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Weltfinanzgipfel : IWF-Mittel sollen verdreifacht werden

  • -Aktualisiert am

Strahlende Gipfelteilnehmer: Barack Obama, Italiens Premierminister Silvio Berlusconi, Russlands Präsident Medwedjew Bild: AFP

Die führenden Industrie- und Schwellenländer stocken die Finanzmittel für IWF und Weltbank auf. Darauf einigten sich die Staats- und Regierungschefs der G-20-Staaten in London. Die Ressourcen des IWF sollen mittelfristig sogar auf 750 Milliarden Dollar verdreifacht werden. Mexiko bittet derweil akut um Hilfe.

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          Die Staats- und Regierungschefs der führenden Industrie- und Schwellenländer (G 20) haben sich auf dem Weltfinanzgipfel in London auf eine erhebliche Aufstockung der Ressourcen des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank verständigt. Der IWF, dem bisher rund 250 Milliarden Dollar zur Kreditvergabe an Krisenländer zur Verfügung stehen, soll unverzüglich weitere 250 Milliarden Dollar zu diesem Zweck erhalten. Die Europäische Union steuert hierzu 105 Milliarden Dollar bei. Mittelfristig ist eine Verdreifachung der IWF-Ressourcen auf 750 Milliarden Dollar geplant.

          Um Mitgliedsländern des IWF aus finanziellen Schwierigkeiten zu helfen, haben die G 20 darüber hinaus die Verteilung von zusätzlichen Sonderziehungsrechten (SZR) im Wert von rund 250 Milliarden Dollar beschlossen. Bei SZR handelt es sich um eine IWF-Reserveeinheit, die in Währungen wie Dollar, Euro, Pfund und Yen eingetauscht werden kann.

          Die Weltbank und andere multilaterale Entwicklungsbanken sollen nach dem Willen der G 20 rund 100 Milliarden Dollar zusätzlich erhalten, um Entwicklungsländern zu helfen und die Folgen der globalen Wirtschaftskrise für die Armen zu lindern. Diesem Zweck dient auch eine Ausweitung der Garantien im grenzüberschreitenden Handel um 250 Milliarden Dollar. Deutschland hat offenbar zugesagt, für rund 60 Milliarden Dollar Handelsfinanzierung zu bürgen.

          Mexiko bittet um 47 Milliarden Dollar

          Wie der geschäftsführende Direktor des IWF, Dominique Strauss-Kahn, in London mitteilte, hat Mexiko den Währungsfonds um einen Kredit zur Überwindung der Finanzkrise von rund 47 Milliarden Dollar gebeten. Das lateinamerikanische Land nimmt damit als erstes eine vor wenigen Tagen neu geschaffene Kreditlinie des Fonds in Anspruch, die Flexible Credit Line (FCL). Sie steht jenen Mitgliedern zur Verfügung, die nach Einschätzung des Währungsfonds eine vernünftige Wirtschafts- und Finanzpolitik machen und mutmaßlich unverschuldet in den Sog einer Krise geraten. Andere Kreditlinien des IWF haben in den vergangenen Monaten unter anderem schon Island, Ungarn, Ukraine und Rumänien in Anspruch genommen.

          „Vergangene Woche hat der IWF eine Reform seiner Kreditvergabepolitik beschlossen. Ich habe Länder mit einer guten Entwicklung, die nun von der Krise betroffen sind, ermutigt, von der FCL als ein Mittel zur Untermauerung internationalen Vertrauens Gebrauch zu machen“, sagte Strauss-Kahn. Mexiko habe sich mehr als zehn Jahre lang wirtschaftlich außerordentlich gut entwickelt, sowohl mit Blick auf das Wachstum als auch auf die Inflation. „Ein Kredit könnte einen wichtigen Beitrag zu Mexikos Wirtschaftspolitik in einem schwierigen globalen Umfeld leisten“. Er strebe eine schnelle Bewilligung des Kredits durch das Exekutivdirektorium an, sagte der IWF-Direktor.

          Der wesentliche Unterschied der FCL zu bisherigen Krediten des IWF besteht darin, dass die Bewilligung nicht an Bedingungen in Form eines wirtschaftlichen Reformprogramms geknüpft wird. Der IWF hat kürzlich vorausgesagt, dass die mexikanische Wirtschaft, die eng mit der amerikanischen verbunden ist, in diesem Jahr um rund 0,3 Prozent schrumpfen werde. 2010 sei mit einem Wachstum von 2,1 Prozent zu rechnen. Der mexikanischen Regierung von Präsident Felipe Calderón hat der Fonds bescheinigt, auf die Krise „schnell und mit einem umfassenden Maßnahmenpaket“ reagiert zu haben. Das gelte sowohl mit Blick auf Interventionen auf dem Devisenmarkt und Schritte zur Stabilisierung der Finanzmärkte, als auch auf ein Konjunkturpaket in Höhe von 1,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

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