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Geldpolitik : Was macht die EZB, wenn der Euro noch stärker wird?

  • Aktualisiert am

Neubau der Europäischen Zentralbank in Frankfurt Bild: dpa

Führende Notenbanker der Währungsunion deuten weitere Maßnahmen an. Bundesbankchef Weidmann schließt sogar Anleihekäufe nicht aus. Ist das nur Rhetorik?

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          Die Inflationsrate in der Europäischen Währungsunion liegt deutlich unterhalb des Zielwertes, den die Europäische Zentralbank anstrebt und wird nach Ansicht der Notenbank-Ökonomen auch für eine längere Zeit auf niedrigem Niveau bleiben. Die Wirtschaft der Währungsunion erholt sich zwar, aber nur sehr langsam - zumal in den von der Schuldenkrise besonders betroffenen Ländern. Aus diesen beiden Gründen gab es vor den jüngsten Zinssitzungen der EZB-Direktoren Diskussionen darüber, ob die Notenbank neue Maßnahmen einleiten wird.

          Nun kocht die Gerüchteküche wieder. Denn namhafte Währungshüter deuteten genau dies an. Besonders aufmerksam nahmen Analysten und die angelsächsische Finanzpresse zur Kenntnis, dass gerade der deutsche Bundesbankpräsident Jens Weidmann in einem Interview sogar umfassende Anleihekäufe durch die Euro-Zentralbank nicht kategorisch ausschloss. Das Thema Staatsanleihekäufe sei im EZB-Rat nicht vom Tisch, sagte er dem Finanzdienst „Market News International“.

          Mehr erwärmen kann er sich selbst offenbar dafür, dass die Zentralbank private Kreditpakete kauft - auch wenn er dies dahingehend einschränkte, dass es sich nur um Papiere mit bester Bonität handeln dürfe. Als eine mögliche Option thematisierte er schließlich auch negative Einlagenzinsen, wodurch Banken für Geld, das sie bei der EZB parken, einen Strafzins zahlen müssten.

          Ist 1,40 Dollar die Grenze?

          Weidmanns Worte haben deutlich mehr Gewicht als die anderer Euro-Notenbanker, weil die Bundesbank allen außergewöhnlichen geldpolitischen Instrumenten und besonders Staatsanleihekäufen äußerst kritisch gegenüber steht. Ähnlich wie Weidmann äußerte sich der finnische Notenbank-Direktor Erkki Liikanen. Und EZB-Präsident Mario Draghi sagte nach Angaben des „Wall Street Journal“ während einer Rede in Paris: „Wir werden tun, was nötig ist, um Preisstabilität zu sichern.“

          Die Frage ist nun, ob die EZB tatsächlich unmittelbar davor steht, eines der genannten Instrumente einzusetzen, oder ob die Notenbanker bloß ihre Rhetorik verschärfen (Stichwort „Verbale Intervention“). Für Letzteres spricht, dass sowohl Draghi als auch Weidmann in ihren Äußerungen ausdrücklich auf den Wechselkurs des Euro eingingen. Draghi sagte, die EZB beobachte ihn sehr genau, Weidmann verlautbarte, dass ein weiter steigender Außenwert der Gemeinschaftswährung den Inflationsausblick beeinflussen könnte - und die Teuerungsrate noch weiter vom Zielwert nahe zwei Prozent entferne.

          Der Grund: Umso mehr der Euro wert ist, umso teurer sind Produkte aus der Währungsunion für den Rest der Welt. Und umso günstiger werden die Importe. Beides dämpfte tendenziell den ohnehin niedrigen Preisauftrieb.

          Offiziell hat die EZB bisher zwar kein Wechselkurs-Ziel ausgegeben. Auffällig war aber, dass vor rund zwei Wochen, als der Euro-Kurs bis beinahe auf 1,40 Dollar gestiegen war, Notenbankchef Draghi schon einmal betonte, dass die Aufwertung immer relevanter werde. Der Euro gewinnt seit dem Sommer des vergangenen Jahres gegenüber dem Dollar nahezu kontinuierlich an Wert.

          An diesem Mittwoch gab er leicht nach auf etwas weniger als 1,38 Dollar. Das könnte mit den Äußerungen Weidmanns, Draghis und Liikanens zusammenhängen. Ist das so, hätten (zunächst) wieder Worte ausgereicht. An den Märkten gibt es aber auch die Ansicht, dass die Euro-Währungshüter womöglich ihren Worten auch einmal Taten folgen lassen müssen, sollte der Euro seinen Aufwärtstrend fortsetzen - auch der Glaubwürdigkeit wegen.

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