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Zinsmanipulation : Die Libor-Bande

Gerade in der Finanzkrise hatte allerdings auch die Bankenaufsicht in vielen Ländern andere Sorgen. Sie wollte vermeiden, dass Banken kippen. Da soll einigen ein Libor, der etwas beschönigt wurde, gerade recht gewesen sein.

Die harten Jungs unter den Bankern nahmen die Aufsicht ohnehin nicht ernst. Das geht aus den Storys hervor, die Douglas Keenan, in den 90er Jahren Händler bei der Investmentbank Morgan Stanley, unlängst vor dem Finanzausschuss des Bundestages zum Besten gab. „Meine Kollegen und ich waren damals als Trader tätig und sahen die Aufsichtsbehörden im Grunde als Lachnummern an.“ Der Libor sei schon seit mehr als 20 Jahren manipuliert worden, behauptet Keenan. „Das war normal und gab es überall, spätestens seit 1991.“ Über Frankfurt könne er nichts sagen, in London aber hätten das praktisch alle Banken gemacht: „Es war gängige Praxis. Und alle wussten das.“

Eine künftige Manipulation ist nicht unmöglich

Wie viel die Chefs gewusst haben, das ist vor allem in der Deutschen Bank ein heikles Thema. Bislang haben die Ermittlungsbehörden keine Hinweise darauf gefunden, dass Anshu Jain, damals Chef des Investmentbanking, heute der ganzen Bank, zum Manipulieren angestiftet oder etwas gewusst hat. Trotzdem könnte ihn eine Mitschuld treffen, wenn Organisation und Kontrolle in diesem Bereich unzureichend gewesen sind. Der frühere Bankchef Josef Ackermann und Jain spielten eine Zeitlang das Spiel, sich gegenseitige die politische Verantwortung für den ganzen Skandal zuzuschieben. Zuletzt hat das etwas nachgelassen.

3-Monats-Libor
3-Monats-Libor : Bild: F.A.Z.

Der frühere Bundesbankpräsident Axel Weber übrigens, den Ackermann gern als Nachfolger gesehen hätte, weil er eben nicht in diese brisanten Vorgänge verstrickt war, hat jetzt bei der UBS mit denselben Problemen zu kämpfen. Dabei nützte es ihm offenbar wenig, dass er als früherer Bundesbankchef die Bankenaufseher überall in Europa gut kennt: Die UBS musste die bislang höchste Libor-Strafe von allen zahlen - und rutschte tief in die roten Zahlen.

Was macht man nun, damit solche Vorfälle nicht wieder passieren? In der vergangenen Woche drang aus der Deutschen Bank die Nachricht nach außen, es würden noch einmal fünf Geldhändler der Bank wegen des Libor-Skandals beurlaubt- darunter auch zwei Bereichsleiter. Außerdem wurde mittlerweile das Investmentbanking umgebaut. Für die Libor-Melder wurden die Kontrollen verbessert sowie regelmäßige Plausibilitätsprüfungen eingeführt. Unmöglich macht das eine Manipulation aber auch künftig nicht. An der großen Lösung, einem Ersatz für das ganze Verfahren, beißen sich mehrere internationale Gremien die Zähne aus: Zum einen, weil jede Umstellung kaum absehbare rechtliche Folgen hätte. Zum anderen, weil man uneins ist, was überhaupt ein besseres Verfahren wäre.

Es wird viele zivilrechtliche Verfahren geben

Die Ermittlungen in Deutschland sollen jetzt im März einen ersten Abschluss finden. Dann will die Bankenaufsicht ihren Bericht über die Deutsche Bank vorlegen. Die Bankspitze scheint das ganze ziemlich zu beunruhigen: Jedenfalls sagte Ko-Chef Jain unlängst bei einer Veranstaltung im Taunusörtchen Königstein im Kreise von Topmanagern: „Das Thema macht mich am meisten krank.“

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