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Putins Männer : Wem gehört Russland?

Der Rote Platz in Moskau. Rechts ist der Kreml, die Machtzentrale von Putins Russland, zu sehen. Bild: Prisma Bildagentur

Wladimir Putin hat die Macht der Oligarchen gebrochen. Geschäfte machen darf nur noch, wer nach seiner Pfeife tanzt.

          Manchmal spricht man noch über sie, die ganz reichen Russen. Etwa, wenn Michail Fridman, Chef der Moskauer Alpha Group, sich die Öl- und Gassparte Dea des Energiekonzerns RWE für fünf Milliarden Euro unter den Nagel reißt. Andere suchen sich im Westen kleinere Projekte. Alischer Usmanow, wie Fridman weit vorn auf der inoffiziellen „Forbes“-Liste der russischen Milliardäre, hat sich vor einigen Jahren beim britischen Fußball-Klub Arsenal London eingekauft. Vorgemacht hatte das schon Jahre zuvor Roman Abramowitsch. Er kaufte sich Chelsea London und butterte so viele Millionen in sein Spielzeug, bis der Klub die Champions League gewann. Der Stahlbaron Oleg Deripaska hingegen investierte lieber in den österreichischen Bauunternehmer Strabag, hält seit vergangenem Jahr eine Sperrminorität. Andere reiche Russen kaufen amerikanische Basketball-Teams oder englische Zeitungen. Vorsicht, heißt es dann: Die Oligarchen kommen!

          Markus Wehner

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Nach dem Ende der Sowjetunion kamen diese Leute zum großen Geld. Manche gründeten Banken und wuschen dort die Millionen, die Moskauer kriminelle Organisationen gescheffelt hatten. Andere legalisierten die Gewinne zentralasiatischer Drogenkartelle. Wieder andere kauften Industriebetriebe für einen Apfel und ein Ei, nutzten dafür ihre alten Verbindungen aus der kommunistischen Partei. Man suchte sich seine Partner, kaufte sich Schutz, schmierte Politiker und Beamte. Nicht selten musste der eine oder andere Gegner physisch aus dem Weg geräumt werden. Es war die Zeit der Bandenkriege. Auf Friedhöfen russischer Städte ist diese Zeit durch die zahlreichen Gräber jung verstorbener Männer dokumentiert.

          Die mächtigen Oligarchen! Sogar die Politik bestimmten sie. Mitte der neunziger Jahre trafen sie sich im schweizerischen Davos und verabredeten, einen Wahlsieg der Kommunisten zu verhindern und den siechen Präsidenten Boris Jelzin im Amt zu halten. Der Plan gelang, denn die Oligarchen verfügten über die Macht der Medien. Sie waren stark, der Staat war schwach.

          Oligarchen gibt es in Russland nicht mehr

          Wie ist es heute? Im Jahr 15, in dem Wladimir Putin Russland regiert? Auch wenn es wie Kreml-Propaganda klingt: Oligarchen gibt es heute nur noch in der Ukraine. Dort haben einige Superreiche das Land unter sich aufgeteilt. Einer von ihnen, Petro Poroschenko, ist zum Präsidenten gewählt worden. Keine guten Aussichten für ein Land, das angegriffen wurde und kurz vor der Pleite steht. In Russland ist das anders. Es gibt dort keine Oligarchen mehr. Denn ein Oligarch ist ein Wirtschaftsmagnat, der durch seinen Reichtum politische Macht ausübt. Damit aber haben Wladimir Putin und seine Leute aus den Geheimdiensten, die aus dem sowjetischen KGB hervorgingen, Schluss gemacht – nach und nach, aber mit großer Zielstrebigkeit.

          Kaum war Putin im Amt, da trennte er sich vom größten Strippenzieher unter den Oligarchen, Boris Beresowskij. Der hatte die Wiederwahl von Jelzin mit gesichert und bei der „Operation Nachfolger“ viel dafür getan, dass der Kreml sich für Putin entschied, den KGB-Obersten, der als unbedingt loyal galt und Jelzin und dessen Familie nach der Abdankung schützen würde. Beresowskij rechnete damit, dass er nach der Machtübergabe an Putin weiter die Fäden ziehen würde.

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