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Wegen Charlottesville-Äußerungen : Trump steht ganz ohne Vorstandschefs da

„Die Schuld liegt auf beiden Seiten“: Amerikas Präsident Trump beim Auftritt vor der Presse im New Yorker Trump Tower. Bild: AFP

Die Beratungsgremien des Präsidenten werden komplett aufgelöst. Und der Präsident tut so, als sei es seine Entscheidung gewesen.

          Die Treffen von Spitzenmanagern mit Donald Trump im Weißen Haus gehören vorerst der Vergangenheit an. Zwei Beratungsgremien des amerikanischen Präsidenten, das „Manufacturing Council“ und das „Strategy and Policy Forum“, sind am Mittwoch komplett aufgelöst worden. Zuvor hatten eine Reihe von Managern aus Protest ihre Beraterfunktionen niedergelegt. Die Rücktritte stehen in Zusammenhang mit Trumps Reaktion auf die gewalttätigen Ausschreitungen in Charlottesville am vergangenen Wochenende. Trump selbst stellte das Ende seiner Beraterstäbe als seine Entscheidung dar. „Anstatt Druck auf die Wirtschaftsleute im Manufacturing Council und im Strategy & Policy Forum auszuüben, beendige ich beide. Ich danke Ihnen allen!“ Noch am Tag zuvor hatte sich Trump angesichts der wachsenden Zahl von Abgängen aus seinen Gremien trotzig gegeben und gesagt: „Für jeden CEO, der aus dem Manufacturing Council austritt, habe ich viele, die ihren Platz einnehmen. Angeber hätten nicht mitmachen sollen.“

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Es ist kaum davon auszugehen, dass die Auflösung der Gremien Trumps Entscheidung war. Der Exodus von Managern in den vergangenen Tagen hatte mit der zögerlichen Distanzierung des Präsidenten von rechtsextremen Gruppen wie Neonazis zu tun, die die Aufmärsche in Charlottesville organisiert hatten. Trump hatte zunächst nur von „Gewalt auf vielen Seiten“ gesprochen. Am Montag übte er in einer abgelesenen Stellungnahme zwar doch direkte Kritik an rechten Extremistengruppen, in einer Pressekonferenz am Dienstag stellte er sich aber wieder auf die Position, dass die Schuld nicht nur auf einer Seite liege.

          CEOs: Trumps Auftritt war zutiefst beunruhigend

          Nach dieser Pressekonferenz kündigte eine Serie weiterer Wirtschaftsvertreter ihren Rücktritt als Berater des Präsidenten in teils sehr deutlichen Worten an. Richard Trumka, der Präsident der Gewerkschaftsvereinigung AFL-CIO, sagte: „Wir können nicht in einem Gremium für einen Präsidenten sitzen, der Bigotterie und inländischen Terrorismus toleriert.“ Denise Morrison vom Lebensmittelhersteller Campbell Soup sagte am Mittwoch: „Rassismus und Mord sind eindeutig verwerflich und und zu nichts moralisch äquivalent, das sonst in Charlottesville passiert ist. Ich glaube, der Präsident hätte in diesem Punkt unzweideutig sein sollen – und müsste dies noch immer sein.“ Jeffrey Immelt, der bis vor kurzem den Mischkonzern General Electric führte, nannte Trumps Auftritt „zutiefst beunruhigend.“ Vom Strategy and Policy Forum kam am Mittwoch eine vorsichtiger formulierte Stellungnahme, in der es hieß, die Debatte um die Teilnahme an dem Gremium sei eine Ablenkung von dessen Zielen geworden, bei politischen Diskussionen zu helfen.

          In den beiden Gremien saß ein „Who is Who“ der amerikanischen Wirtschaft. Zum Strategy and Policy Forum, das Trump in allgemeinen Wirtschaftsfragen beraten sollte, gehörten Vorstandschefs wie Mary Barra (General Motors), Jamie Dimon (JP Morgan Chase), Indra Nooyi (Pepsico) und Doug McMillon (Wal-Mart). Im Manufacturing Council, das zur Stärkung der verarbeitenden Industrie eingerichtet wurde, saßen Dennis Muilenburg (Boeing), Michael Dell (Dell) und Alex Gorsky (Johnson & Johnson). Im Zusammenhang mit Charlottesville war Kenneth Frazier vom Pharmakonzern Merck & Co. am Montag der erste, der aus einem der Trump-Gremien ausgetreten ist. Aber auch schon in den vergangenen Monaten haben mehrere Top-Manager ihre Beraterrolle aus Protest aufgegeben. Elon Musk vom Elektroautohersteller Tesla und Bob Iger vom Unterhaltungskonzern Walt Disney traten zum Beispiel zurück, nachdem Trump das Pariser Klimaabkommen aufgekündigt hatte. Der erste Abgang war im Februar Travis Kalanick, der frühere Vorstandschef des Fahrdienstes Uber. Kalanick reagierte damit auf das zuvor von Trump verhängte Einreiseverbot für Menschen aus bestimmten mehrheitlich muslimischen Ländern.

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