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Korruptionsskandal : Sponsoren machen der Fifa Druck

  • Aktualisiert am

Visa-Bandenwerbung bei der WM in Brasilien. Bleibt der Sponsor auch für das Event in Russland treu? Bild: Picture-Alliance

McDonald’s, Hyundai, Coca-Cola - jede Menge Sponsoren der Fußball-WM äußern sich kritisch zum Fifa-Korruptionsskandal. Visa droht sogar indirekt mit einem Abbruch des Sponsorings. Ob es wirklich soweit kommt? Fachleute sind da skeptisch.

          Bedeutende Sponsoren der Fußball-Weltmeisterschaften wie Coca-Cola und McDonald’s erhöhen den Druck auf den Weltverband Fifa. Das Kreditkartenunternehmen Visa drohte sogar mit einem Abbruch des Sponsorings. Visa mahnte „rasche und sofortige Maßnahmen“ an, um die Probleme innerhalb der Fifa zu beheben. „Sollte die Fifa dies nicht tun, haben wir sie informiert, dass wir unser Sponsoring neu bewerten würden“, teilte das Unternehmen in einer Stellungnahme mit.

          Zuvor waren mehrere Top-Funktionäre der Fifa festgenommen worden, weil die Schweizer Bundesanwaltschaft gegen sie ermittelt - im Zusammenhang mit der Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 und 2022 nach Russland und Qatar. Es besteht Korruptionsverdacht. Nach einer langen Phase wachsender Kontroversen um die Vorgehensweise der Fifa drängen nun viele Sponsoren aus der Wirtschaft zur Aufklärung.

          „Diese andauernde Kontroverse überschattet die Mission und die Ideale der Fifa-Weltmeisterschaft. Wir haben immer wieder unsere Sorge um diese schweren Vorwürfe zum Ausdruck gebracht”, hieß es etwa von Coca-Cola in einer Mitteilung. Es werde von der Fifa erwartet, dass die Probleme gründlich angegangen werden, und dabei müssten sämtliche Fragen beantwortet werden. Weiterhin werde von der Fifa volle Kooperation mit den Ermittlungsbehörden erwartet.

          Auch Mc Donald’s betonte, man stehe mit dem Verband „in dieser Angelegenheit“ in Kontakt. „Die Nachrichten aus dem amerikanischen Justizministerium sind äußerst besorgniserregend“. Das Fast-Food-Unternehmen werde die Situation weiterhin genau beobachten.

          Hyundai „extrem besorgt“

          Der südkoreanische Automobilhersteller Hyundai schrieb in einer Mitteilung, dass man die Lage genau beobachten wolle. „Als Unternehmen, für das ethische Normen und Transparenz den höchsten Stellenwert besitzen, sind wir extrem besorgt über die eingeleiteten rechtlichen Schritte gegen bestimmte Fifa-Führungskräfte.“

          Ob sich die Sponsoren letztlich zurückziehen werden, bleibt angesichts eines derart im Medieninteresse stehenden Ereignisses wie einer Weltmeisterschaft unklar. Es sei damit zu rechnen, dass bedeutende Sponsoren, darunter Adidas und Visa, trotz der „systemischen und tief verwurzelten Korruption” nicht zum Schluss glangen werden, dass es sich um Vorgänge handelt, die etwa vergleichbar sind mit Doping oder Drogenmissbrauch, sagte Kevin Alavy von der Medienforschungsgruppe Futures Sport & Entertainment.

          Alavy erklärt das so: „Korruption kann unterschiedliche Ausprägungen annehmen und einige Formen sind für die Fans bedeutender als andere.” Das gelte insbesondere, falls die Integrität des Spiels bedroht sei - etwa beim Doping oder bei gezielter Manipulation des Ausgangs eines Spiels. „Diese Form der Korruption kann den größten Schaden verursachen”, sagt er. Beobachter glauben allerdings, dass es sich große Sponsoren ebensowenig leisten können, dass ihr Ruf auch nur durch einen Hauch von Fehlverhalten getrübt wird.

          In einer ungewöhnlichen Aktion übt nun sogar eine Zeitung Druck auf die Sponsoren aus, ihre Macht gegenüber der Fifa zu nutzen: Wegen des Korruptionsskandals will das niederländische „Nederlands Dagblad“ Anzeigen von Fifa-Sponsoren boykottieren. Die Firmen müssten ihre Macht einsetzen, um die Korruption in der Fifa zu beenden, erklärte der Chefredakteur Sjirk Kuijper, am Donnerstag im niederländischen Radio. Die Zeitung rief auch die Leser zum Boykott von Artikeln der Firmen auf, die die WM sponsern. „Die einzige Sprache, die diese Organisationen verstehen, ist Geld, und das Geld kommt von uns“, sagte der Chefredakteur. Das streng-protestantische Blatt hat eine Auflage von rund 20.000 Exemplaren.

          Auch Menschenrechtsverstöße in Qatar kritisiert

          Visa, Hyundai (zusammen mit der Schwesterfirma Kia Motors), Adidas, Coca-Cola und Gazprom zählen zu den ständigen Marketingpartnern der Fifa. Aus diesem Pool waren die Airline Emirates und Sony Ende 2014 ausgestiegen. Stattdessen laufen Gespräche mit Samsung und Qatar Airways über eine Zusammenarbeit. Weitere Sponsoren sind die Marke Budweiser des weltgrößten Braukonzerns Anheuser-Busch Inbev und McDonald’s.

          Vor Bekanntwerden der Korruptionsermittlungen gegen zahlreiche Fußball-Spitzenfunktionäre hatten Coca-Cola und Visa die Fifa in der vergangenen Woche schon aufgefordert, sich entschiedener gegen Menschenrechtsverstöße im WM-Gastgeberland Qatar einzusetzen.

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