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Wilbur Ross : Wird ein Bankrottspezialist Trumps Wirtschaftsminister?

Ein Trump-Fan der frühen Stunde: Wilbur Ross hat auch am Wirtschaftsprogramm des designierten Präsidenten mitgeschrieben. Bild: Reuters

Der Milliardär Wilbur Ross könnte bald Minister unter Präsident Trump sein. Mit Politik hatte Ross bislang kaum etwas zu tun. Umso mehr dafür mit strauchelnden Unternehmen.

          Der 78 Jahre alte Finanzinvestor Wilbur Ross hat Aussichten, Wirtschaftsminister unter dem Präsidenten Donald Trump zu werden. Der Milliardär gehört zu den frühen Unterstützern Trumps. Er hat zusammen mit dem kalifornischen Ökonomen Peter Navarro am Wirtschaftsprogramm der neuen Regierung gearbeitet und es in der Öffentlichkeit vorgestellt und verteidigt. Das Gerücht, dass Ross auf einer kurzen Liste von Kandidaten für das Amt des Wirtschaftsministeriums steht, hat ein anderer Unterstützer Trumps zu verbreiten geholfen:

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Der schillernde Investor Carl Icahn twitterte, dass Ross Wirtschaftsminister und der frühere Goldman-Sachs-Banker Steven Mnuchin Finanzminister werden könnten. Eine offizielle Bestätigung des Trump-Lagers gibt es aber nicht. Donald Trump twitterte lediglich, dass er in einem sehr organisierten Prozess die Besetzung von Kabinettsposten und vielen anderen Positionen entscheide. „Ich bin der Einzige, der weiß, wer die Auserwählten sind.“ Ross Bestellung würde ein Muster bestätigen, das sich bereits abzeichnet: Trump belohnt Unterstützer der ersten Stunde

          Ross’ Werdegang kennzeichnet ihn auf dem Papier zumindest als einen Angehörigen der Ostküstenelite, die vom Trumplager im Wahlkampf attackiert wurde. Sein Vater war Anwalt, er selbst besuchte nach der Vorbereitung durch eine katholische Eliteschule in Manhattan die Hochschulen Yale und Harvard Business School.

          Faible für strauchelnde Industrien

          Bei der Investmentbank Rothschild arbeitete Ross als Spezialist für Konkurse, zuletzt als Leiter eines eigenständigen Private Equity Fonds unter dem Dach von Rothschild, der sich auf Investitionen in die Schulden von Pleitekandidaten konzentrierte. Ende der neunziger Jahre machte sich Ross mit Mitstreitern bei Rothschild selbständig mit der Private-Equity-Gesellschaft WL Ross, die zum Start rund 400 Millionen Dollar Investorenkapital einwerben konnte. Wilbur Ross konzentriert sich auf strauchelnde Industrien.

          Im Jahr 2002 fügte er bankrotte Stahlkonzerne, darunter Bethlehem Steel, zur Internatonal Steel Group zusammen und verkaufte sie an den indischen Stahlkonzern Mittal. Ross hatte damals für sein Vorhaben auch die Unterstützung der Stahlarbeiter-Gewerkschaft gefunden. Eingeweihte verrieten dem Wall Street Journal, dass Ross mit dem Investment seinen Einsatz mehr als verzwölffacht hat.

          Nach der Stahlindustrie widmete sich Ross dem Kohlebergbau, wo er zusammen mit einem großen Bergbaukonzern angeschlagene Produzenten übernahm, zu einem Konglomerat zusammenfügte und an einen Anbieter verkaufte. In jüngster Zeit investiert Ross in strauchelnde amerikanische Ölunternehmen. Seine Investmentfirma hat Ross weiterverkauft, er dient aber noch als Chefstratege. Aus der Politik hatte sich Ross bisher weitgehend herausgehalten. Als Rudy Giuliani Bürgermeister von New York war, hat er diesen in Privatisierungsfragen beraten. Im Wirtschaftsministerium würde der Milliardär Ross Penny Pritzker beerben, eine der reichsten Frauen Amerikas.

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