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Winterwetter : Europas Flughäfen kämpfen mit Folgen der Schneemassen

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Kofferflut am Bahnhof St Pancras: Viele gestrandete Flugpassagiere versuchten auf die Bahn auszuweichen Bild: AFP

Das Winterwetter hat auch wirtschaftliche Folgen für Europa: In vielen Ländern gab es Flughafenschließungen, Logistik-Konzerne hatten Lieferprobleme. Manche Tankstelle erhielt sogar keinen Sprit mehr.

          Der starke Schneefall zum Wochenauftakt verschärft die Verkehrsschwierigkeiten in Europa. Von den Schließungen oder Flugengpässen auf den Groß-Flughäfen in London, Paris und Amsterdam war am Montag mit Frankfurt auch das größte Drehkreuz in Deutschland betroffen. Logistik-Konzerne und Großversender wie DHL oder Amazon berichten zudem von Lieferproblemen, die aus den Fahrverboten für Lastwagen und Verzögerungen im Luftverkehr resultieren. „Die Schneefälle der vergangenen Tage haben dazu geführt, dass eine reguläre Belieferung einzelner Tankstellen nicht möglich war“, sagte Klaus Picard, Hauptgeschäftsführer des Mineralölwirtschaftsverbandes.

          Die größten Schwierigkeiten im europäischen Luftverkehr gibt es in London-Heathrow. Das mit rund 65 Millionen Passagieren im Jahr größte Flughafen-Drehkreuz in Europa wurde in den vergangenen Tagen zeitweise geschlossen und leidet zudem unter dem Missmanagement seines Betreibers BAA. Das Unternehmen geriet jetzt in die Kritik, weil es in Heathrow zwar am vergangenen Sonntag nicht geschneit hatte, aber dennoch der Flugbetrieb ruhte. BAA verfügt nicht über genügend Schneepflüge und Geräte, um Flugzeuge und Rollfelder zu enteisen.

          Die Fehler am Flughafen Heathrow, der einen Großteil des Langstreckengeschäfts zwischen Großbritannien, den Vereinigten Staaten und Asien abwickelt, haben für die großen Fluggesellschaften sowie die übrigen Flughäfen in Europa weitreichende Folgen und ziehen womöglich Geschäftsausfälle in zweistelliger Millionenhöhe nach sich: Flüge werden nach Paris oder Amsterdam umgeleitet und führen dort zu Engpässen. Erschwerend kommt hinzu: Weil der Groß-Flughafen in London nur über zwei Start- und Landebahnen verfügt, hat sich ein gewaltiger Rückstau an gestrandeten Passagieren gebildet.

          Auch in Frankfurt kam es zu vielen Ausfällen. Zwar waren alle Start- und Landebahnen in Betrieb, doch aus vielen europäischen Ländern kamen keine Flieger an

          Tausende von Passagieren saßen fest

          Auf den Groß-Flughäfen in Europa saßen bis Wochenbeginn Tausende von Passagieren fest. Außer in Paris-Charles-de-Gaulle und in Amsterdam-Schiphol kam es auch in Frankfurt zu Flugausfällen in größerem Umfang. Obwohl dort am Montag alle Start- und Landebahnen in Betrieb waren und die Enteisung von Flugzeugen reibungslos verlief, wurden 330 der geplanten 1350 Flüge storniert. Dies erklärt der Betreiber Fraport damit, dass Flüge auf anderen Flughäfen annulliert wurden und die Deutsche Lufthansa auf einen Sonder-Flugplan umgestellt habe, um ihre Starts und Landungen auf ihrer Heimatbasis zu stabilisieren. Auf dem mit rund 52 Millionen Passagieren im Jahr größten deutschen Flughafen sind mehr als 50 Prozent Umsteigepassagiere.

          Die Lage der benachbarten Flughäfen in Brüssel und Amsterdam hatte sich zum Wochenauftakt zwar etwas entspannt. Doch am Montag kündigte der Brüsseler Flughafen in Zaventem an, dass voraussichtlich bis Mittwoch keine Flugzeuge mehr starten könnten, weil die Vorräte an Enteisungsmittel zu Ende gingen. Am Wochenende waren in Brüssel etwa 4000 Passagiere gestrandet. Viele waren wegen der Schließung von London-Heathrow nach Brüssel umgeleitet worden. Auch in Schiphol mussten am Montag einige Flüge annulliert werden, weil der Betrieb auf anderen europäische Flughäfen durch Schneefall blockiert war.

          In Frankreich wurden nicht nur große Teile des Flugverkehrs, sondern auch andere Verkehrsträger wie Eisenbahnen und Speditionen durch die Folgen der schlechten Witterung außer Gefecht gesetzt. Beispielsweise wurde der Lastverkehr am Montag im gesamten Pariser Großraum mit seinen fast 12 Millionen Einwohnern vorübergehend verboten.

          Wer von der Hauptstadt aus fliegen wollte, war kaum besser dran. Die Behörden forderten die Betreiber der Großflughäfen Roissy-Charles-De-Gaulle und Orly auf, 30 Prozent ihrer Flüge zu streichen. 3000 Personen mussten die Nacht zum Montag am Flughafen Roissy verbringen. In Orly landete bis Montagmittag kein einziges Flugzeug. Gleichzeitig meldete die staatliche Bahngesellschaft SNCF Verspätungen von mindestens einer Stunde für viele Hochgeschwindigkeitsstrecken. Die TGV fahren, ebenso wie ihr deutsches Pendant ICE, auf wichtigen Hauptstrecken, gegenwärtig nur noch bis zu 200 Stundenkilometer – 100 Stundenkilometer weniger als sonst.

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