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Trumps Wirtschaftspläne : Nächstes Opfer Deutschland

Trump auf der Titelseite einer chinesischen Zeitung Bild: AP

Donald Trump prangert die Chinesen wegen ihrer Exportstärke an. Das sollte uns alarmieren: Denn als Nächstes könnte Deutschland dran sein – der Exportweltmeister.

          Wird Deutschland womöglich das nächste Ziel von Donald Trumps politischen Attacken? Aus Berlin immerhin wurde unlängst kolportiert, im Finanz- und im Wirtschaftsministerium stellten sich Experten auf neue Konflikte ein. Bislang hatte Trump vor allem China als den Schurken der Weltwirtschaft ausgemacht. Das Land manipuliere seine Währung und vernichte mit derlei unfairen Methoden im Welthandel zuhauf Arbeitsplätze in Amerika. „China hat große Mengen Geld und Vermögen aus den Vereinigten Staaten herausgenommen, in einem total einseitigen Handel“, twitterte Trump erst vor wenigen Tagen wieder.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Mit etwas Phantasie lässt sich das sehr leicht auch auf Deutschland ummünzen. Immerhin hat die Bundesrepublik die Volksrepublik China sogar gerade wieder als Exportweltmeister abgelöst. Und der deutsche Leistungsbilanzüberschuss, also die Differenz von Aus- und Einfuhren, lag 2016 nach vorläufigen Zahlen bei 8,6 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. Das ist nicht nur ein Rekord für Deutschland – es ist auch viel mehr als die mickrigen 2,4 Prozent der Chinesen.

          Wer es mit den Deutschen böse meint, der könnte durchaus auch von Exporterfolgen mit Hilfe einer manipulierten Währung sprechen. Schließlich profitierten Deutschlands exportorientierte Unternehmen auch im vergangenen Jahr wieder ganz ordentlich davon, dass der Euro als Spätfolge der Euro-Krise schwächer ist, als es der deutschen Volkswirtschaft eigentlich angemessen wäre.

          Deutscher Exportüberschuss „auf Kosten der Partner“

          Es wäre nicht das erste Mal, dass Deutschland von Amerika wegen dieser Angelegenheit in den Senkel gestellt wird. Im Jahr 2013 beispielsweise klagte das amerikanische Finanzministerium in seinem Wirtschaftsbericht Deutschland öffentlich an, weil das Land seinen wirtschaftlichen Erfolg mit Exportüberschüssen „auf Kosten der Partner in aller Welt“ erziele. Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) äußerte sich immer wieder kritisch. Und in der Europäischen Union wurden in dieser Frage sogar offizielle Verfahren gegen die Deutschen angestrengt.

          Ein alter Streit geht in eine neue Runde: das Ringen um die „Imbalances“, die globalen Ungleichgewichte. Worum handelt es sich dabei? Der Mechanismus geht so: Es gibt Länder wie Deutschland oder China. Sie verkaufen für mehr Geld Maschinen, Autos oder Anlagen ins Ausland, als sie Fernseher, Nahrungsmittel und Öl einführen. Der Export ist größer als der Import. Das ist ein „Leistungsbilanzüberschuss“.

          Auf der anderen Seite gibt es Länder wie Amerika. Sie konsumieren mehr, als sie herstellen. Diese Staaten machen sogar Schulden, um noch mehr in aller Welt einkaufen zu können. Kleidung beispielsweise, die in Amerika kaum noch hergestellt wird, Elektronik aus Japan oder Autos aus Deutschland. Auch der amerikanische Staat hat ein gewaltiges Loch im Haushalt, unter anderem, weil er teure Kriege finanzierte. Solche Länder führen mehr Produkte ein als aus – sie haben ein Leistungsbilanzdefizit.

          Keine Gleichheit zwischen Ausfuhr- und Einfuhrländern

          Diesen Güterströmen stehen auf der anderen Seite Kapitalströme gegenüber. Ein Land, das mehr ausführt als einführt, bringt auch mehr Kapital ins Ausland. Das muss schon rein technisch so sein. Man kann sich das so vorstellen: Ein Land wie Deutschland, das Maschinen ins Ausland liefert, gewährt im selben Zug auch noch einen Kredit zu deren Finanzierung.

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