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Veränderte Fördertechniken : In der neuen Ölwelt

Ob sich diese Entwicklung für die junge amerikanische Ölindustrie wiederholen lässt, ist noch nicht ganz klar. Doch in Houston sprechen jetzt alle von der Automation und Industrialisierung der Ölförderung. Bei diesen Entwicklungen kommen dann Unternehmen wie die Siemens AG ins Spiel. Deren Amerika-Chef Eric Spiegel spricht von dem Ziel der unbemannten Bohranlage, die von einem Kontrollzentrum aus gesteuert wird. Doch Siemens könnte noch in anderer Weise zu sparen helfen. Im Moment werden die Ölanlagen mit Dieselmotoren betrieben. In Zukunft könnten die Ölfracker das häufig anfallende Gas einfangen, statt es abzufackeln, und damit eine Turbine betreiben, die Strom für die Bohranlage liefert. Siemens hat solche Turbinen im Sortiment. Das Beispiel zeigt, da ist noch viel zu holen.

Kommt der „Peak demand“?

Deutlich wird aber auch, dass eine völlig neue Art der Ölindustrie in Amerika entstanden ist. Sie folgt nicht den jahrelangen Investitionszyklen der alten Ölgiganten. Die amerikanischen Fracker sind schnell und können auf Marktveränderungen sofort reagieren. Fracking beruht auf der Ausbeutung vieler kleiner kurzlebiger Vorkommen mit vergleichsweise billigen Anlagen. Wenn es nichts zu verdienen gibt, können die Unternehmen die Arbeit schnell unterbrechen, um sie fast genauso schnell wiederaufzunehmen, wenn wieder Gewinne winken. Energieökonom Rühl weist darauf hin, dass die amerikanischen Förderer aktuell 6000 Ölvorkommen angebohrt, aber noch nicht gefrackt hätten. Das können sie aber sofort, sobald der Markt entsprechendes Verlangen äußert.

Bleibt das Rohöl also auf Dauer billig? Nicht, wenn die Politik dominiert. All die Faktoren, die auf die Phase von 2011 bis 2014 entscheidend beeinflusst haben, sind immer noch wirkungsvoll. Die politischen Unruhen, die Libyen und Syrien betroffen haben, greifen inzwischen auf dem Jemen und Saudi-Arabien über mit noch nicht absehbaren Folgen. Saudi-Arabien selbst hat die finanzielle Ausdauer, die Produktion zu drosseln, um höhere Preise durchzusetzen.

Nur, die Politik wirkt auch entgegengesetzt. Während Niedrigpreise private Firmen entmutigen, könnten Länder wie Russland oder Venezuela, deren Staatshaushalte am Öl hängen, animiert sein, die Produktion zu erhöhen. Sie brauchen das Geld um jeden Preis.

Saudi-Arabien hat mit dem Verzicht der Drosselung der Produktion wenigstens seinen Marktanteil gehalten und kann mit niedrigen Preisen lange leben.

Eines allerdings fürchten die Saudis noch stärker als Konkurrenz: Das sind die Verbraucher. Die Produktionspläne der Ölländer beruhen darauf, dass die Nachfrage weiter steigt. Es gibt aber Zeichen, dass sie das nicht im erwarteten Ausmaß tun wird. „Peak Demand“ heißt das Wort dafür. Die Industrieländer haben nach einer Prognose der Mineralölkonzern BP ihren Nachfragehöhepunkt womöglich hinter sich. Weitere Länder haben nach Angaben des Internationalen Währungsfonds den Preisverfall des Öls genutzt, die Benzinsubventionen zu streichen, und damit den Effekt vermieden, dass Verbraucher wegen des billigen Treibstoffs länger Auto fahren.

Noch spannender ist aber, was gerade in China passiert, das in den Plänen der Ölförderer die wichtigste Rolle spielt. Die Volkswirtschaft wächst langsamer, und sie verändert sich langsam: von einem Land der Industrie hin zu einem Land der Dienstleistung. Am Ende bestellt China weniger Rohöl. Und die Öllieferanten der Welt haben sich womöglich schon wieder verspekuliert.

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