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Internet-Milliardär : Warum unterstützt der Paypal-Gründer Trump?

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„Ich bin stolz darauf, schwul zu sein. Ich bin stolz darauf, Republikaner zu sein.“ - Peter Thiel am Donnerstagabend auf dem Parteitag in Cleveland. Bild: dpa

Die Internetgemeinde im Silicon Valley mag weder die Republikaner noch ihren Kandidaten Donald Trump besonders. Der bekannte Investor Peter Thiel ist eine Ausnahme. Was treibt ihn an?

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          „Ich bin stolz darauf, schwul zu sein. Ich bin stolz darauf, ein Republikaner zu sein. Aber am meisten bin ich stolz darauf, ein Amerikaner zu sein.“ Frenetischer Beifall brandet auf, nachdem Peter Thiel diese Sätze gesagt hat - auf dem Parteitag der Republikaner in Cleveland, an dem Abend, an dem der Spitzenkandidat Donald Trump seine Kandidatur offiziell annehmen wird.

          Kurz danach, ganz am Ende seiner Rede, schiebt Thiel dann noch nach: „Ich rufe meine amerikanischen Mitbürger dazu auf, sich zu erheben und für Donald Trump zu stimmen.“ Wieder großer Applaus.

          Und die Delegierten hören zu, was Peter Thiel zu sagen hat.

          Peter Thiel hat den Internet-Bezahldienst Paypal gegründet, investierte als einer der ersten in Facebook und hat jüngst für Schlagzeilen gesorgt durch seine Unterstützung, die Klatschseite Gawker zu verklagen. Der in Deutschland geborene, aber schon kurz danach in die Vereinigten Staaten ausgewanderte Investor, gehört zu den bekanntesten Köpfen des Silicon Valleys. Und genau das ist der Grund, weshalb so viele Beobachter über Thiels Trump-Bekenntnis staunen: Denn die kalifornische Internet-Gemeinde hat für die Republikanische Partei insgesamt und zumal für den politischen Seiteneinsteiger Trump eher wenig übrig.

          Peter Thiel ist eine Ausnahme. Spekulationen darüber, wieso er lieber Trump als Clinton an der Spitze der größten Volkswirtschaft der Welt sähe, gibt es einige. Womöglich ist er insgesamt mit „Washington“ unzufrieden - im Sinne eines Codes für das politische Establishment, für die aktuellen Debatten und Themen, für „political correctness“.

          Thiel sagte in Cleveland beispielsweise: „Als ich ein Kind war, ging die große Debatte darüber, wie wir die Sowjetunion besiegen, und wir gewannen. Jetzt, so kriegen wir erzählt, soll die wichtige Diskussion die Frage sein, wer welches WC benutzt. Das ist eine Ablenkung von unseren richtigen Problemen. Wen kümmert das?“ Thiels Rede zufolge befindet sich Amerika außerdem im „wirtschaftlichen Niedergang“ und Donald Trump sei der einzige im Wahlkampf, der das ehrlich anspreche.

          Ist Thiel für weniger Demokratie?

          Darüber lässt sich streiten, viele Wirtschaftsfachleute schätzen das anders ein. Vor allem, weil Niedergang wirtschaftlich immer auch ein relativer Begriff ist und die Vereinigten Staaten im Vergleich mit anderen Weltregionen ihre Position in den vergangenen Jahren nicht verschlechtert haben.

          Für Thiels Positionierung pro Trump wird außerdem ein Aufsatz des Internet-Investors angeführt aus dem Jahr 2009 (hier geht's zum Original). Unter dem Titel „The Education of a Libertarian“ hebt Thiel hervor, wie wichtig ihm die persönliche Freiheit sei, dass er sich als libertär ansieht und dass er mittlerweile zu dem Schluss gelangt sei, dass „Freiheit und Demokratie nicht miteinander kompatibel sind“. Außerdem analysiert er in diesem Aufsatz: „Seit 1920 haben der starke Anstieg von Empfängern von Wohlfahrtsleistungen und die Wahlberechtigung für Frauen (...)  den Begriff einer 'kapitalistischen Demokratie' in ein Oxymoron verwandelt.“ Er hat später an diesen Text eigene Anfügungen gemacht, in denen er unter anderem feststellt, dass es „absurd“ wäre zu suggerieren, dass Frauen das Wahlrecht entzogen werden könne oder dass dies tatsächlich ein Problem der Vereinigten Staaten lösen würde.

          Der Guardian-Journalist Ben Tarnoff hält für möglich, dass sich Thiel auch aufgrund dieser Grundhaltung für Trump starkmacht und vorzieht, dass der Republikaner der nächste Präsident im Weißen Haus wird. Als ein Präsident, der schon als Kandidat eher autoritär auftritt.

          In Kauf nimmt Thiel dabei, wie das „Time Magazin“ anmerkt, wohl auch, dass die Republikanische Partei seine eigenen Freiheitsrechte zumindest teilweise einschränken möchte. In ein Grundsätze-Papier hat die Partei gerade auch eine Passage aufgenommen, in der es darum geht, dass Homosexuelle durch Therapien zu Heterosexuellen werden könnten; und dass die Ehe heterosexuellen Paaren vorbehalten sein soll. „Ich täusche nicht vor, mit jedem einzelnen Punkt in unserem Grundsatzprogramm einverstanden zu sein“, sagte Thiel während seiner Rede in Cleveland. Unter dem Strich ist er aber eben für Trump.

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