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Veränderte Fördertechniken : In der neuen Ölwelt

Die Opec hatte das genauso wenig kommen sehen wie die meisten anderen Beobachter. Doch das Kartell hat schon Schlimmeres überstanden. Jetzt lässt es unter der Führung Saudi-Arabiens den Sturzflug der Preise zu, der allen Ölgesellschaften auf der Welt weh tut, eigenen Opec-Mitgliedern wie Venezuela besonders. Der Verdacht kommt auf, die Saudis, die sich das leisten können, wollen die amerikanische Konkurrenz aus dem Markt drängen. „Opec hat den Frackern den Krieg erklärt“, ist die dramatische Schlagzeile zu dieser Entwicklung. Exxon-Chef Rex Tillerson sieht das allerdings nüchterner. Auf der jüngsten Ölkonferenz in Houston sagte er: „Die Saudis testen ganz klassisch den Markt.“

Auf dem ersten Blick ist die Situation für die Branche tatsächlich nicht neu. Die alten Fahrensleute der Industrie hatten sich damit abgefunden. Sie waren eben in einer Boom-und-Bust-Branche unterwegs: Mal ging es hoch, mal ging es runter immer schön dem Schweinezyklus entlang. Weltweit regieren die Ölkonzerne klassisch auf den Preisverfall. Sie kürzen Kosten und geben die teuersten Förderprojekte auf, in der Tiefsee, in kalten Regionen oder politisch instabilen Ländern. Die Beschneidung macht sich gewöhnlich nach zehn Jahren bemerkbar. Denn so viel Zeit brauchten die Großprojekte, um ins Laufen zu kommen. Dann wird das Öl knapp, die Preise steigen rapide, sobald alle mitbekommen hatten, was los ist.

Die Förderungstechnik wird immer besser und effizienter

Doch diesmal könnte es anders kommen. Ein entscheidender Faktor ist die überraschende Zähigkeit von Amerikas Frackern. Können sie überleben mit einem halbierten Ölpreis? Die Zeichen deuten darauf hin. Entgegen der allgemeinen Erwartung haben die amerikanischen Produzenten nach den letzten verfügbaren Zahlen ihre Förderung weiter gesteigert. Gleichzeitig aber hat die Industrie binnen eines Jahres die Hälfte ihre Fördertürme abgebaut. Die verbliebenen 900 schaffen somit das Doppelte.

Aber da geht noch mehr. Die Ölförderer schauen gerade genau hin, wie ihre Kollegen vom Schiefergas mit dem Preissturz für Erdgas überleben. Ein Mann kann davon berichten. Er heißt Steve Mueller und ist der Chef der Firma Southwestern Energy, Amerikas drittgrößter Gasförderer. Der ausgebildete Geologe Mueller spricht davon, wie das Mooresche Gesetz Einzug in seine Branche gefunden hat. Dieses Gesetz ist so eine Art Faustformel, derzufolge sich alle zwei Jahre die Leistung von Computerchips verdoppelt bei sinkenden Kosten. Anfang 2007 zählte die Schiefergas-Branche in Amerika 1500 Bohranlagen für Gasvorkommen, heute sind es 250, die Erdgasproduktion hat sich nichtsdestotrotz vergrößert.

Muellers Firma braucht heute sechs Tage, um ein Vorkommen anzubohren und mit der Ausbeutung zu beginnen, der Rekord waren drei Tage. Sieben Jahre zuvor brauchte er dafür noch dreimal so lange. Und es kostet weniger, ein Vorkommen anzubohren als vor sieben Jahren. Welche Industrie kann das von sich sagen? Die Entwicklung ist nach Muellers Einschätzung noch nicht zu Ende. „Wir haben etwas Unwiderstehliches in Gang gesetzt. Es wird nur noch besser“, sagt der Unternehmer. Der Gaspreis hat sich in den Vereinigten Staaten seit 2013 halbiert, während die Förderung weiter stieg. Die Vereinigten Staaten werden in absehbarer Zeit Gasexporteur.

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