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Zuwanderung : „Blue Card“ lockt kaum Fachkräfte nach Deutschland

  • Aktualisiert am
          1 Min.

          Die zum August eingeführte sogenannte Blue Card lockt kaum qualifizierte Arbeitskräfte aus Nicht-EU-Staaten nach Deutschland. In den ersten beiden Monaten seien nur 139 Blue Cards vergeben worden, berichtete die „Welt am Sonntag“ unter Berufung auf Daten des zuständigen Bundesamts für Migration und Flüchtlinge. Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags, Heinrich Driftmann, sieht noch zu hohe Hürden für Fachkräfte.

          Von den 139 vergebenen Karten gingen dem Bericht zufolge allein 112 an Ausländer, die bereits vor dem Jahr 2012 nach Deutschland eingereist waren. Sie hielten sich somit bereits mit einem anderen Aufenthaltstitel in der Bundesrepublik auf.

          „Der Massenansturm von Fachkräften bleibt aus“

          „Der Massenansturm von Fachkräften bleibt aus“, sagte Gunilla Fincke, Geschäftsführerin des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration, der „WamS“. Deutschland eile nach wie vor der Ruf voraus, Zuwanderer seien nicht willkommen, obwohl das Zuwanderungsrecht liberaler geworden sei. „Deutschland wird als nicht so attraktiv wahrgenommen und ist auch wegen der Sprache schwierig“, sagte Fincke.

          Driftmann kritisierte, das deutsche Zuwanderungsrecht sei „nach wie vor kompliziert und für ausländische Fachkräfte wenig transparent“. Deshalb sei es wichtig, im Ausland über die Zuwanderungsmöglichkeiten zu informieren sowie dort für Deutschland als Arbeits- und Studienort zu werben, sagte er.

          Arbeitsagentur fordert mehr Werbung

          Auch die Bundesagentur für Arbeit (BA) forderte ein intensiveres Werben um hoch qualifizierte Ausländer. Der zuständige BA-Vorstand Raimund Becker sagte der „Welt“, die Blue Card setze zwar erste gute Signale. Eine Gesetzesänderung allein reiche aber nicht, um Deutschland für ausländische Fachkräfte attraktiv zu machen.

          Becker forderte ein „kluges Zuwanderungsmanagement“, etwa „in Form eines Punktesystems, ausgerichtet auf die Berufe, in denen es in absehbarer Zeit Engpässe oder sogar Mangelsituationen geben wird“. Zugleich warnte er davor, die Ausbildung von Fachkräften in Deutschland zu vernachlässigen.

          Seit August erhalten qualifizierte Ausländer aus Nicht-EU-Staaten eine Blue Card als Aufenthaltserlaubnis, wenn sie ein Jahresgehalt von 44.800 Euro oder mehr vorweisen können. Für Berufe, in denen Fachkräfte gesucht werden, reicht ein jährliches Einkommen von 34.944 Euro. Ausländische Studenten dürfen neben dem Studium mehr arbeiten als bisher. Nach dem Abschluss haben sie zudem nun 18 statt vorher zwölf Monate Zeit, um sich einen Arbeitsplatz zu suchen.

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