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Ärzte-Korruption : 10.000 Euro Schmiergeld für den Arzt

  • Aktualisiert am

Medizinische Formulare. Bild: dpa

Bestechliche Ärzte sollen künftig härter bestraft werden. Kommt das oft vor? Ein Einblick in die Welt der Ärzte-Korruption.

          Wenn ein Arzt korrupt ist, kann er schon mal 10.000 Euro nebenbei verdienen. Diese Summe ist zumindest aus einem Verfahren überliefert, das vor ein paar Jahren vor Gericht landete: Der Arzneimittel-Hersteller Ratiopharm bezahlte Ärzte dafür, dass sie seine Medikamente verschrieben – und nicht etwa andere mit dem gleichen Wirkstoff.

          Von jedem Euro, den Ratiopharm so bekam, flossen fünf Cent an die Ärzte. Dabei hätten die Medikamente billiger sein können, wenn das Geld nicht an die Ärzte geflossen wäre.

          Andere Ärzte bekommen Geld von Krankenhäusern oder von Chiropraktikern dafür, dass sie ihnen Patienten vermitteln.

          Verboten, aber bisher nicht strafbar

          Bestechlichkeit ist zwar nach den Berufsordnungen der Ärzte verboten, aber strafbar war es bisher für die meisten Ärzte nicht. Für ihre Medikamenten-Schecks kam eine Ratiopharm-Mitarbeiterin mit dem Vorwurf der Bestechung vor Gericht. Doch vor drei Jahren urteilte der Bundesgerichtshof: Solange die Ärzte frei praktizieren und nicht angestellt sind, fallen sie in eine Gesetzeslücke.

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          Das soll sich jetzt ändern. Ein Gesetzentwurf, der heute vom Kabinett beschlossen worden ist, sieht bis zu drei Jahre Gefängnis vor – und zwar für alle Heilberufe, also auch für Therapeuten, Apotheker und Pfleger.

          Wie groß das Problem aber in der Praxis bisher war, ist nicht ganz klar. Vor zwei Jahren wurde bekannt, dass innerhalb von drei bis fünf Jahren mehr als 500 Ärzte wegen Bestechlichkeit und Vorteilnahme nach ihrer Berufsordnung bestraft worden sind. Allein im Fall von Ratiopharm aber hatte die Staatsanwaltschaft laut „Spiegel“ mehr als 3000 Verfahren gegen Ärzte eröffnet.

          Teure Fortbildungen bleiben erlaubt

          Dagegen steht die Zahl der niedergelassenen Ärzte von mehr als 100.000. In einer Umfrage der Universität Halle-Wittenberg im Auftrag der gesetzlichen Krankenkassen hatten allerdings vor vier Jahren rund drei Viertel der niedergelassenen Ärzte angegeben, sie hätten selbst noch nie so ein Angebot bekommen.

          Vor zwei Jahren hat die Kassenärztliche Bundesvereinigung in einer Broschüre einige weitere Praktiken vorgestellt, die verboten sind: Ein Laborarzt überlässt der Arztpraxis ihr Basislabor zum Dumpingpreis, wenn er dafür die Aufträge für die teuren Analysen bekommt.

          Andere Typen von Angeboten bleiben laut Strafgesetz auch jetzt erlaubt: Die Praxis, dass Ärzte von Pharmaunternehmen zu Fortbildungen eingeladen werden oder Geld für ihre Teilnahme an Studien bekommen. Nur wenn die Behandlung dem Arzt direkt einen Vorteil bringt, dann gilt das jetzt als Bestechung.

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