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Wirtschaftskompetenz : Wer wird was in der FDP?

Kandidat für das Wirtschaftsministerium: Rainer Brüderle Bild: dpa

Nicht jeder in der FDP, der sich Hoffnung auf ein Ministeramt macht, wird Erfüllung finden. Die spannendste Frage unter den Liberalen lautet, wer wird Minister: Rainer Brüderle oder Hermann Otto Solms?

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          Nicht jeder in der FDP, der sich Hoffnung auf ein Ministeramt macht, wird Erfüllung finden. Die spannendste Frage unter den Liberalen lautet, wer wird Minister: Rainer Brüderle oder Hermann Otto Solms? Der eine gilt als Kandidat für das Wirtschaftsministerium, seit den siebziger Jahren eine Domäne der Liberalen, wenn sie in der Regierung vertreten sind. Der andere ist Anwärter auf das Finanzministerium, das die FDP benötigt, um ihr zentrales Wahlversprechen „mehr netto vom Brutto“ erfüllen zu können. In den sechziger Jahren gab es eine solche Konstellation in einer schwarz-gelben Koalition.

          Manfred Schäfers

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Der Rheinland-Pfälzer Brüderle hat den Vorteil, über eine starke Hausmacht zu verfügen. Er ist ein Vize von Guido Westerwelle. Seine Stärke ist emotionale Ansprache, seine Schwäche die analytische Brillanz, zumindest hat er sie bisher nicht gezeigt. Stattdessen ist er immer für einen flotten Spruch zu haben. Solms ist die Personifizierung des Finanzpolitikers, ein eher nüchterner, sachlicher Typ. Er hatte als Fraktionsvorsitzender gegen Ende der schwarz-gelben Koalition unter Helmut Kohl mit seinem damaligen Gegenüber, Wolfgang Schäuble, die Petersberger Steuerreform ausgearbeitet, die die SPD unter ihrem damaligen Vorsitzenden Oskar Lafontaine im Bundesrat stoppte. In den nun zu Ende gehenden Oppositionszeiten der Liberalen legte er einen radikalen Reformentwurf für direkte Steuern vor, die Bürger und Unternehmen zu zahlen haben.

          Keine Hinweise zu Personalien von Westerwelle

          Wer was wird gilt als offen. Westerwelle hält sich bedeckt. Doch nicht nur von ihm wird es abhängen, ob am Ende Brüderle oder Solms frohlockt. Die CSU könnte der FDP-Führung die Entscheidung abnehmen. Der bayerische Löwe ist zwar in der aktuellen Wahl zur Hauskatze geschrumpft. Aber die Frage ist noch nicht geklärt, ob die CSU nicht doch ihre Tatze auf das mächtige, aber angesichts der Finanzmisere doch nur eingeschränkt attraktive Finanzressort legen kann und will.

          Anwärter auf das Finanzministerium: Hermann Otto Solms

          Nicht auszuschließen, aber unwahrscheinlich ist, dass ein anderer nach dem Motto „Wenn zwei sich streiten, freut sich der dritte“ das Rennen und Karriere macht. Solide Finanzpolitiker hat die FDP mehr als gute Wirtschaftspolitiker. Volker Wissing hat sich mit Fleiß und Sachkunde in der Szene einen Namen gemacht. Mit seinen Fragen hat er den scheidenden Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) oft genug zur Weißglut gebracht. Doch um jetzt Minister werden zu können, dürfte dem 39 Jahre alten promovierten Juristen aus der Pfalz sowohl an Erfahrung als auch an Hausmacht mangeln.

          Ähnlich sieht es bei Otto Fricke aus. Als Vorsitzender des Haushaltsauschusses hat der 43 Jahre alte Rechtsanwalt aus Krefeld sicherlich gut gearbeitet. Im Bundestag hat er dem haushaltspolitischen Sprecher der Fraktion, Jürgen Koppelin, öfters die Schau gestohlen. Beide haben wohl Chancen, Staatssekretär in einem liberalen Finanzministerium zu werden, wenn sie es denn wollen. Für Frank Schäffler sind die Aussichten schlechter. Er hat sich zwar redlich bemüht, die SPD in der Finanzkrise vorzuführen, aber seine Durchschlagskraft hielt sich in Grenzen, so dass er zunächst weiter aus der zweiten Reihe stürmen dürfte.

          Carl-Ludwig Thiele ist sowohl in der Haushaltspolitik als auch in der Steuerpolitik zuhause. Als stellvertretender Fraktionsvorsitzender und Spitzenkandidat der niedersächsischen FDP hat seine Stimme in der Partei Gewicht. Wenn es auch nicht zum Minister reichen sollte, dann könnte er zumindest Vorsitzender des Finanzausschusses werden, den er von 1994 bis 1998 schon einmal geleitet hat. Doch dafür wäre Bedingung, dass das Ministerium nicht schon an die FDP gefallen ist.

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