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Wirtschaftskrise : Deutschland arbeitet kurz

Bild: F.A.Z.

Die Absatzflaute der deutschen Industrie zwingt immer mehr Beschäftigte in die Kurzarbeit. Allein im Januar haben Unternehmen bundesweit für mehr als 290.000 Mitarbeiter Kurzarbeit wegen fehlender Aufträge angemeldet - ähnlich wie im Dezember.

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          Die Nachfrage nach Kurzarbeit in Deutschland ist ungebrochen. Wie die Bundesagentur für Arbeit am Mittwoch mitteilte, sind allein im Januar mehr als 290.000 entsprechende Anmeldungen aus mehr als 10.000 Unternehmen eingegangen. Damit wurden seit dem vergangenen Herbst rund eine dreiviertel Million Fälle angezeigt.

          Sven Astheimer

          Verantwortlicher Redakteur für die Unternehmensberichterstattung.

          Besonders betroffen von dieser Form der Arbeitszeitreduzierung ist die Metall- und Elektroindustrie, hier wiederum vor allem die Automobilindustrie und der Maschinenbau. Am Mittwoch gab unter anderen der Autohersteller Daimler bekannt, dass 700 Beschäftigte des Werkes in Gaggenau von März an in Kurzarbeit gehen werden. Der Zulieferer Bosch zeigte für den Standort Hildesheim 1100 und für Nürnberg 1700 Fälle an, in Homburg wurde die Zahl auf 1900 ausgeweitet. Damit zählt Bosch rund 15.000 Beschäftigte in Kurzarbeit. Im Ford-Werk in Saarlouis wurde eine Einigung mit dem Betriebsrat über Kurzarbeit für 5000 Mitarbeiter erzielt, die in den kommenden Tagen an die Behörden gehen wird.

          Ziel: Massenentlassungen während der Rezession verhindern

          Die Anzeige von Kurzarbeit an die Arbeitsagentur ist eine notwendige Voraussetzung dafür, dass die Arbeitslosenversicherung später für einen Teil des Verdienstausfalls in Form des Kurzarbeitergeldes aufkommt. Alleinstehenden werden 60 Prozent, Arbeitnehmern mit Familie 67 Prozent der Einbußen erstattet. Eine Anmeldung bedeutet allerdings nicht automatisch, dass die Kurzarbeit auch umgesetzt wird. Entsprechende Zahlen liegen der Behörde jedoch erst mit einer mehrmonatigen Verzögerung vor. Auch der Umfang der Reduzierung lässt sich daraus nicht ablesen.

          Nicht nur in der Automobilindustrie wird die Produktion gedrosselt

          Die Bundesregierung will mit dem Ausbau der Kurzarbeit Massenentlassungen während der Rezession verhindern. Im ersten Schritt wurde die Bezugsdauer von Kurzarbeitergeld von sechs auf 18 Monate verlängert und das Instrument auch Zeitarbeitern zugänglich gemacht. Das Konjunkturpaket II sieht dazu noch eine finanzielle Entlastung der Arbeitgeber vor. Denn die Arbeitslosenversicherung kommt zwar für einen Teil des Lohnausfalls auf. Die Unternehmen müssen aber weiterhin die Sozialbeiträge abführen - auch den Arbeitnehmeranteil. Letzterer soll rückwirkend zum 1. Februar von der Arbeitslosenversicherung übernommen werden. Werden die Kurzarbeiter parallel noch weitergebildet, entfallen die kompletten Lasten für die Arbeitgeber.

          Starke Belastung der Arbeitslosenversicherung

          Diese Änderung und der rasante Anstieg der Kurzarbeiterzahlen belasten die Arbeitslosenversicherung stark. Die Bundesagentur gab ebenfalls am Mittwoch bekannt, dass sie einen Nachtragshaushalt aufstellt. Die Mittel für Kurzarbeitergeld werden von 300 Millionen auf 1,4 Milliarden Euro erhöht. Für das Jahr 2010 werden weitere 1,2 Milliarden Euro veranschlagt. Dazu kommen in beiden Jahren jeweils rund 400 Millionen Euro für die Weiterbildung der Kurzarbeiter.

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