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Weltwirtschaftsforum : Brückenbauer in Davos

Der Gastgeber und die Bundeskanzlerin: Klaus Schwab und Angela Merkel Bild: AP

Vertreter der größten Unternehmen und viele prominente Politiker treffen sich beim Weltwirtschaftsforum. Besonders beliebt ist die zwanglose Atmosphäre der Schweizer Berge. Carsten Knop berichtet aus Davos.

          6 Min.

          Davos liegt im Schnee. Gemessen daran, dass das Thermometer hier oben auf 1500 Meter Seehöhe am Samstag vor acht Tagen noch 8 Grad Celsius angezeigt hat und die bekannte Eislaufbahn wegen der hohen Temperaturen gesperrt werden musste, ist das selbst mitten im Winter durchaus bemerkenswert. Pünktlich zum Beginn des Forums am Mittwoch knirschte also trockener Pulverschnee unter den Schuhsohlen der Teilnehmer, die einmal mehr in Richtung Kongresszentrum aufbrachen, um über das Weltklima zu sprechen. Das ist auf dem Weltwirtschaftsforum zum einen wörtlich, zum anderen in vielerlei übertragenem Sinn gemeint.

          Denn es geht hier natürlich um die Reduzierung der sogenannten Treibhausgase wie Kohlendioxid, also tatsächlich um die vermutete Steigerung der auf der Erde vorherrschenden Durchschnittstemperatur. Aber allein dafür kommen natürlich keine 24 Staats- und Regierungschefs und 800 oder 900 Führungskräfte aus der Wirtschaft in die Schweizer Berge. Diskutiert wird ebenso engagiert über die politische und wirtschaftliche Großwetterlage, in allen ihren Verästelungen, von der Liberalisierung des Welthandels über eine verstärkte Regulierung von Hedge Fonds bis hin zur Frage, wo eigentlich die Zukunft des Journalismus liegt.

          Zustand der Welt Schritt für Schritt verbessern

          Denn auch die Medien und ihre zahlreichen Vertreter gehören zu dieser Veranstaltung unbedingt dazu, sollen sie doch die Botschaften, mit denen von Davos aus die Welt verbessert werden soll, in ebenjene tragen. Das wird Klaus Schwab, der Gründer des Forums, das in diesem Jahr zum 37. Mal seine Jahrestagung abhält, nicht müde zu betonen. In der Hektik des Eröffnungstages steht er da im Hotel Belvedere, das neben dem Kongresszentrum der Dreh- und Angelpunkt der Veranstaltung ist, gemeinsam mit seiner Frau, begrüßt seine Gäste mit Handschlag und kann mit beinahe allen Namen etwas anfangen.

          Palästinenserpräsident Mahmud Abbas und Israels Vizepremier Shimon Peres

          Der Mann ist das Forum. Und wer Schwab in das schmale, konzentrierte und freundlich-sympathische Gesicht blickt, zweifelt keine Sekunde daran, dass ihn die Probleme, die hier in fünf Tagen diskutiert werden, tatsächlich umtreiben. Dass er wahrhaftig alles in seiner Kraft Stehende tut, den Zustand der Welt Schritt für Schritt zu verbessern. Dass er dabei den Unternehmensführern, die ihm hier die Hände schütteln, die Gelegenheit gibt, nebenher so manches Geschäft anzubahnen, nimmt er billigend in Kauf. So ist eben die Welt.

          Komplett vernetzt, aber machtlos gegen das Wetter

          Und so ist es doch ein wenig tröstlich, dass die Kräfte der Natur auch im Jahr 2007 noch so manchem, der zum elitären Kreis der Teilnehmer gehört, die Planung seiner Anreise kräftig durcheinander wirbeln konnten. Die Welt mag längst komplett vernetzt und damit „flacher“ geworden sein, ihre Bewohner mögen alles, was sie an Informationen suchen, zu jeder Zeit über die Internetseiten von Google, Yahoo oder MSN finden. Dem Google-Vorstandsvorsitzenden Eric Schmidt hat das den Weg in das globale Bergdorf Davos aber nicht einfacher gemacht.

          Zum offiziellen Auftakt der Veranstaltung und der Eröffnungsrede durch Bundeskanzlerin Angela Merkel, die ebenfalls witterungsbedingt vom Hubschrauber auf das Auto umsteigen musste, hat der Amerikaner es jedenfalls nicht pünktlich geschafft. Nur sein Namensschild in der Nachbarschaft der Kanzlerin kündete von der Bedeutung, die seine Person inzwischen erlangt hat. Die Zeiten, in denen man ihn übernächtigt, ohne Krawatte, dafür mit einer Kaffeetasse in der Hand zwanglos im Düsseldorfer Büro seines vorherigen Arbeitgebers, des Softwarekonzerns Novell, treffen konnte, sind bei Eric Schmidt lange vorbei.

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