beim US-Telefonriesen WorldCom, der Mitte des Jahres Bilanzfäschungen in Milliardenhöhe eingeräumt und kurz darauf Konkurs angemeldet hatte.

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