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Desertec am Ende : Der Traum vom Wüstenstrom ist gescheitert

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Parabolspiegel eines solarthermischen Parabolrinnenkraftwerks Bild: dpa

Vor fünf Jahren hat die Idee eines großen Wüstenstrom-Projektes für viel Euphorie gesorgt. Doch nun steigen die meisten Unternehmen aus dem Projekt aus. Klein soll es zwar noch weitergehen, aber viel bleibt von den einstigen Plänen nicht mehr übrig.

          Das Wüstenstrom-Projekt Desertec ist fünf Jahre nach seiner Gründung am Ende. Die Desertec Industrial Initiative (DII) werde sich künftig auf Dienstleistungen für ihre verbleibenden Gesellschafter konzentrieren, teilte die Gemeinschaftsfirma am Dienstag mit. Die meisten der zuletzt noch 20 Gesellschafter steigen aus, lediglich die saudische Energiefirma ACWA Power, der chinesische Netzbetreiber State Grid (SGCC) und der deutsche Versorger RWE bleiben an Bord. Somit hat sich auch die Münchner Rück als treibende Kraft von der Vision verabschiedet, Nordafrika und Europa mit Solarenergie aus der Sahara zu versorgen. Auch die Schweizer ABB und die Deutsche Bank haben sich abgewandt.

          Der ohnehin scheidende DII-Chef Paul van Son betrachtet die Arbeit der vergangenen fünf Jahre nicht als ergebnislos: „Rund 70 Projekte sind inzwischen realisiert oder in der Umsetzung. DII hat in dieser Zeit tatkräftig mit Überzeugungsarbeit, Grundlagenstudien und konkreten Länderstrategien geholfen. Diese Phase ist jetzt abgeschlossen und DII stellt sich auf veränderte Anforderungen ein“, teilte er mit. Das Projektvolumen im laufenden Jahr betrage drei Gigawatt, bis 2020 werde es auf 35 Gigawatt zulegen.

          Der Club of Rome ist enttäuscht

          Das Scheitern der Wüstenträume war schon länger absehbar. Die meisten deutschen Technologie- und Baukonzerne wie Siemens , Bosch, Eon oder Bilfinger haben dem Vorhaben bereits den Rücken gekehrt - genauso wie die ursprünglich namensgebende Desertec-Stiftung. Der Club of Rome, in dem sich Experten mit Themen wie Nachhaltigkeit und Grenzen des Wachstums beschäftigen und in dessen Mitte die Idee einst geboren worden war, wandte sich enttäuscht von der Industrie ab.

          Beim fulminanten Start des Megaprojekts 2009 hatten die Manager der Energie-, Technik- und Finanzbranche noch glänzende Augen. Fast eine halbe Billion Euro sollte in Solarkraftwerke unter der Sonne Nordafrikas und dem Vorderen Orient investiert werden, so die Pläne. Der Sahara-Strom sollte über Verbindungen über das Mittelmeer nach Süd- und Zentraleuropa fließen und dort klimaschädliche Kohlekraftwerke überflüssig machen. Der Rückversicherungsriese Münchener Rück machte sich zum Vorreiter des Energietraums.

          Pech und Patzer

          Das auf ein halbes Jahrhundert angelegte Großprojekt stand jedoch unter einem schlechten Stern in Zeiten, in denen Konzernlenker selbst Prognosen über wenige Monate scheuen. In der spannungsgeladenen Zielregion Nordafrika kam es zum arabischen Frühling, eine Zeit enormer politischer und ökonomischer Unsicherheit brach an. Die Investoren agierten vorsichtiger. Hinzu kam die Reaktorkatastrophe von Fukushima, die paradoxerweise das Fortkommen der DII erschwerte. Die Europäer wandten ihren Blick stärker auf die heimische Energiewirtschaft und trieben den Ausbau erneuerbaren Energien vor Ort voran. Ihnen kam ein rapider Preisverfall für Photovoltaikanlagen entgegen, die Kosten für Solarstrom wurden immer geringer. Die Aussicht, 15 Prozent der europäischen Gesamtenergiemenge aus Desertec-Anlagen zu bekommen, wurde immer reizloser, wenn etwa Bayern auch als Folge der deutschen Energiewende schon bis zu 35 Prozent seines Energiebedarfs aus erneuerbaren Quellen im eigenen Land beziehen kann.

          Aber Desertec hatte nicht nur Pech. Von Beginn an gab es Querelen. So setzten die Europäer eher auf die vergleichsweise teure Solarthermie - die Stromgewinnung aus Sonnenhitze - und erlebten damit ein Debakel. Allein Siemens versenkte mehr als 400 Millionen Dollar in der Technologie und stieg letztlich aus. Die afrikanischen und arabischen Länder, die eigentlich Geschäftspartner werden sollten, beklagten sich anfangs über die koloniale Attitüde der Nachbarn nördlich des Mittelmeers. Es folgte ein Streit über die Aufnahme des chinesischen Netzbetreibers State Grid in den Kreis der Gesellschafter. Die Co-Geschäftsführerin Aglaia Wieland flog im Zank über die Strategie raus. Der verblieben DII-Chef van Son richtete sein Haus stärker auf die Beratung von Einzelprojekten für die heimische Stromerzeugung vom Maghreb bis zur Levante aus. Bleiben wollte er allerdings nicht mehr längerfristig. Im Januar wechselt der bärtige Niederländer zum Energieversorger und DII-Partner RWE.

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