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Wettbewerbsfähigkeit : Irland hängt Deutschland ab

Die Iren sind stolz auf ihr Land und auch die Attraktivität und Wettbewerbsfähigkeit des Landes steigen. Bild: AP

Vor ein paar Jahren noch gehörte Irland zu den größten Krisenstaaten Europas. Jetzt soll es wettbewerbsfähiger sein als Deutschland. Was ist da los?

          Die Überraschung ist groß, jetzt wo die Wirtschaftsuniversität IMD aus Lausanne ihr Länder-Ranking vorgestellt hat. Deutschland, das wohlhabende, wirtschaftlich prosperierende Deutschland, soll nicht mehr zu den zehn wettbewerbsfähigsten Ländern der Welt gehören – dafür aber Irland. Vorgeschoben von Rang 16 auf Rang 7. Ausgerechnet das Land, in dem noch vor wenigen Jahren die Banken am Abgrund standen und das von den übrigen Euro-Staaten Hilfskredite brauchte - auch von Deutschland. Muss sich Deutschland sorgen, dass sein Wohlstand auf Dauer nicht gesichert ist? Und wo sind die Probleme?

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Tatsächlich hat sich Deutschland in den Augen des Rankings sogar etwas verbessert. Deutsche Entwickler melden immer mehr Patente an. Den Unternehmen nützt, dass die Zinsen in Deutschland besonders niedrig sind, Investitionen kosten nicht viel Geld. Gleichzeitig profitiert Deutschland von der geringen Arbeitslosigkeit, selbst die Chancengleichheit soll sich verbessert haben.

          Doch es ist Irland, das in den vergangenen Jahren kräftig an seiner Wettbewerbsfähigkeit gearbeitet hat. Im Rahmen des Rettungsprogramms hat Irland seinen Arbeitsmarkt reformiert und das Staatsdefizit zurückgedrängt – so hat Irland in schwachen Feldern den Anschluss an Deutschland gefunden. Jetzt wirken Irlands Tugenden. Irländische und ausländische Manager finden: Wer ein innovatives neues Startup gründet, bekommt dafür auf der Insel viel leichter Risikokapital als in Deutschland – und es wird für Startups immer leichter.

          Schlechtes Zeugnis für deutsche Manager

          Während Deutschland den Strom im Rahmen der Ökostrom-Förderung immer weiter verteuert und energieintensive Betriebe immer häufiger ans Abwandern denken, sinkt in Irland der Strompreis für die Industrie im Einklang mit generell sinkenden Energiepreisen. Doch nicht nur der Strom ist billig, sondern auch die Löhne – und zwar nicht die Löhne der einfachen Arbeiter. Es sind die Manager, die sich in Irland in den vergangenen Jahren mit Gehaltserhöhungen zurückgehalten haben – auch das bringt die Iren in der Rangliste der IMD nach vorne. Bei all dem ist es kein Wunder, dass in Irland die Wirtschaft wieder kräftig wächst – auch das bringt noch mal Punkte.

          In Deutschland dagegen stellen sich die Manager selbst ein schlechtes Zeugnis aus. Für jedes Land geht auch eine Befragung von heimischen Managern und Expats aus anderen Ländern in die Rangliste ein. Diese Manager zeichnen ein schlechteres Bild von der Unternehmenskultur in Deutschland als im vergangenen Jahr: Die Aufsichtsräte überwachten die Vorstände nicht sorgfältig genug, auch die Kapitalmarkt- und Bankenregulierung wird als weniger wirksam eingeschätzt als im Vorjahr – ebenso die Gesetzestreue der Banken gegenüber den Regeln, die gelten.

          Und dann kommt die Politik. Während die „Alternative für Deutschland“ in Deutschland ihren Aufschwung erlebt, wird die deutsche Politik aus Sicht der Manager unattraktiver. Politische Instabilität gilt zwar in Deutschland nach wie vor als unwahrscheinlich, aber nicht mehr als ganz so ausgeschlossen wie noch vor einem Jahr. Da verliert Deutschland einen wichtigen Standortvorteil.

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