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Wirtschaftsforschung : Institute im Umbruch

Konjunkturprognose am DIW: So wie die deutsche Wirtschaft hat auch das Berliner Institut heftiges Auf und Ab erlebt. Nun soll es wieder aufwärtsgehen. Das belebt den Wettbewerb der Institute Bild: dpa

Das Berliner DIW will nach langen Querelen wieder an die Spitze der deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute. Die schärfsten Debatten regt Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn an. Unterdessen kämpft das kleine IW Halle um den Anschluss.

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          Was macht der Neue neu? Der künftige Chef am Deutschen Institut für Wirtschaftspolitik (DIW) hält sich bedeckt, denn offiziell ist Marcel Fratzscher noch nicht gewählt. Dafür reden andere hochrangige Institutsleute. Einen Vorstoß wie vor kurzem, als ein DIW-Ökonom der zweiten Reihe mal eben eine 10-Prozent-Zwangsabgabe oder Zwangsanleihen für alle Vermögenden forderte, „so etwas wird es wohl nicht mehr geben“, sagt ein Wissenschaftler, der kreuzunglücklich war über die Debatte. Selbst der DIW-Kuratoriumsvorsitzende Bert Rürup stöhnte, dass es nun wieder „Rote-Socken-Kampagnen gegen das DIW“ gebe. Mit dem Makroökonomen Fratzscher, bislang Abteilungsleiter in der EZB, soll das aufhören. Die politische Linksdrift am DIW unter dem derzeitigen Übergangschef Gert Wagner sei kein Thema mehr. „Fratzscher ist ein sehr neutraler Wissenschaftler“, heißt es anerkennend aus dem Institut in der Mohrenstraße.

          Philip Plickert
          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Die Mission des neuen DIW-Chefs lautet kurz gefasst: das Institut wieder an die Spitze bringen. Er soll die Kompetenz in Sachen Makroökonomie stärken. Das reicht weit über die Konjunkturprognose für die Bundesregierung hinaus, an der das DIW wieder teilnehmen will. Zweimal hintereinander ist es bei der Ausschreibung dafür gescheitert. Nicht nur diese Scharte will man schnellstmöglich auswetzen. Das gesamte Spektrum der Makroökonomie, der Weltwirtschaft und der Globalisierung, für all das soll das DIW wieder eine der wichtigsten Adressen werden. Die Abteilung für Sicherheit und Entwicklung, die der Vorstand „randständig“ findet, soll dafür weichen.

          Ruf des DIW ist angekratzt

          Der Umbau hat unter einigen Mitarbeitern für Unruhe gesorgt. Noch einmal werden die Wunden nach den Querelen um den früheren Präsidenten Klaus Zimmermann aufgerissen, die zu seinem Rücktritt Anfang 2011 führten. Zwar haben sich viele Vorwürfe gegen Zimmermann, etwa der Untreueverdacht, als unbegründet herausgestellt. Doch die Schlagzeilen haben den Ruf des DIW angekratzt.

          Der neue Präsident, erst 41 Jahre alt, soll nun in eine bessere Zukunft führen. Ansätze dafür gibt es schon, etwa das Nachwuchsprogramm, das gut läuft. Zudem will er die Stärken des DIW noch mehr nutzen. Dazu zählt er vor allem die weltweit einzigartige Datensammlung des Sozioökonomischen Panels, für das immer wieder rund 12.000 Haushalte befragt werden, sowie den Standort Berlin, die Nähe zur Politik.

          Noch nicht gewählt: Marcel Fratzscher, designierter DIW-Präsident
          Noch nicht gewählt: Marcel Fratzscher, designierter DIW-Präsident : Bild: Hoang Le, Kien

          Fast 200 Mitarbeiter, davon die Hälfte Forscher, und einen Jahresetat von mehr als 20 Millionen Euro, davon gut 15 Millionen staatliche Grundförderung, hat das DIW. Es ist damit das größte der sechs Wirtschaftsforschungsinstitute in der Leibniz-Gemeinschaft - aber nicht das führende, wie Mitglieder des Kuratoriums kritisch eingestehen. Das Münchner Ifo-Institut und das Mannheimer Zentrum für Europäsche Wirtschaftsforschung (ZEW) haben zwar ein paar Mitarbeiter und ein Drittel Grundförderung weniger, ihre Forschungsleistung ist jedoch höher.

          eben den drei großen gibt es noch zwei mittlere, das Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel und das Rheinisch-Westfälische Institut (RWI) in Essen. Sie haben jeweils knapp 130 Mitarbeiter. Das kleinste Institut ist das IW Halle, eine Neugründung nach der Wende. Nach einer mangelhaften Evaluierung steckt es derzeit in Schwierigkeiten. Daneben gibt es noch einige Kleinstinstitute, meist an Universitäten angebunden, die nicht Mitglieder im Leibniz-Verbund sind.

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