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Agrarreform : Zuckerzusatz in den Wein bleibt erlaubt

Emotionales Kulturgut: der Wein in Deutschland

Emotionales Kulturgut: der Wein in Deutschland Bild: ddp

Deutsche und österreichische Winzer setzen bei der Gärung von Wein seit Jahrhunderten Zucker zu, wenn die Trauben nicht süß genug sind. Die EU-Kommission wollte das verbieten. Doch soweit kommt es nicht. Künftig sollen die Winzer aber weniger Zucker einsetzen.

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          Die deutschen Winzer dürfen voraussichtlich weiterhin Zucker bei der Gärung von Wein zusetzen. Das zeichnete sich am Montag bei einem Treffen der Agrarminister in Brüssel ab. Damit ist eine zentrale Forderung der Bundesregierung für die geplante Weinmarktreform erfüllt. Nach einem Kompromissvorschlag der portugiesischen EU-Ratspräsidentschaft soll die erlaubte Zuckermenge jedoch Schritt für Schritt sinken. So soll der Alkoholgehalt vom Weinjahr 2008/09 an durch den Zusatz von Zucker nur noch um 3 Prozentpunkte erhöht werden können. Vom 2009/10 an sollen die Winzer den Alkoholgehalt noch um 2,5 Prozentpunkte steigern dürfen. Nur wenn das Wetter sehr schlecht war, soll weiterhin die bisherige Obergrenze von 3,5 Prozentpunkten gelten. Zudem sollen die Winzer auf dem Etikett angeben müssen, wenn sie Zucker zugesetzt haben.

          Hendrik Kafsack
          Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.

          Deutsche und österreichische Winzer setzen bei der Gärung Zucker zu, wenn die Trauben selbst wegen mangelnder Sonnentage oder frühzeitiger Lese nicht süß genug sind. Derselbe Effekt kann dadurch erreicht werden, dass konzentrierter Most benutzt wird. Das ist aber teurer. Die Europäische Kommission wollte die auch „Saccharose“ genannte Zuckerung ursprünglich verbieten. Sie wollte damit ausgleichen, dass mit der Reform auch die Zuschüsse von jährlich 200 Millionen Euro für die Verwendung von Most in den südlichen EU-Staaten gestrichen wird.

          Behörde will Anbaufläche reduzieren

          Mit der Reform der Weinmarktordnung will die Behörde verhindern, dass die Weinüberproduktion weiter steigt. Sie hat deshalb auch vorgeschlagen, die Winzer dafür zu bezahlen, wenn sie einen Teil ihrer Rebstöcke freiwillig roden. Die EU-Behörde wollte die Anbaufläche von 3,6 Millionen Hektar auf diese Weise zunächst um 400.000 Hektar reduzieren. Nun ist nur noch von einer Reduzierung um 175.000 Hektar die Rede. Außerdem hatte die EU-Kommission angeregt, die Zuschüsse für das Brennen von unverkäuflichem Wein zu Industriealkohol zu streichen. Hierfür gibt die EU derzeit bis zu einer halben Milliarde Euro im Jahr aus. Davon profitieren vor allem die südeuropäischen Staaten. Auch hier zeichnet sich ein Kompromiss ab, nach dem die Förderung der Destillation noch einige Jahre lang möglich wäre.

          In Deutschland und Österreich ist die Anreicherung mit Zucker wie auch in Luxemburg, Slowenien und Tschechien seit Jahrhunderten üblich. In Deutschland darf der Alkoholanteil um 3,5 Prozentpunkte, in klimatisch schwierigen Zonen mit einer Ausnahmegenehmigung sogar um 4,5 Punkte angehoben werden. Nur in Baden gilt eine striktere Grenze von 2,5 Prozentpunkten. Allerdings dürfen auch Prädikatsweine wie Kabinett, Spätlese oder Eiswein nicht angereichert werden.

          Deutschland lehnt den Kompromiss ab

          In einer ersten Reaktion lehnte Deutschland den Kompromiss der Portugiesen ebenso als immer noch zu strikt ab wie Österreich. „Wir können nicht unsere Winzer hier auf dem europäischen Altar verkaufen. Sie wissen, welch ein emotionales Kulturgut der Wein für uns in Deutschland ist“, sagte Landwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU). Er schlug zugleich vor, mehr Geld in Strukturreformen auf dem Weinmarkt zu investieren. Mehr als insgesamt 1,3 Milliarden Euro im Jahr dürfe aber auch künftig nicht für den Weinsektor ausgegeben werden. Österreich ist darüber hinaus gegen die von der Kommission geplante Angleichung der Etikettierungsvorschriften für Qualitäts- und Tafelweine.

          Das Ministertreffen begann am Montag mit einer Verzögerung, weil Vertreter der Umweltschutzorganisation Greenpeace aus Protest gegen die Fischereipolitik der EU das Ratsgebäude in Brüssel blockierten. Die Umweltschützer hatten mehrere Eingänge zugemauert und auf die Mauer „Geschlossen, bis sich die Fischbestände erholt haben“ gesprüht. Die Minister verhandeln von diesem Dienstag an über die Fischfangquoten für 2008.

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