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Weniger als Mindestlohn : Selbständig - aber oft arm

Volles Sortiment, leerer Geldbeutel. Die Rechnungen für Kioskbesitzer gehen oft nicht auf. Bild: dpa

Sein eigener Herr sein - das ist für viele Menschen eine interessante Perspektive. Aber viele Selbständige verdienen nicht einmal den Mindestlohn, wie eine noch unveröffentlichte neue Studie des DIW zeigt. 

          Der Sprung in die Selbständigkeit ist mit Risiken verbunden. Und es winken noch nicht einmal immer gute Einkommen. Fast jeder fünfte Selbständige ohne Mitarbeiter verdient je Stunde weniger als das Mindestlohnniveau. Das zeigt eine neue, noch unveröffentlichte Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), die der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vorliegt.

          Philip Plickert

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Volkswirt“.

          „18 Prozent der Solo-Selbständigen in Deutschland, das sind etwa 400.000, verdienen weniger als 5 Euro netto je Stunde und haben damit weniger als den aktuellen Bruttomindestlohn“, erklärt DIW-Forschungsdirektor Alexander Kritikos. Unter den abhängig Beschäftigten lag nur jeder Zehnte unter 5 Euro Nettolohn. Die Daten sind dem Mikrozensus 2009 entnommen

          Studie: Mehr Kümmerexistenzen als erwartet

          „Die Zahl der Kümmerexistenzen ist mehr als ich erwartet hatte,“ sagt Kritikos. Zu den Solo-Selbständigen mit sehr geringem Einkommen zählen kleine Ladenbesitzer, Kiosk- und Kneipenbetreiber oder Dienstleister. Allerdings warnt Kritikos davor, den Blick zu sehr auf die Schlechtverdiener zu konzentrieren. Auch in der wissenschaftlichen Literatur werde oft dargelegt, dass der Median-Selbständige, der ein Einkommen verdient, das genau auf der Hälfte der Einkommensverteilung liegt, in vielen Ländern weniger als der Median-Angestellte verdiene. In Deutschland lag der Medianwert nach den Daten von 2009 etwas über 10 Euro je Stunde.

          „Die Gruppe der Selbständigen ist aber sehr heterogen“, heißt es in der DIW-Studie von Kritikos und seinen zwei Ko-Autoren Michael Fritsch und Alina Sorgner von der Uni Jena. Es gebe eine große Spannbreite der Einkommen bis hinein in den Spitzenbereich. Jene Selbständigen, deren Geschäft expandiert und die Mitarbeiter haben, verdienen deutlich besser. Ihr mittleres Einkommen liegt um 22 Prozent über demjenigen vom Durchschnitt der abhängig Beschäftigten. Neun von zehn dieser Selbständigen verdienten besser als vergleichbare Angestellte. Zu diesen gut Verdienenden zählen klassischerweise Handwerkermeister oder viele Angehörige der Freien Berufe. Insgesamt gibt es in Deutschland 4,2 Millionen Selbständige, davon 2,3 Millionen Solo-Selbständige und 1,9 Millionen mit Angestellten.

          Angesichts des Risikos der schwankenden Einkommen, die im Mittel nicht unbedingt höher liegen als beim Rest der Bevölkerung, müsse mehr über die Motivation von Menschen geforscht werden, die sich selbständig machen, fordert Kritikos. Er verwies darauf, dass auch nicht-monetäre Faktoren eine entscheidende Rolle spielten. Vielen Selbständigen gefalle es, ihr eigener Chef zu sein sowie ein höheres Maß an Unabhängigkeit und Flexibilität zu haben. „Es gibt keinen Grund, Solo-Selbständige grundsätzlich in ein schlechtes Licht zu rücken“, findet Kritikos. Vielmehr sollte die Politik die Hürden für Unternehmensgründungen so klein wie möglich machen.

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