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Putins Männer : Wem gehört Russland?

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Putin spielt in dieser Gruppe natürlich eine besondere Rolle. Im Kartell der Eliten ist er für die Balance zuständig. Früher stützte er sich dabei auch auf die Wirtschaftsliberalen, Leute wie den früheren Finanzminister Alexej Kudrin und German Gref, den Chef der russischen Sberbank. Deren Einfluss ist geschwunden. Heute haben die KGB-Leute das Sagen. Sie setzen im Zweifelsfall auf Repression.

Unliebsame Unternehmer und Politiker kann Putin ohnehin jederzeit attackieren. Er hat dafür sogar einen Spezialisten, den er aus Studienzeiten kennt: Alexander Bastrykin, der Chef des Ermittlungskomitees der Russischen Föderation. Bastrykin war Tutor von Putins Lerngruppe an der Juristischen Fakultät der Petersburger Universität. Als Chefermittler war er zunächst der russischen Generalstaatsanwaltschaft unterstellt. Heute untersteht er, auf dessen ausdrücklichen Wunsch, allein dem Präsidenten.

Putin in ungeahnten Höhen seit Krim-Annektion

Im inneren Zirkel ist Putin weiterhin derjenige, der darauf achtet, dass kein Sektor zu Lasten eines anderen dominiert. Er spielt den Schiedsrichter, entscheidet im Zweifelsfall und vertritt die Beschlüsse nach außen. Die Ideen kommen meist von anderen. Putins Stellung bleibt aber herausgehoben. Seine Macht hat auch damit zu tun, dass er über viele Jahre die Zustimmung der Bevölkerung hatte, die Politikern ansonsten nicht vertraut. Putin ist in dieser Hinsicht ein erfolgreiches PR-Produkt. Er gilt als nicht korrupt, bescheiden, anständig und sportlich, als Kerl aus dem Volk. In den ersten acht Jahren seiner Präsidentschaft hat dieser Zuspruch angehalten.

Russland profitierte in diesen Jahren vom hohen Ölpreis, Gehälter und Renten wurden erhöht. Erst als Putin – nachdem seine Gruppe vier Jahre lang Dmitrij Medwedjew als Marionette im Präsidentenamt ertragen hatte – sich anschickte, abermals Präsident zu werden, sackten seine Zustimmungswerte weg. Seine Rolle als Integrationsfigur stand in Frage. Die Annexion der Krim hat sie nun wieder in ungeahnte Höhen katapultiert.

Wie aber sieht es mit dem Reichtum Putins aus? Ist er der neue Ober-Oligarch? Über Putins luxuriöse Amtssitze ist viel geschrieben worden, über seine Yachten und seine angeblich teuren Uhren. Auch über die Milliarden, die dem russischen Präsidenten angeblich gehören. Doch Putin ist kein Oligarch. Ihn interessiert Geld nicht – jedenfalls nicht mehr, als den französischen Sonnenkönig Ludwig XIV. die Frage interessierte, wie reich er war. Das gilt auch für Putins inneren Zirkel. Natürlich haben alle, die zu ihm gehören, ausgesorgt.

Aber das ist Teil des russischen Systems, wo jeder hohe Beamte, der kraft seines Amtes kein Millionenvermögen verdient hat, nicht ernst genommen wird. Dass jeder, der Staatsaufträge vergibt, davon persönlich profitiert, und derjenige, der einen Auftrag will, dafür bezahlt – das sind die ungeschriebenen Regeln des Spiels. Die Ehefrau des russischen Vizepremiers Igor Schuwalow führt ihr eigenes Offshore-Unternehmen auf den Jungferninseln. Und die Söhne mancher Kreml-Größen wie Patruschew haben schon in jungen Jahren erstaunliche Karrieren gemacht, saßen rasch in den Vorstandsetagen großer Banken.

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