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Wirtschaft mahnt : „Die Vereinigten Staaten sind unser größter Exportkunde“

  • Aktualisiert am

Reger Betrieb am Autoterminal im Hafen von Bremerhaven. Bild: ddp

G-7-Gipfel und Merkels Äußerungen wirken nach: Die SPD-Spitze verschärft ihre Kritik an Donald Trump. Die deutsche Wirtschaft rät hingegen zu einer anderen Deutung der Worte der Kanzlerin.

          Während Vertreter der SPD den Ton gegenüber der amerikanischen Regierung Trump noch einmal verschärft haben, mahnt die deutsche Wirtschaft zu mehr Gelassenheit. Eric Schweitzer, der Präsident des Deutschen Industrie-und Handelskammertages (DIHK) warnte vor einer „überzogenen Interpretation“ der Aussagen von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) nach dem G-7-Gipfel. Wenn die Kanzlerin mehr Eigenständigkeit Europas verlange, habe dies mit einer Abkehr von den Vereinigten Staaten nichts zu tun, sagte Schweitzer der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. „Die Kanzlerin hat nur die aktuelle Situation beschrieben.“

          Schweitzer unterstrich die „sehr, sehr wichtige Rolle“ der Vereinigten Staaten für Deutschland und die EU. „Die Vereinigten Staaten sind unser größter Exportkunde. Wir kaufen und verkaufen für mehr als 150 Milliarden Euro pro Jahr Produkte und Dienstleistungen im Amerika-Geschäft.“

          Die Kanzlerin hatte am Sonntag gesagt: „Die Zeiten, in denen wir uns auf andere völlig verlassen konnten, die sind ein Stück vorbei.“ Der Satz ging um die Welt und stieß international auf große Resonanz. Er war nicht zuletzt in den Vereinigten Staaten auch von konservativen Politkern mit Sorge teils als Wendepunkt der transatlantischen Beziehungen interpretiert worden.

          „Wer dem nicht entgegentritt, macht sich mitschuldig“

          DIHK-Präsident Schweizer wiederum beschrieb das transatlantische Verhältnis nun mit den Worten: „Wir sind wirtschaftlich wie Zwillinge mit den Vereinigten Staaten, aber eben nicht mehr wie eineiige Zwillinge.“

          Unabhängig davon zeige die Entwicklung – Brexit, Griechenlands Staatsschulden, Erstarken des Nationalismus in einer Reihe von Ländern – dass „es unglaublich wichtig ist, dass wir ein sehr starkes Europa haben“, fügte Schweitzer hinzu. Die EU sei die größte Volkswirtschaft der Welt: „Wir müssen mehr Kräfte darauf verwenden, dass Europa stärker wird.“

          Außenminister Sigmar Gabriel hatte zuvor gegenüber den Vereinigten Staaten zur Abgrenzung aufgerufen. „Wer dieser amerikanischen Politik nicht entgegentritt, macht sich mitschuldig“, sagte Gabriel der „Rheinischen Post“. „Die Trump-Administration will Klima-Abkommen kündigen, in Krisenregionen aufrüsten und Menschen aus bestimmten Religionskreisen nicht einreisen lassen. Wenn wir Europäer heute dem nicht entschlossen entgegentreten, dann werden sich die Migrationsströme nach Europa noch weiter vergrößern.“

          „Frieden in Europa in Gefahr“

          „Wer den Klimawandel durch weniger Umweltschutz beschleunigt, wer mehr Waffen in Krisengebiete verkauft und wer religiöse Konflikte nicht politisch lösen möchte, der bringt den Frieden in Europa in Gefahr. Die kurzsichtige Politik der amerikanischen Regierung steht gegen die Interessen der Europäischen Union“, sagte Gabriel.

          SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz rief alle Demokraten in Europa dazu auf,  Trump seine Grenzen aufzuzeigen. Europa sei der beste Schutz für die Demokratie, für die Wirtschaft und den sozialen Zusammenhalt: „Deshalb ist das Gebot der Stunde, sich diesem Mann mit allem, was wir vertreten, in den Weg zu stellen, übrigens auch seiner fatalen Aufrüstungslogik, die er uns aufzwingen will“, sagte Schulz am Montagabend bei einer SPD-Veranstaltung in Berlin.

          Die Kritik wird laut, nachdem der jüngste G-7-Gipfel in Italien praktisch ergebnislos endete, weil sich die amerikanische Regierung in der Flüchtlingspolitik und dem Klimaschutz gegen die anderen westlichen Staaten stellte. Merkel hatte am Sonntag nach Ende des Gipfels gesagt: „Die Zeiten, in denen wir uns auf andere völlig verlassen konnten, die sind ein Stück vorbei. Das habe ich in den letzten Tagen erlebt.“

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