https://www.faz.net/-gqe-81b4i

Putins Männer : Wem gehört Russland?

Das konnte Putins Truppe im Kreml nicht zulassen. Sie überzog Yukos mit Klagen, setzte die Steuerpolizei gegen Chodorkowskij ein. Als Putin ihn zu sich in den Kreml bestellte, ignorierte Chodorkowskij die Einladung und verließ Moskau in seinem Privatjet. Er kam nur bis Nowosibirsk. Dort holte ihn ein Einsatzkommando aus dem Flieger. Das war am 25. Oktober 2003. Für Chodorkowskij folgten zehn Jahre in Gefängnissen und Lagerhaft in Sibirien.

Superreiche mussten für Sotschi zahlen

Damit hatten Putin und seine Getreuen das Ende der Oligarchen als politische Kraft besiegelt. Andere Superreiche wurden nicht mehr bestraft. Denn seitdem ist klar: Geschäfte sind okay, solange man sich mit dem Kreml abstimmt. Wer seine Interessen in angemessener Weise verteidigt, wird ernst genommen. Wer aber überzieht, wer zu gierig wird, der muss die Folgen tragen. Und wenn der Staat ruft, dann muss man ihm helfen.

Vor den Olympischen Spielen in Sotschi hatte jeder der Superreichen seinen Teil beizusteuern. Wladimir Potanin, einer der reichsten Russen, soll mehr als zwei Milliarden Dollar investiert haben, Oleg Deripaska mehr als eine Milliarde. Das Geschäft rentierte sich natürlich nicht. Aber dafür können die Spender bei anderer Gelegenheit mit Unterstützung rechnen.

Man trifft sich im „Politbüro 2.0“

Der Schlag gegen Chodorkowskij war nicht nur das Ende der Oligarchen alten Typs. Putins Mannschaft erfüllte sich zugleich einen Traum. Endlich konnten sie einen dominierenden staatlichen Ölkonzern schaffen. Igor Setschin, ein alter KGB-Mann und Büroleiter von Putin während dessen Zeit in der Petersburger Stadtverwaltung, übernahm die Leitung der Operation. Yukos wurde von Rosneft geschluckt, dem staatlichen Ölkonzern, den Setschin leitet. Und der Putin-Vertraute wurde zur grauen Eminenz des Kremls, eine Art KGB-Oligarch.

Setschin gehört zum inneren Zirkel um Putin. Ein anderer ist Wladimir Jakunin, der Chef der russischen Eisenbahn und ranghoher General des Auslandsgeheimdienstes SWR. Er setzt sich besonders für die Förderung der Orthodoxie in Russland ein und hat in einem Buch den baldigen Zusammenbruch des Westens vorausgesagt. Zum engsten Kreis um Putin gehört auch Sergej Tschemesow. Der Leiter des Rüstungskonzerns Rostec ist für die Modernisierung des Militärs zuständig, die Putin seit seinem Amtsantritt verfolgt. Tschemesow kennt Putin schon aus gemeinsamen KGB-Zeiten in Dresden. Er sitzt heute in den Aufsichtsräten der wichtigsten Konzerne der Rüstungs- und Verkehrsindustrie.

Im „Politbüro 2.0“, wie eine russische Consulting-Firma den Zirkel um Putin getauft hat, spielen zwei weitere KGB-Veteranen eine zentrale Rolle. Nikolaj Patruschew, jahrelang Chef des Inlandsgeheimdienstes FSB, ist heute Sekretär des Sicherheitsrates. Und natürlich Sergej Iwanow, der als treibende Kraft die theoretischen Grundlagen für die Putin-Zeit schuf, etwa Russlands neue Militärdoktrin. Später diente er als Verteidigungsminister und Vize-Regierungschef, heute ist er Putins Stabschef im Kreml. Sollte Putin einmal als Frontmann der Gruppe abtreten, dann wären Patruschew oder Iwanow mögliche Nachfolger.

Weitere Themen

Kabinett läutet Soli-Ende ein Video-Seite öffnen

Nur die Reichen sollen zahlen : Kabinett läutet Soli-Ende ein

Die Bundesregierung hat die Teilabschaffung des Solidaritätszuschlags beschlossen. Zukünftig soll der Soli für 90 Prozent der Zahler wegfallen und für weitere 6,5 Prozent zumindest reduziert werden.

Topmeldungen

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.