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Uli Hoeneß : Steuersünder kommen selten ins Gefängnis

Bild: Seuffert, Felix

Uli Hoeneß ist zu einer Gefängnis-Strafe verurteilt worden. Die meisten Steuersünder kommen mit Geld- oder Bewährungsstrafen davon. Nur rund 350 sitzen hinter Gittern. Und die Hälfte bekommt Freigang.

          Uli Hoeneß trifft es hart. Anders als im Fall des früheren Postchefs Klaus Zumwinkel hat es sein Anwalt Hanns Feigen dieses Mal nicht geschafft, das Gericht von einer Bewährungsstrafe zu überzeugen. Nachdem der Richter die Selbstanzeige des FC-Bayern-Präsidenten als unvollständig - und damit als nicht strafbefreiend – eingestuft hat, verurteilte er ihn zu dreieinhalb Jahren Haft ohne Bewährung.

          Tillmann Neuscheler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Solch harte Urteile sind selten bei Steuerhinterziehung. Lediglich 347 Gefangene wegen Straftaten nach der Abgabenordnung – dem zentralen Gesetz im deutschen Steuerrecht - zählte das Statistische Bundesamt in seiner Strafvollzugsstatistik im Frühjahr des vergangenen Jahres. Ob sie bei der Steuer oder beim Zoll betrogen haben, geht aus den Zahlen nicht hervor.

          Das sind nicht viele, wenn man bedenkt, dass im Jahr 2012 immerhin fast 13.000 Steuersünder in Deutschland verurteilt wurden, meist aber (nur) zu einer Geldstrafe oder allenfalls einer Bewährungsstrafe.

          Auch von den prominenten Steuersündern der vergangenen Jahre kamen die meisten mit Geld- und Bewährungsstrafen davon: Neben Klaus Zumwinkel auch Boris Becker und der „Zeit“-Journalist Theo Sommer. Lediglich Peter Graf, der Vater der Tennisspielerin Steffi Graf, musste für einige Jahre in Haft. Gegen Auflagen wurde er aber nach der Hälfte seiner Haftzeit wieder auf freien Fuß gesetzt.

          Darauf wird wohl auch Uli Hoeneß hoffen. Haftstrafen von mehr als zwei Jahren können in Ausnahmefällen schon nach Verbüßen der Hälfte zur Bewährung ausgesetzt werden. Manche Gefangene bekommen nach einer gewissen Zeit tagsüber Freigang und müssen nur nachts zum Schlafen einrücken.

          Über solche Vollzugslockerungen entscheidet der Anstaltsleiter. Nach der Statistik ist der „offene Vollzug“ bei Steuersündern sogar recht häufig. Von den 347 Gefangenen befanden sich immerhin 174 im offenen Vollzug – also genau 50 Prozent. Das ist deutlich mehr als bei anderen Gefangenen, wo die Quote der Freigänger nur rund 17 Prozent beträgt.

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