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Zinsmanipulation : Die Libor-Bande

Bei der Deutschen Bank hingegen, dem prominentesten Fall hierzulande, ist den Behörden vor allem die „French Connection“ aufgefallen: ein Ring von Händlern, die alle einen Bezug zu Frankreich hatten und sich deshalb auf Französisch verständigten. Das hatte für die Übeltäter den Vorteil, dass sie eine Zeitlang vor den automatischen Scan-Programmen der Aufsicht geschützt waren. Diese Programme durchkämmten Mails von Händlern in heiklen Bereichen auf alle Worte, die auf Manipulationen hindeuten. Allerdings nur auf Englisch. Es soll eine der ersten Reaktionen auf den Skandal gewesen sein, dass die Aufsicht mehrsprachige Suchprogramme einsetzte.

40 Millionen Euro Bonus

Einer, der zu dieser „French Connection“ gehört haben soll, ist Christian Bittar. Er war bei der Deutschen Bank in London ein „Rainmaker“, wie die Investmentbanker ihre toughen Stars nennen. In nur einem Jahr soll er seiner Bank durch Zinswetten satte 500 Millionen Euro eingebracht haben.

Der übermotivierte Händler der Deutschen Bank soll zusammen mit einem marokkanischen Kollegen von Barclays namens Philippe Moryoussef die Zins-Meldungen koordiniert haben. Bittar kannte Moryoussef von einer gemeinsamen Zeit bei der französischen Großbank Société Générale. Die zwei kommunizierten vor allem über einen Chatroom des Finanzdaten-Systems Bloomberg. Weitere Freunde der französischen Sprache aus englischen und französischen Banken machten mit - ein richtiger „Ring“ bildete sich, ein „Panel“.

Später gehörte Bittar zu den ersten, die im Zuge des Libor-Skandals die Deutsche Bank verlassen mussten - zusammen mit einem Kollegen. Stolze 40 Millionen Euro Bonus, die er eigentlich noch bekommen sollte, hält die Bank bis heute zurück. Mittlerweile arbeitet Bittar beim Hedgefonds Blue Crest in Genf. Zu den Vorgängen will er sich nicht äußern.

„Die French Connection wollte den Zins nicht manipulieren, um ihre Banken besser dastehen zu lassen“, sagt ein Insider. „Denen ging es nur darum, Geschäfte zu machen - und von ihrer Beteiligung an den Geschäften und einem höheren Bonus zu profitieren.“

Das Risikobewusstsein war zu gering

Ein bisschen muss die Manipulation für die Banker gewesen sein wie ein großes Spiel: Die Mails der Händler, die aufgeflogen sind, lesen sich zumindest wie die SMS von Teenagern - mit vielen Smileys, Spitznamen und Abkürzungen. „6m“ etwa nannten die UBS-Leute den Sechs-Monats-Libor, „3m“ den Drei-Monats-Libor. Die Mails klangen dann so: „Ist Eure Meldung schon weg oder kann man den 3m noch ein wenig korrigieren?“ „Halte den 6m bis Dienstag hoch, dann lass ich ihn fallen.“ Und über einen Broker, der bestochen werden sollte, wurde geschrieben: „Er kann mit einer Flasche Champagner im Jahr, einem Besäufnis und ab und an einem kleinen Bonus leben.“

Ein wichtiger Grund dafür, dass es zu den Manipulationen überhaupt kommen konnte, war offenbar, dass man die Libor-Meldungen in den Banken nicht besonders ernst nahm. Obwohl der Zins für die Weltwirtschaft so wichtig ist, war das Risikobewusstsein gering. Entsprechend schlecht waren die Kontrollen, entsprechend wenig Überwachung gab es. Dem gibt Chefaufseher Elke König von der Bafin ein gerüttelt Maß Schuld an dem, was passiert ist: „Das war im Rückblick nicht sachgerecht.“

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