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Putins Männer : Wem gehört Russland?

Doch Putin verdarb ihm das Spiel. Er entriss dem Oligarchen die Anteile am Ersten Russischen Fernsehsender und trieb ihn außer Landes. Beresowskij kämpfte vom Ausland aus weiter gegen Putin. Vor zwei Jahren starb er unter letztlich nicht geklärten Umständen in Großbritannien. Auch der Medienunternehmer Wladimir Gusinskij musste Russland verlassen, er lebt heute in Israel. Der Kreml jagte ihm seinen Fernsehsender NTW ab, der kritisch über Putin und den zweiten Tschetschenien-Krieg berichtet hatte. Der staatlich kontrollierte Konzern Gasprom übernahm den Sender, heute gehört NTW zu den Einheizern in der Ukraine-Krise.

Putin stärkte auch Polizisten, Beamte, Soldaten

Das war Putins erster Streich. Der neue Präsident kannte die Macht des Fernsehens, der für mehr als 90 Prozent der Russen die einzige Informationsquelle ist. Die anderen Oligarchen tastete er nicht an. Aber die Spielregeln änderten sich. Denn mit Putin kamen die KGB-Leute an die Macht. Sie waren fest entschlossen, den Staat zu übernehmen. Mit ihnen zog ein anderes Denken in den Kreml ein. Die KGB-Leute sind keine Politiker, sie haben auch keine Karriere in Parteien gemacht. Sie denken in den Kategorien von Schwarz und Weiß, Freund und Feind, Gewinnen und Verlieren. Sie wissen, wie man Menschen und Organisationen manipuliert, diskreditiert und „austrickst“ – ein Wort, das Putin gern benutzt.

Der neue Präsident stärkte die russische Beamtenschaft, die Polizei, die Armee, die Geheimdienste. Er erhöhte nicht nur die Gehälter, sondern beförderte deren Mitarbeiter auf führende Posten. Die Leute aus den Geheimdiensten wurden der „neue Adel“ in Russland. So schuf Putin ein Gegengewicht zu den Oligarchen. Er zog Informationen über ihre Finanzströme ein und intervenierte, wenn ein Geschäft den Interessen des Kremls widersprach. Die Oligarchen mussten sich mit den neuen Machthabern einigen. Und sie mussten zahlen – für die Geheimdienste, für das Militär, für die Pläne der neuen Herren im Kreml.

Die wollten die Kontrolle über die Bodenschätze des Landes für den Staat zurückgewinnen. Aber Putin sah ein, dass es das Land teuer zu stehen kommen würde, wenn man die Privatisierung schlagartig rückabwickeln würde. Der russische Präsident trauert zwar der Sowjetunion nach, der verlorenen Größe und Stärke. Aber nicht dem Kommunismus, den er als gescheitert ansieht.

Wladimir Putin will als Retter Russlands in die Geschichte eingehen.

Die Macht der Oligarchen war damals noch nicht gebrochen. Putin suchte sich den wichtigsten von ihnen als Opfer aus, die Nummer eins. Das war Michail Chodorkowskij. Der einstige Funktionär des kommunistischen Jugendverbands war mit seinem Ölkonzern Yukos zum reichsten Mann Russlands aufgestiegen. Und er hatte politische Ambitionen, kaufte sich die Unterstützung der Parteien im Parlament, von den Demokraten bis zu den Kommunisten. Ausgerechnet er brüskierte Putin vor laufenden Kameras mit dem Vorwurf, der Kreml fördere die Korruption im Land. Chodorkowskij wollte zudem einen Teil seines Geschäfts an die Amerikaner verkaufen, Yukos zum internationalen Konzern machen. Amerikanische Firmen hätten so über einen Teil der russischen Erdölleitungen bestimmt.

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