https://www.faz.net/-gqe-v9uf

Wilhelmshaven : Baubeginn des Jade-Weser-Hafens verzögert sich

  • -Aktualisiert am

Das Luftbild zeigt das Gelände des geplanten Jade-Weser-Hafens bei Wilhelmshaven Bild: ddp

Das Gerangel um die Auftragsvergabe für den Jade-Weser-Hafen bewegt seit Monaten die Region um Wilhelmshaven. Jetzt ist klar: Das Papenburger Bauunternehmen Johann Bunte kann den Hafen bauen. Klagen von Umweltschützern verzögern den Baubeginn allerdings noch.

          Das Papenburger Bauunternehmen Johann Bunte kann den Jade-Weser-Port bauen, nachdem der Baukonzern Wayss & Freitag auf einen möglichen Einspruch verzichtete. Der Baubeginn des Tiefwasserhafens, den der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) ein "Jahrhundertprojekt" nannte, wird sich indes bis mindestens Anfang kommenden Jahres verzögern, weil das Oberverwaltungsgericht Lüneburg noch über Klagen von Umweltschützern entscheiden muss.

          Das politische und juristische Gerangel bewegt seit Monaten Niedersachsen und die Region um Wilhelmshaven, auch als Wahlkampfthema vor den Landtagswahlen in Niedersachsen Ende Januar. Derzeit verhandeln die Landtagsparteien in Hannover darüber, ob statt des von Grünen und SPD geforderten parlamentarischen Untersuchungsausschusses ein Sonderermittler eingesetzt wird, um den Bau nicht zu belasten und Auskünfte über Ungereimtheiten bei der Bauvergabe noch vor der Landtagswahl zu erhalten.

          Bunte rechnet mit einem Bauauftrag in dieser Woche

          Der Streit um den Tiefwasserhafen mit Gesamtkosten von mehr als einer Milliarde Euro hatte einen Höhepunkt erreicht mit dem Urteil des Oberlandesgerichts Celle, den Essener Hochtief-Konzern vom Bau auszuschließen, weil seine Bewerbungsunterlagen unvollständig waren. Damit kam der zunächst bei der Vergabe favorisierte Kläger, Bunte, zum Zug. Die Regierungschefs in Niedersachsen und Bremen, Wulff und Jens Böhrnsen (SPD), hatten daraufhin ebenso wie die Wirtschaftsminister Walter Hirche (FDP) und Ralf Nagel (SPD) gesagt, Bunte solle den Auftrag erhalten. Niedersachsen, Bremen und der künftige Hafenbetreiber Eurogate finanzieren den Bau gemeinsam. Möglich wurde die Auftragsvergabe erst, nachdem die dritte Bietergemeinschaft Wayss & Freitag am Dienstag auf einen möglichen Einspruch verzichtete, der den Bau um weitere Monate verzögert hätte.

          Computersimulation des zukünftigen Jade-Weser-Hafens

          Der Sprecher der Bunte-Geschäftsführung, Manfred Wendt, sagte am Dienstag, er rechne mit einem Bauauftrag noch in dieser Woche. Bunte glaubt, die geplante Fertigstellung der ersten vier Liegeplätze im Jahr 2010 erreichen zu können. Fachleute halten diesen Termin für ehrgeizig, aber machbar. Durch die Verzögerungen dürften sich die Kosten erhöhen, da sich Preise für Stahl weiter erhöhten. Für die Johann Bunte Bauunternehmung GmbH & Co KG ist dies der größte Auftrag seit der Gründung 1872. Die Familiengesellschaft in der fünften Generation ist im Straßenbau und Tiefbau, Bahnbau, Wasserbau und in der Projektentwicklung engagiert.

          Hafen für künftige Groß-Containerschiffe

          Das Auftragsvolumen für den Jade-Weser-Port liegt für das Konsortium mittelständischer Unternehmen etwa doppelt so hoch wie die Gesamtbauleistung im Vorjahr: 2006 verbaute Bunte mit 1100 Mitarbeitern 250 Millionen Euro. Mit dem Bau stößt Bunte in den Bereich von Nassbaggerarbeiten vor, den sich bisher vier große Unternehmen aus den Niederlanden und Belgien aufgeteilt hatten.

          Der Bau des Tiefwasserhafens soll künftigen Groß-Containerschiffen eine Entladung erlauben, die zu tief sind für eine Anfahrt in Hamburg und Bremen. Er soll zudem eine strukturschwache Region beleben, nicht nur mit den 1000 Arbeitsplätzen im Hafen. Neben diesem sind mehrere damit gekoppelte Großbauten in Wilhelmshaven geplant. So planen Eon und die belgische Electrabel ein Kraftwerk, das 2014 mit 1600 Megawatt ans Netz gehen soll. Die Investitionen sind mit etwa einer Milliarde Euro ähnlich hoch wie die Hafenkosten. Dagegen scheiterte in der vergangenen Woche der geplante Bau eines Ethan-Crackers, weil die Baukosten in den vergangenen zwölf Monaten um 30 Prozent auf eine Milliarde Euro stiegen. Die Anlage des britischen Chemiekonzerns Ineos zur Chloranalyse und eine 275 Kilometer lange Pipeline ins Ruhrgebiet hätten 360 Arbeitsplätze gebracht.

          Weitere Themen

          Drohnen-Angriff sorgt für Ölpreis-Anstieg Video-Seite öffnen

          Saudi-Arabien : Drohnen-Angriff sorgt für Ölpreis-Anstieg

          Nach den Drohnenangriffen auf zwei Ölanlagen in Saudi-Arabien wird mit einem Anstieg der Ölpreise gerechnet. Die Angriffe verschärfen die angespannte Lage in der Golfregion und führten zum Einbruch der Ölproduktion in Saudi-Arabien.

          Topmeldungen

          Brexit-Treffen : Johnson blitzt bei Juncker ab

          Der britische Premierminister Johnson hatte Zuversicht verbreitet, doch seine Gespräche mit Kommissionschef Juncker blieben ohne konkretes Ergebnis. Das erste Treffen zwischen den beiden Politikern findet ein kurioses Ende.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.