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Wunderprodukt Joghurt? : Die Bakterienkultur

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Verbraucher, die das interessiert, können im Internet schon jetzt Dutzende solcher Studien zur Wirksamkeit jedes einzelnen probiotischen Joghurts lesen. An Information mangelt es nicht. Auf den Internetseiten des Marktführers Danone ist etwa zu erfahren, Actimel enthalte neben den üblichen Joghurtbakterien auch die Kultur „L. casei DN-114 001 / CNCM I-1518“, und „in jedem Fläschchen Actimel befinden sich mindestens 10 Milliarden lebende L. Casei Defensis Kulturen“. Andererseits gibt immer noch die Mehrheit der Käufer an, der Geschmack sei das entscheidende Kaufkriterium. Der zunehmenden Verwissenschaftlichung der Nahrungsmittelindustrie steht eine Informationsüberflutung seitens des Verbrauchers gegenüber. „Die Frage ist, hat der Verbraucher einen Nutzen von all diesen Informationen“, fragt Christina Rempe vom Verbraucherzentrale-Bundesverband.

Ein Joghurt ist kein Wundermittel, aber er wirkt. Der Darm des Menschen wird von Bakterien besiedelt, ein gesunder Erwachsener trägt mehr als ein Kilo Bakterien in sich, viele hundert Arten. In den vergangenen 20 Jahren habe es einen enormen Erkenntnisgewinn gegeben in der Erforschung der Gesundheitswirkung probiotischer Kulturen, sagt der Ernährungswissenschaftler Stephan Bischoff von der Universität Hohenheim. Es gelte als gesichert, dass manche probiotischen Joghurts Durchfall lindern, Darmkrankheiten vorbeugen und den Zustand eines Darms verbessern können, der von Antibiotika geschädigt ist. Aber auch normaler Joghurt sei förderlich. „Die Wahrheit liegt zwischen den überzogenen Werbeversprechen der Industrie und der Fundamentalkritik der Verbraucherschützer“, sagt Bischoff. „Ich glaube aber insgesamt, dass die Ernährung ein Riesenpotential hat auf die Gesundheit zu wirken.“

„Goldener Reis“

So stellen sich die Unternehmen mit Milliardeninvestitionen auf die Zukunft nach dem Apfel und nach Omas Hühnersuppe ein, nicht ohne die Marktchancen in einer alternden und kränkelnden Gesellschaft zu beschwören. Nestlé gründete im vergangenen Jahr die Tochtergesellschaft Health Science und investiert mehr als eine Milliarde Euro jährlich in Forschung und Entwicklung. Danone, nach eigenen Angaben Marktführer im Segment der probiotischen Joghurts, unterhält ein Forschungszentrum in Paris, eines in den Niederlanden. 200 Millionen Euro im Jahr kostet die Forschung, 1200 Mitarbeiter sind in diesem Bereich tätig, davon 500 wissenschaftliche Mitarbeiter. Sie beschäftigen sich etwa mit Verbindungen von der Darmfunktion und der des menschlichen Bewegungsapparates oder des Gehirns. Der Konzern, der 2010 einen Umsatz von 17 Milliarden Euro und einen Gewinn von 2,6 Milliarden Euro erwirtschaftete, verfügt über mehr als 400 Patente. Zuletzt brachte er Joghurtgetränke mit dem Namen Danacol auf den Markt, die Phytosterine enthalten und als cholesterinsenkend verkauft werden. Doch ganz neu ist das Thema des Gesundheitsbezugs von Nahrungsmitteln für Danone nicht. Seine ersten Joghurts verkaufte das Unternehmen in den zwanziger Jahren in Apotheken.

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