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Arbeitsmarkt : Zuwanderer mit Abschluss gefragt

Asylbewerber in einer Lernwerkstatt in Schwäbisch Gmünd. Bild: Frank Röth

Qualifizierte Zuwanderer haben in Deutschland gute Jobaussichten. Experten der Bundesagentur für Arbeit fordern deshalb für sie neue Regeln: Eine aufwendige Vorrangprüfung soll entfallen.

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          Ein akademischer Abschluss oder eine berufliche Ausbildung erhöhen die Chancen von Zuwanderern bei der Suche nach einem Arbeitsplatz in Deutschland erheblich. Während rund drei Viertel aller qualifizierten Einwanderer aus Drittstaaten (außerhalb der EU) eine Stelle finden, trifft dies unter den Familiennachzüglern und Flüchtlingen nur auf etwas mehr als die Hälfte zu, wie aus einer neuen Studie der Bundesagentur für Arbeit hervorgeht. Auch beziehen sie mit im Durchschnitt 2350 Euro je Monat deutlich geringere Löhne als Arbeitsmigranten mit 2900 Euro.

          Sven Astheimer

          Verantwortlicher Redakteur für die Unternehmensberichterstattung.

          Deshalb fordern die Autoren eine Neuregelung der Einwanderung. Für Hochschulabsolventen und Personen mit einer qualifizierten Berufsausbildung solle die Vorrangprüfung künftig entfallen, heißt es. Bei dem Verfahren wird geprüft, ob für eine offene Stelle nicht auch ein qualifizierter Deutscher zur Verfügung steht. „Wichtigstes Zugangskriterium sollte eine konkrete Arbeitsplatzzusage, die ein tarifliches Mindesteinkommen garantiert, sein“, heißt es. Dieses neue Einwanderungsrecht könne entweder eine Weiterentwicklung der bestehenden Gesetze sein oder ein neues System etwa in Form eines Punktesystems, wie es Länder wie Kanada, Neuseeland oder Australien haben.

          Deutschland hat eines der liberalsten Zuwanderungssysteme der Welt. Kritiker monieren jedoch, dass unübersichtliche Einzelregelungen abschreckend wirkten. Die Studie belegt, dass von den 363000 Zuwanderern aus Drittstaaten 2013 nicht einmal jeder Zehnte eine „Aufenhalts- oder Niederlassungserlaubnis zu Erwerbszwecken“ hatte. Familiennachzug und Asyl machen den Großteil der Neuankömmlinge aus. Die „Blaue Karte EU“ für Hochqualifizierte erhielten 2013 gerade einmal 4127 Personen – ein Prozent der Zugezogenen. Die meisten Arbeitssuchenden (29000) mussten eine aufwendige Vorrangprüfung durchlaufen.

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