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Windenergie : Naturschutzamt bremst Offshore-Windstrom

In diesem Frühjahr soll der Offshore-Windparks Baltic 1 in Betrieb genommen werden Bild: dapd

Das Bundesamt für Naturschutz schlägt Alarm: Windparks gefährden den Lebensraum bedrohter Arten. Die Branche ruft nach dem Umweltminister. Ein offener Konflikt zwischen Klima- und Naturschutz steht bevor.

          Seetaucher sind vorsichtige Vögel. Sie halten weiten Abstand zu den Rotoren der Windkraftanlagen in der Nordsee. Noch in vier Kilometern Entfernung verscheuchen die Stahlgebilde die Hälfte der Vögel, in einer Zone von zwei Kilometern rund um die Parks lässt sich praktisch kein einziger Stern- und Prachttaucher blicken. Auch auf Schiffe reagieren sie allergisch. Ihr Bestand ist in den vergangenen Jahren erheblich geschrumpft, so dass die Europäische Union sie in die Rote Liste gefährdeter Arten aufgenommen hat.

          Helmut Bünder

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Das Hauptrastgebiet in der Deutschen Bucht steht seit einigen Jahren unter Schutz. Trotzdem darf mitten in der FFH-Zone (Flora Fauna Habitat), etwa dreißig Kilometer westlich vor Sylt, ein Windpark mit 80 Anlagen gebaut werden. Das Projekt genießt Bestandsschutz. Die Genehmigung ist erteilt worden, bevor die Schutzzone ausgewiesen wurde. Doch einige Kilometer weiter seewärts, außerhalb des Vogelschutzgebietes „Östliche Deutsche Bucht“, steht jetzt ein offener Konflikt zwischen Klima- und Naturschutz bevor. Zum ersten Mal überhaupt könnte dort die Genehmigung eines Windparks am Veto des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) scheitern, weil das Projekt den Lebensraum bedrohter Arten gefährdet. „Auch Randgebiete der FFH-Zone genießen zentrale Bedeutung für den Schutz der Seetaucher. Das ist im europäischen und im nationalen Recht eindeutig geregelt“, sagte BfN-Präsidentin Beate Jessel der F.A.Z.

          Sandbank 24 wird zur Nagelprobe

          Es geht um die geplante Vergrößerung von Sandbank 24, einem bereits genehmigten Windpark mit 96 Anlagen, hinter dem Geldgeber aus Südkorea stehen. Sandbank Extension heißt das Projekt, das zur Nagelprobe für die Anwendung des Biotopschutzes auf die Offshore-Windkraft werden könnte. Eine Untersagung droht vielleicht auch der „Nordpassage“ von Vattenfall, die als Erweiterung von Dan Tysk in der Planung ist.

          Bei Sandbank macht man kein Hehl daraus, dass der Antrag auf der Kippe steht. Das BfN habe bereits eine ablehnende Stellungnahme vorbereitet und an das Bundesumweltministerium geschickt. Wenn die Politik nicht eingreife, sei das Projekt am Ende und ein Millionenaufwand für Planung und Genehmigungsvorbereitung verloren, hieß es aus dem Unternehmen. Beim Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) in Hamburg hat die Betreibergesellschaft vierzig zusätzliche Windräder beantragt, die in zwei Reihen westlich und östlich des bisher geplanten Feldes aufgestellt werden sollen. Das BSH ist die zuständige Behörde für die Anlagengenehmigung. Seit der Novelle des Bundesnaturschutzgesetzes vor einem Jahr hat aber das BfN ein entscheidendes Wort mitzureden, weil der Artenschutz nun in allen Genehmigungen von Offshore-Anlagen zu beachten ist.

          Konflikt mit EU-Recht droht

          Zum Stand einzelner Anträge will sich BfN-Präsidentin Beate Jessel nicht konkret äußern. Aber sie wird auch so deutlich genug, indem sie auf die europäischen Vogelschutzrichtlinien verweist. Wenn sich Deutschland darüber hinwegsetze, drohe ein Konflikt mit EU-Recht. Auch die Betreibergesellschaften seien einem hohen Klagerisiko ausgesetzt, warnte Jessel. Es liege im eigenen Interesse der Investoren, dass die Bau- und Betriebsgenehmigungen absolut rechtssicher seien.

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